sein Bewenden haben. Der Herr Baron müssten mich selber für keinen Mann von Ehre halten, liess' ich das auf meinem Freunde, auf dem mann sitzen, den ich nun einmal als meiner Schwester Bräutigam ansehe! Der gnädige Herr selber haben uns den Baumeister in das Haus geschickt ....
Doch nicht, damit die Eva sich gleich auf gut Glück in eine Liebschaft mit ihm einlässt!
Gnädiger Herr, fuhr der Amtmann auf, und seine grossen Augen blitzten – meine Schwester ....
Sein Vater, fiel ihm der Freiherr in die Rede, da er fühlen mochte, dass er zu weit gegangen sei, Sein Vater hat mir das Mädchen anvertraut, ich habe darauf zu halten, dass kein leichtsinniger, kein unzuverlässiger Mann es bekommt; ich habe des Mädchens Ruf, Glück und Zukunft zu bedenken, und das tue ich!
So sollten doch der gnädige Herr vor Allem solchen Leuten das Handwerk verbieten und uns solche Leute nicht ins Haus schicken, die der Eva geraden Weges Fallstricke legen, fuhr der Amtmann, dem die Galle überlief, heraus; denn, unumwunden, gnädiger Herr, dem Herrn Marquis weis' ich die Tür, wenn er sich noch einmal in meinem haus blicken lässt!
Er und der Baron wendeten sich dabei gleichzeitig nach der Seite um, an welcher der Marquis sich vorhin befunden, indess sie gewahrten, dass er den Saal verlassen hatte, und leidenschaftlicher, als der Amtmann seinen Herrn jemals gesehen, rief dieser: Stekken Ihm auch die aufsässigen Gedanken im Sinne? Vergisst Er, dass ich Sein Herr bin? Wo ist Sein Haus, Er Unverschämter?
Aber grade die Masslosigkeit des baron brachte Adam zur Besinnung, und sich gewaltsam fassend, sagte er: Ich vergesse nicht, dass ich in den Diensten des gnädigen Herrn bin, aber ich bin nicht sein Knecht, nicht sein Höriger: Ich bin ein freier Mann, gnädiger Herr! Wo ich und meine Väter mit Ehren seit langen Jahren Haus gehalten haben, da ist mein Haus, und ich müsste kein Mann von Ehre sein, wenn ich da nicht Jedermann die tür wiese, der mit Unehren sich an meine Schwester wagt!
Er war blass geworden, während er so sprach; auch der Freiherr hatte die Farbe gewechselt. Nun denn, rief er, Hausrecht wider Hausrecht! Ich will Ihm zeigen, wer hier Herr ist, da Er's zu vergessen scheint! Er verlässt mein Haus und meinen Dienst!
Das traf den Amtmann, aber auch dem Freiherrn war nicht wohl zu Mute, da er das Wort gesprochen. Einen Augenblick fühlte Adam, als sinke er in das Leere, indess den Freiherrn wollte er das nicht merken lassen, und sich zusammennehmend, sagte er, ohne eine Miene zu verziehen: Der Herr Baron haben zu befehlen! Aber gleich heute oder morgen kann ich nicht von hier fort – wie viel Zeit wollen der Herr Baron mir lassen?
Die anscheinende Ruhe seines Untergebenen reizte den Baron, und sein Zorn gegen die männliche Fassung Adam's, in welcher jener nur die jetzige ihm so verhasste Auflehnung des bürgerlichen Standes gegen die über ihm stehende klasse des Adels sah, verhärtete seinen Sinn.
Mach' Er das mit sich selber ab! gab er dem Amtmanne kurz zur Antwort, kehrte ihm den rücken und entfernte sich durch die Seitentür, durch welche der Marquis vorhin gegangen war. Der Amtmann stand eine Minute lang regungslos auf seinem platz, dann ging er langsam durch den Haupteingang von dannen.
Fünfzehntes Capitel
Es war ein schwerer, gewichtiger Schritt, mit dem der Amtmann durch die breiten Gänge, durch die hohe Eintrittshalle und über die weit hingelagerte Rampe hinabschritt, aber das Herz war ihm noch schwerer. Was er jetzt erlebt hatte, was ihm eben jetzt widerfahren, war keine Kleinigkeit. Siebenundzwanzig Jahre hatte sein Urgrossvater die Arten'schen Güter verwaltet, achtundvierzig Jahre sein Grossvater. Zu seines Vaters zeiten hatte Baron Franz die hundertjährige Dienstzeit der Steinerts auf Schloss Richten feierlich begangen. Der reichverzierte silberne Pokal, den der Freiherr damals seinem Amtmanne verehrt, stand noch mit dem Eichenkranze, der freilich welk geworden war, voran im grossen Glasschranke. Seit acht Jahren, seit seines Vaters tod, wirtschaftete Adam nun für den Baron, und als er die Stelle angetreten, war er mit dem guten, festen Glauben darangegangen, hier zu leben und zu schaffen und zu sterben wie die Amtleute vor ihm, wie sein Vater und dessen Vater auch.
Allerdings hatten seitdem die zeiten und die Zustände sich sehr verändert. Er konnte nicht mehr, wie sein Vater es getan, am Neujahrstage es dem Herrn vermelden, dass und welchen Ueberschuss die Güter eingetragen. Es war seit den acht Jahren immer mehr aufgegangen, als man eingenommen hatte; der Kirchenbau, die Unterstützung der vielen Flüchtlinge, das breite, keinen Zeitverhältnissen sich unterordnende Gesellschaftsleben und die grosse Prachtliebe des baron, welche von der Herzogin genährt ward, hatten in wenig Jahren nicht nur die angesammelten Capitalien aufgezehrt, sondern, da man in den letzten Jahren oft schnell das Geld gebraucht, mannigfache Anleihen nötig gemacht, für die man bei den unruhigen zeiten ungewöhnlich hohe Zinsen zahlen müssen, die man nicht immer gleich zu decken im stand gewesen war und welche neue Anleihen erfordert hatten. Freilich waren diese Verlegenheiten durch Aufnahme einer Hypotek auf Rotenfeld, in welcher Adam, um keine fremden hände an das Gut heranzulassen, durch Herrn Flies sein und Eva's Vermögen angelegt, für den Augenblick beseitigt