hatte, dessen Augen klug und forschend auf ihm ruhten, wusste er nicht gleich, von welchem Punkte er die Sache in Angriff nehmen sollte, und wie alle vom Glücke Verwöhnten vor jeder Unbequemlichkeit zaghaft und zaudernd, sagte er: Wie geht es Ihnen, lieber Flies? Ich habe Sie lange nicht gesehen, ich war lange nicht hier; aber ich wollte meinem Sohne doch einmal eine Stadt zeigen und muss auch einen der hiesigen ärzte wegen der Baronin zu Rate ziehen.
So sind die Frau Baronin leidend? fragte Flies.
Recht sehr, recht sehr, antwortete der Freiherr mit sichtlicher Zerstreuteit; ich denke, der Doctor muss bald kommen!
Er hatte noch immer nicht den Mut, dasjenige zu verlangen, was er mit Leichtigkeit gefordert haben würde, als er sich noch im Vollbesitze seines Vermögens und seines Ansehens gewusst hatte, und Herr Flies, welcher den Zustand des Freiherrn wohl erkannte, fand es daher angemessen, ihm mit der Bemerkung entgegen zu kommen, dass es ihm, da er den Arzt erwarte, wahrscheinlich erwünscht sein werde, die Geschäfte schnell zu beenden, und dass er ihm einen, wie er glaube, sehr annehmbaren Vorschlag für dieselben zu machen habe.
Der Freiherr, sehr zufrieden, dass er nicht derjenige zu sein brauchte, der die Verhandlungen in gang brachte, und doch zugleich verdriesslich darüber, dass Flies sich so heiter und frei zu fühlen schien, während er selbst sich von dessen gutem Willen mehr als ihm lieb war abhängig wusste, verlangte den Vorschlag zu hören.
Herr Flies zog die Briefe, welche er von dem Freiherrn erhalten hatte, aus seiner Brusttasche hervor und sagte: Verstehe ich die Meinung Ihres letzten Briefes recht, Herr Baron, so wünschen Sie ausser der Summe, welche auf Rotenfeld jetzt aufgenommen war, eine zweite Hypotek in gleichem Betrage auf Rotenfeld, und eine eben so grosse auf Neudorf eintragen zu lassen.
Der Freiherr bejahte das; Flies machte ein nachdenkliches Gesicht. Es war dem Freiherrn, als sässe er angeklagt vor seinem Richter.
Die Posten sind stark, hob nach kurzem Schweigen der Kaufmann an, und Geld ist teuer! Es wird Ihnen grosse Zinsen kosten, Herr Baron, Zinsen, die kaum aufzubringen sein werden, wenn wir einmal ein Missjahr haben, wie eben jetzt, und vollends wenn der Krieg ....
Der Freiherr wurde ungeduldig. Das sind Vorstellungen und keine Vorschläge, mein lieber Flies! rief er, ihn unterbrechend. Die ersteren habe ich mir selber längst gemacht, wollen Sie mich die anderen hören lassen?
Ich weiss nicht, ob sie dem Herrn Baron passen werden, hob jener an. Ich denke mein Geschäft mit Nächstem einmal aufzugeben.
natürlich, Sie sind ein reicher Mann! rief der Freiherr, dem die Gemächlichkeit des Kaufmannes unerträglich dünkte.
Nun, ich habe allenfalls zu leben, entgegnete dieser mit Gelassenheit, und ich fühle, dass es mir nicht mehr bekommt, die ganzen Tage im Laden und im Comptoir zu stehen. Fünfunddreissig Jahre solcher Arbeit lasten auf dem Menschen, und meine Frau hat auch ihre Ruhe verdient. Meine Tochter ....
Liebster Flies, unterbrach ihn der Freiherr, Sie dürfen glauben, dass Ihr Wohlergehen mich freut, aber die Vorschläge, welche Sie mir zu machen hatten ....
Hangen damit eben zusammen, Herr Baron! versicherte der Kaufmann. Wer sich zur Ruhe setzen will, muss vorsichtiger werden, als der Geschäftsmann, darf nicht Alles auf eine Karte, auf einen Wurf setzen und muss sich für den Fall, dass die Ruhe ihm doch nicht zusagt, immer ein Capital zur Hand halten, mit dem sich allenfalls einmal wieder etwas anfangen lässt. Ich wäre nicht abgeneigt, Geld auf Rotenfeld herzugeben, es ist ein schönes Gut; auch Neudorf ist ein schönes Gut, und es würde sich auch wohl auf Neudorf ein Capital beschaffen lassen; aber die zweite Hypotek auf Rotenfeld würde mir nicht conveniren, Herr Baron, und desshalb wollte ich Ihnen den Vorschlag machen, ob Sie nicht etwas von Ihrem liegenden Besitze verkaufen wollten?
Der Freiherr fuhr auf: Verkaufen? – Sie werden doch nicht glauben, dass ich eines meiner Güter zu verkaufen denke? Sie denken doch nicht daran, dass ich Neudorf oder gar Rotenfeld, wo ich eben jetzt die Kirche baue, verkaufen soll?
Herr Flies lächelte kaum merkbar, und mit einem Blicke seiner klugen Augen, den ein Achtsamer nicht missverstehen konnte, sagte er: Wie sollte ich adelige Güter kaufen wollen, Herr Baron, und vollends die neue Kirche, was sollte mir die? – Nein, Herr Baron, ich dachte an Ihre Güter nicht; aber wie wäre es mit dem haus, das der Herr Baron von der fräulein Tante in Berlin ererbten? Es steht leer, wie ich gesehen habe.
Der Freiherr schwieg, denn obschon der Vorschlag, der ihm am leichtesten aus den Verlegenheiten helfen konnte, ihm sofort einleuchtete, widerstrebte ihm doch der Gedanke, sich irgend eines Besitztumes zu entschlagen, auf das äusserste. Während er sonst seines Hauses in der Residenz mit grosser Gleichgültigkeit gedachte, stand es ihm jetzt in seiner ganzen Würdigkeit vor Augen, und er fühlte sich mit mannigfachen Banden und Erinnerungen an dasselbe gefesselt. Was wollen Sie denn mit einem solchen haus tun? fragte er endlich.
Herr Flies lächelte abermals, und so, dass der Baron es sehen musste. Was ich damit machen will? – Ich war im vorigen Jahre mit Frau und Tochter in der