war. Man nannte ihn den Liebhaber von Mademoiselle Flies, von der Tochter Ihres Juweliers, die er freilich nicht heiraten kann ....
Und wesshalb nicht?
Ach, eine Jüdin! meinte der Marquis.
Mich dünkt, entgegnete der Freiherr, es haben in der Hauptstadt jetzt ganz andere Leute als mein Architekt die Töchter reicher Juden zu Frauen genommen, und es ist seit Jahren in der Welt mehr Auffallendes geschehen, als das. Reich genug ist Flies, und Sie sagen ja, schön sei das Mädchen auch geworden!
Sich verdammen zu lassen um sie! rief der Marquis und erging sich in der Beschreibung von Seba's Reizen. Der Freiherr hörte nicht darauf. Es ist mir lieb, dies zu wissen! war Alles, was er sagte, als eben der Diener anzeigte, dass der Amtmann warte.
Als Adam in die Gallerie trat, war er unangenehm durch die Gegenwart des Marquis überrascht, obschon dieser sich zurückgezogen hatte und, anscheinend mit einem buch beschäftigt, an dem Postamente einer der Statuen lehnte, deren sich mehrere zu beiden Seiten aufgestellt befanden. Der Freiherr blieb mitten im saal stehen, und ohne dem Amtmanne Zeit zu dem Wunsche eines guten Morgens zu lassen, sagte er: Es ist mir lieb, Steinert, dass Er kommt, ich hätte Ihn sonst heute oder morgen rufen lassen. Mit der Eva und dem Baumeister ist es nichts; die Eva muss sich's aus dem Sinne schlagen!
Die kurze, rasche Weise, in welcher der Baron von einer Angelegenheit sprach, die für Adam's Schwester und durch diese für ihn selbst von der grössten Wichtigkeit war, und dass er ihn in der Anwesenheit des Marquis in solcher Weise abzufertigen meinte, verdrossen den Amtmann auf das höchste. Er war gekommen, eine Familiensache ernstaft mit dem Vormunde seiner Schwester zu beraten, und wurde wie ein Lakai, dem man einen Urlaub abschlägt, stehenden Fusses abgefertigt und abgewiesen. Obschon er gewohnt war, als Untergebener vor eines Herrn Willkür Stand zu halten, hatte er doch Mühe, ruhig zu bleiben, denn hier handelte es sich nicht um seinen Dienst und um kein Amtsverhältniss. Er trat einen Schritt näher an den Baron heran und sagte, die stimme senkend: Ich würde es dem Herrn Baron sehr danken, wenn er die Gnade haben wollte, mich in seinem Cabinette anzuhören. Er blickte dabei nach dem Marquis hinüber; der Freiherr verstand ihn auch.
Der Herr Marquis versteht das Deutsche nicht! entgegnete er.
Ich habe Beweise vom Gegenteile, gnädiger Herr! bemerkte Adam bittend.
Die Einrede machte den Freiherrn ärgerlich, dessen seit der gestrigen Unterredung mit der Baronin schmerzlich aufgeregter Sinn sich nur schwer beherrschen lassen und nur auf einen Anlass gewartet hatte, um sich in einem Ausbruche heftiger leidenschaft genug zu tun. Gleichviel, rief der Freiherr, die Sache ist ja kein geheimnis: sag' Er, was Er will!
Der Amtmann, welcher nicht ahnen konnte, was im schloss vorgegangen, und der, wie selbsterrisch der Baron auch immer war, doch eine so grundlos herrische Behandlung sonst von ihm nicht erfahren hatte, wollte das Anliegen seiner Schwester nicht unnötig einer übeln Stimmung ihres Vormundes zum Opfer werden lassen, und mit mehr Ergebenheit, als in seinem inneren war, sagte er: Wenn ich vielleicht jetzt ungelegen komme, Herr Baron, so will ich warten – oder wiederkehren!
Der Baron sah aber in dem bescheiden getanen Vorschlage nichts als eine Widersetzlichkeit, und eine solche wollte er in Gegenwart des Marquis nicht ohne Rüge lassen, da dieser, wie der Freiherr es wohl wusste, des Deutschen im Laufe der Jahre allerdings mächtig genug geworden war, um vollkommen zu verstehen, was hier vorging.
wiederkommen – wesshalb das? Die Sache ist ja kurz genug, und ich werde Ihm schon sagen, wenn Er mir ungelegen kommt! rief der Baron. Der Baumeister will die Eva heiraten, und da ist Er wie die Andern alle. Wenn's ans Heiraten gehen soll, läuft ihnen der Verstand weg! Kennt Er den Architekten? Was weiss Er von ihm?
Gnädiger Herr, ich kenne Herrn Herbert nun seit fünf vollen Jahren, versetzte der Amtmann, dem die Worte des baron das Herz aufwallen machten. Er ist mein Freund geworden, ich kenne ihn als einen Ehrenmann, und der gnädige Herr und die Frau Baronin selber haben ihn ja ihrer Gesellschaft auch nicht für unwert angesehen.
Das war, mochte er sie absichtlich oder unabsichtlich gewählt haben, sicherlich die unglücklichste Beweisführung, welcher sich Adam bedienen konnte, denn gegen seine Gewohnheit heftig auffahrend, rief der Baron: Lass Er meine und meines Hauses Handlungsweise ein für alle Mal aus dem Bereiche Seiner Betrachtungen! Hört Er, merk' Er sich das! Damit Er aber weiss, woran Er ist, und damit Er es der Eva sagen kann, woran sie sich zu halten hat, so melde Er ihr, dass einer ein guter Baumeister sein und zum Ehemanne nicht taugen könne! Der Herbert steht mir nicht an, ich traue ihm nicht, und dabei bleibt's.
Er wendete sich ab und wollte sich entfernen. Aber auch Adam's Geduld war jetzt am Ende. Er konnte es nicht ertragen, sich und Herbert, für den er eine herzliche Freundschaft fühlte, im Beisein des von ihm missachteten Marquis so unwürdig behandeln zu lassen, und sich hoch aufrichtend, sagte er: Um Vergebung, gnädiger Herr, aber dabei kann's unmöglich