1864_Lewald_163_204.txt

ging von einer Seite des Turmes nach der anderen, bis er abermals der Birkenhöhe gegenüber stand, und dortin schauend, wiederholte er: Sehr gut, sehr gut! Sie haben mich in der Tat durchaus befriedigt und, fügte er mit leichtem Lächeln hinzu, es wird mir lieb sein, Sie gleichfalls zufrieden zu stellen.

Herbert verneigte sich und sagte ablehnend: Herr Baron, ich habe nur getan, was meine Pflicht war, was jeder Andere an meiner Stelle auch getan hätte!

Wie bescheiden! scherzte der Freiherr; aber wir sprechen mehr davon. Sie können mich heute um fünf Uhr dort drüben erwarten, wo ich Sie hoffentlich wie hier zu loben haben werde.

Herbert, der nicht gewillt war, sich von dem mann, welcher ihm so schwer zu nahe getreten, als Gunst gewähren zu lassen, was Eva's freier Wille ihm in wenig Monaten zugestehen konnte, bedauerte, dass er auf die Ehre verzichten müsse, den Freiherrn auf die Höhe zu begleiten, und erst jetzt schien dieser es zu bemerken, wie kühl der Baumeister seine Lobsprüche aufgenommen, wie gemessen und wortkarg er ihm geantwortet hatte. Er sah ihn mit schnellem und prüfendem Blicke an und fragte dann: Was hindert Sie, mich drüben im Tempel zu erwarten?

Ich reise noch vor Mittag ab, gnädiger Herr!

Sie gehen nach der Stadt?

Nein, Herr Baron!

Der Freiherr zauderte, dann sagte er mit schlecht verhehltem Argwohn: Sie haben doch von der Krankheit der Baronin und von ihrem Aufentalte im Flies'schen haus Nachricht?

Ja, Herr Baron, und eben desshalb habe ich meine Zimmer dem Herrn Caplan zur Verfügung gestellt, da ich, so lange er dort weilt, nicht dahin zurückzukehren gedenke!

Der Freiherr verstand ihn. Wie ein Cavalier gehandelt! dachte er; aber es war ihm unangenehm, Herbert dieses Zugeständniss nicht versagen zu können, und noch widerwärtiger war ihm die Vorstellung, dass jener es für nötig erachtete, die Baronin durch seine Zurückhaltung vor dem eifersüchtigen Verdachte ihres Gatten zu schützen. Ueberall, wohin er blickte, gewahrte er jene Annäherung des bürgerlichen Standes an den Adel, die sich nicht mehr zurückdrängen liess, weil die fortgeschrittene Bildung die Kluft bereits ausgefüllt hatte, welche sonst die Stände von einander geschieden. Nur um es nicht erraten zu lassen, dass ihm in Herbert's Antworten etwas missfallen habe, verlangte er zu wissen, wohin er gehe.

Herbert versetzte, dass er bis morgen in Marienau beschäftigt sei.

Das gefiel dem Freiherrn auch nicht. Was machen Sie dort? rief er spöttisch. Hat Steinert in dem schloss denn nicht Platz genug?

Im Gegenteil, er findet es, wie die meisten Schlösser, weit grösser, als das Gut es tragen kann! gab Herbert, der seinen Unmut und seinen beleidigten Stolz vor dem Freiherrn immer nur mühsam in Schranken hielt, ihm in gleichem Tone zur Antwort. Wir haben die Flügel des ruinenhaften Schlosses eingerissen, um einen Schafstall und eine Brennerei daraus zu bauen.

Herbert sagte das mit sichtlichem Vergnügen, weil er wusste, dass es seinem Hörer nicht genehm war. Und schon wieder hatte dieser es vor Augen, wie der Bürgerstand sich in den Rittergütern einnistete, wie das Gewerbe sich ausbreitete, wo sonst ein Edelmann frei und stolz auf seinem Erbe sass, und wie Herbert sich mit voller Sicherheit schon zu den Steinerts rechnete.

Um des Freiherrn gute Laune war es nun getan. Er wiederholte kurz zusammenfassend seine Anordnungen und Befehle, hiess den Gehülfen sich am Nachmittage nach der Höhe begeben, und schied von Herbert mit der Bemerkung, dass er ihn bei der Abnahme des Baues noch sehen werde.

Als er in das Schloss zurückkehrte, sagte man ihm, dass der Amtmann da sei, nach des Herrn Befehlen zu fragen. Es war das immer so gehalten worden, wenn der Freiherr längere Zeit von Richten entfernt gewesen war, aber dieses Mal handelte es sich um mehr als eine alte Sitte.

Was bringt Er? rief der Freiherr dem Amtmanne entgegen, da dieser die Anrede desselben abgewartet hatte.

Adam trat näher an ihn heran und sagte mit einem sorgenvollen Ausdrucke: Ich habe nichts Neues zu bringen, gnädiger Herr, denn was hier geschehen ist, haben Sie durch den Herrn Caplan erfahren, und es ist nicht der Art, dass man es wiederholen mag. Aberer zögerte, schien die rechte Form nicht gleich zu finden, und sagte dann mit Ueberwindung: Ich komme mit einer Bitte, gnädiger Herr!

Ah, rief der Freiherr, dem die demütige Haltung des sonst so straffen Mannes nicht entging, sie haben Ihn abgesandt!

Der Amtmann schüttelte das Haupt. Es hat mich Niemand abgesendet und Niemand weiss davon. Ich komme auch nicht um meinetwillen, aber ich wollte Sie bitten, gnädiger Herrhalten Sie morgen nicht selbst Gericht!

Es war ihm sauer geworden, dies auszusprechen; der Freiherr hatte offenbar auch eine ganz andere Bitte zu hören erwartet. Ratschläge, und nun gar unerbetene Ratschläge von seinen Untergebenen anzunehmen, war niemals seine Sache gewesen, und der Gedanke, dass Adam sich die Freiheit, ihn unaufgefordert zu beraten, nur gestatte, weil er bald aus seinem Dienste scheide, machte ihm die Warnung, denn auf eine solche hatte Adam es ja abgesehen, nicht willkommen. Er war eben daran, sie hart zurückzuweisen, aber der Ausdruck von anhänglicher sorge, mit welchem der Amtmann auf ihn blickte, liess den Freiherrn innehalten; und erst nach einer