die Baronin kennt meinen Entschluss! Unsere Kirche, welche stets die Schwäche und Hülfsbedürftigkeit des Menschen im Auge behält, hat uns auch für den Fall, in dem ich mich befinde, das Mittel an die Hand gegeben! Erkennt sie doch in dringendem Falle auch dem Laien eine priesterliche Machtvollkommenheit zu!
Ach, Herr Baron, rief der Caplan erschreckt und schmerzlich, Sie haben sich der Herzogin vertraut, Sie sprachen mit der Herzogin davon!
Der Baron stutzte. Was soll der Ausruf?
Sie bitten, Sie beschwören, dies nicht zu tun! Entfernen Sie die Herzogin nur wenig Wochen, nur wenig Tage! Um alles Guten, um Ihrer und Ihres Sohnes willen flehe ich Sie darum an!
Nicht doch, mein Freund! Wozu sollte das führen? versetzte der Freiherr; ich bin fest entschlossen und mir völlig klar. Ich habe mein Leben von dem der Baronin in meinem Herzen ein für alle Mal geschieden. Sie weiss das seit diesem Abende, und ich habe ihr gesagt, dass ich Sie, mein Freund, und die Frau Herzogin, die das geheimnis kennen, dess zu Zeugen nehme; im Uebrigen soll kein Mensch davon erfahren. – Und wie ich hier getan, was dem mann und dem Edelmanne gebührt, so denke ich überhaupt mein Recht zu wahren. – Es bleibt dabei, dass Adam fortgeht! Ich kann keine Beamten brauchen, welche es vergessen, dass ich hier zu gebieten habe, dass ich der Herr bin; und es ist mir ganz recht, dass ich dieses Exempel an dem ersten, dem obersten meiner Leute statuiren kann. Die Anderen werden sich um so besser danach zu richten wissen. Ich dränge ihn nicht, fortzugehen, er mag seine und meine Angelegenheiten in Ruhe abwickeln. Ist dies getan, so soll er gehen!
Der Caplan neigte das Haupt. Dann freilich habe ich nichts mehr zu sagen! sprach er und stand auf, um sich zurückzuziehen. Der Freiherr hielt ihn nicht zurück.
Erst als jener der tür zuschritt, sagte er: Nur Mut, mein alter Freund; man muss den Kopf hoch tragen, wenn man ihn in diesen Tagen des Missgeschickes überhaupt oben auf seinem Rumpf behalten will! Sie taten, was Ihres Amtes ist, ich tue das Meinige! Geschieht das überall, weicht Niemand von seinem platz, vergiebt man nichts von seiner Würde, von seinem Rechte, zeigt man sich unerschütterlich, wer und was sollte uns da erschüttern? – Ich habe leider nach einer Seite kein Glück gehabt, lassen Sie mich also an meiner alten überzeugung um so fester halten, dass ich Glück in der Freundschaft habe, dass ich mich zu den nicht eben zahlreichen Personen rechnen darf, die es verstehen, die Freundschaft zu ehren und zu pflegen! Und glauben Sie mir, die Frau Herzogin teilt meine Freundschaft, ja, meine sorge für und um Sie. Nur Geduld bis in den Sommer, bis wir die Kirche fertig haben und die Steinerts fort sind; dann schaffe ich Ihnen ein eigenes Haus, ein Asyl, in dem es Ihnen wohler sein soll, als hier unter uns, die wir ja leider einmal Weltkinder sind und bleiben!
O, ich kenne den Anteil, den die Frau Herzogin an mir nimmt! sagte der Caplan, während ein schmerzliches Lächeln um seine Lippen spielte. Aber der Freiherr schien dies nicht zu bemerken, und die Bedeutung nicht zu verstehen, welche der Geistliche in seine Worte legte. Er reichte ihm mit freiem Anstande freundlich die Hand und begleitete ihn bis gegen die tür hin, obschon jener die ihm zum Abschiede dargebotene Rechte zum ersten Male nicht ergriffen hatte.
Drittes Buch
Erstes Capitel
Die Tage waren mild und ohne Wind. So weit das Auge reichte, bedeckte wieder der Schnee das Land. Auf dem Amtofe in Rotenfeld ertönte laut der Schall der Arbeit. Der Takt der Dreschflegel, die Axt des Holzhauers, das Knarren des Brunnenrades, das Brüllen und Blöcken der Haustiere, das aus den weiten Stallungen herübertönte, unterbrachen die Stille, und das Tun der Menschen, ihr Kommen und Gehen belebte mit der sich alljährlich wiederholenden notwendigen Beschäftigung in gewohnter Weise die Einsamkeit. Es war Alles, wie es im vorigen Winter, in allen ihm vorangegangenen gewesen war, obschon es der letzte sein sollte, welchen die Bewohner des Amtauses in demselben zubrachten.
Im schloss zu Richten war es anders. Dort hörte man nichts von der wohltätig wiederkehrenden Gleichmässigkeit der Arbeit, und der Winter ist sehr lautlos auf dem land. Die grossen Portale waren geschlossen, um der Kälte den Eingang zu wehren; auf weichen Teppichen bewegte die Dienerschaft sich geräuschlos in den Gängen und auf den Treppen umher, und nur wenn man an die Fenster trat, sah man in weiter Ferne gelegentlich einen Schlitten wie einen flüchtigen Schatten halb verschleiert von dem feinen Dufte, der die ganze Luft erfüllte, über die weite Ebene gleiten. Was unter der weissen Hülle im Schoosse der Erde arbeitete, was in den heimlichen Nestern und Schlupfwinkeln geschah, in die das Leben der Feldtiere, der Vögel und der Insecten sich zurückgezogen hatte, das verbarg sich dem Auge des oberflächlichen Beobachters; und wer flüchtig an dem schloss vorüberging, in dessen weiten Gärten und auf dessen prächtigem hof die lustigen Spatzen und die immer rührigen Krähen ihr Wesen trieben, oder wer nur als Gast in das Schloss kam und die glänzende und würdige Gastfreiheit der Schlossherrschaft genoss, der hätte meinen müssen, es sei auch hier im schloss Alles noch so, wie