, wie sie es mir ja selbst in Ihrem Beisein einst gestanden, Anfangs ein lebhaftes Abmahnen gegen mich gefühlt hat, und da diese anscheinende Liebe nach dem schmerzlichen Zwiespalte, in welchen der Untergang der armen Pauline mich geworfen, die Neigung der Baronin nicht von mir wandte, so nahm ich die Liebe meiner Frau dankbaren und vertrauensvollen Herzens auf und schätzte sie um so höher, als ich – bemerken Sie das wohl, mein Freund – diese Liebe nicht erwartet, nicht gefordert hatte. Ich genoss sie als eine frei gewährte Gunst, und ich habe auch den Uebertritt zu unserer Kirche nie von meiner Frau begehrt; ich habe es nicht verlangt, dass sie um meinetwillen mit ihrem ganzen haus breche – ich bin, Sie wissen das ja selbst, nicht ortodox und eigentlich nicht einmal kirchlich. Was ich mit mir, mit meinen Erinnerungen abzumachen hatte, das würde ich allein oder mit Ihrem Beistande in meinem Herzen abgeschlossen und zu versöhnen getrachtet haben. Ich bedurfte der sichtbaren Versöhnung, der Busse, der Opfer, der Auferbauung nicht. Sie selber legen ja auch, wie Sie mir heute bewiesen, nicht grade den höchsten Wert darauf. Der Uebertritt der Baronin zu unserer Kirche war ihr ein Bedürfniss; der Kirchenbau und obenein der Bau in Rotenfeld, das ich gern meide, war aber ein selbst in materieller Hinsicht sehr schweres Zugeständniss an meine Frau!
Er hatte das bestimmt und lebhaft gesprochen; nun hielt er plötzlich inne. Sagen Sie selbst, rief er, habe ich mich in dieser Darstellung beschönigt?
Nicht eigentlich, entgegnete der Caplan, nur möchte ich Sie daran erinnern ....
Das nachher! Das nachher, mein Freund! fiel der Freiherr ein. Lassen Sie mich vollenden. Es genügt mir, dass Sie mir gerecht sind. – Er sammelte sich darauf abermals und fuhr fort: Wir leben allerdings in einer schweren Zeit, in welcher, wie Sie vorhin sehr richtig bemerkten, der Adel die Pflicht hat, sich in seiner ganzen angestammten Würdigkeit zu behaupten. Dieser Pflicht zu genügen, öffnete und bot ich einer flüchtigen und edlen Verwandten mein Haus und meinen Beistand; aber auch bei uns ist das Unheil, ist der Uebermut der unteren Classen so weit gediehen, dass selbst meine Diener urteilen, wo sie zu gehorchen hätten, und sich Vorstellungen erlauben, die über ihre Befugnisse hinausgehen. Der Amtmann, welcher sich als Herrn fühlt, weil unsere Nachsicht seinen Voreltern die Möglichkeit gegeben hat, sich in unserem Dienste zu bereichern, unterfängt sich seit einiger Zeit, mir Vorhaltungen wegen meiner Ausgaben zu machen – während ich seine Einnahmen nicht controlire – und fühlt sich beleidigt, wird aufsässig, wie das ganze Volk, weil ich nicht darein willige, seine Schwester mit einem jungen mann zu verheiraten, der, ebenfalls in meinen Diensten, frech genug war – er unterbrach sich und sprach dann schnell und bitter – sein Auge und seine Wünsche bis zu der Baronin von Arten zu erheben, und von dem die Baronin, welche mich einst, ohne dass ich es begehrte, und vielleicht mehr als ich's verdiente, liebte, jetzt, nach achtjähriger Ehe, nach acht Jahren eines vollen, unbedingten Zutrauens in ihre Ehre und Tugend, mir eingesteht, dass sie ihn liebe, ihn schon lange geliebt habe, und dass ich ziemlich der einzige sei, der dieses noch nicht wisse!
Er ging wieder umher; die Lust, sich im Spiegel zu betrachten, musste ihn verlassen haben. Er schöpfte tief Atem, nahm die Dose heraus und hielt sie mechanisch in der Hand, ohne sie zu öffnen. Als er die Dose wieder eingesteckt hatte, sagte er: Solchen Ereignissen gegenüber gibt es für einen Mann wie ich nur Einen Weg. – Ich habe der Baronin nichts zu verzeihen, denn ich kann sie nicht dafür verantwortlich machen, dass sie nicht stärker ist, als ihr Geschlecht, und dass ich töricht genug war, sie für eine Ausnahme zu halten. Aber erinnern Sie sich, was ich Ihnen oftmals sagte: meine Sinne haben mich niemals beherrscht, wo mein Herz mit ihnen nicht im Bunde war, und mein Herz hat sich der Baronin abgewendet. –
Um Gottes willen, Herr Baron, wie ist das möglich? Wie darf ein flüchtiger Irrtum das Vertrauen, die Neigung, die Liebe langer Jahre unwiederbringlich vernichten? Wie dürfen Sie in solcher Weise richten, Herr Baron?
Lassen Sie das, mein Freund. Ich richte, ich verdamme nicht, aber Sie kennen das Geheimnissvolle in der Liebe nicht, Sie haben nie ein Weib geliebt, niemals Ihr Herz einem weib anvertraut! entgegnete der Baron mit dem Tone der Empfindung, und so beschäftigt und hingenommen war er von sich selbst, dass er das sanfte, traurige Lächeln nicht bemerkte, welches wie ein Schein des Abendlichtes über des Caplans mildes Antlitz glitt. Es gibt keine Wiederkehr in der Liebe, fuhr der Freiherr fort, oder glauben Sie, ich könnte es vergessen, was die Baronin mir gestanden hat? Würde nicht, so oft sie mir von Liebe spricht, jenes: ich liebe Herbert, ich, die verheiratete Frau, die Gattin des Freiherrn von Arten, liebe diesen Herbert – mir in das Ohr klingen?
Er ergriff abermals des Caplans Hand, und mit zusammengepresster stimme sprach er: Das ist nicht die Eitelkeit des älteren Mannes, Freund, die es nicht ertragen kann, neben einem geliebteren mann zurückzustehen! Es ist das nicht zu besänftigende Ehrgefühl des Edelmannes, und