finden werde, falls er sich nicht selbst zur Ehe entschliesse, so ging sie scherzend die ganze Reihe ihrer weiblichen Bekannten durch, pries deren Eigenschaften, um die eigenen noch höher zu stellen, und versicherte Herbert, dass es doch von den allen keine so gut habe und haben werde, als sie, der Herbert gleich gefallen habe, als er ihr bei der ersten Fahrt durch das Dorf die ganz unverantwortliche Kusshand zugeworfen.
Indess trotz all ihrer Munterkeit konnte man ihr doch anmerken, dass sich ihrer allmählich eine heimliche sorge zu bemeistern begann, weil die Antwort des Freiherrn sich so lange erwarten liess. Sie sah verstohlen immer öfter nach der Uhr, je länger der Bote ausblieb, und als der Mittag da war, bemächtigte sich die Ungeduld allmählich auch der Männer. Man überlegte, ob man einen zweiten Boten nachsenden sollte, um zu hören, was aus dem ersten geworden sei. Herbert war unruhig, weil die Stunde, in der er abreisen musste, um einer Geschäftsbesprechung nachzukommen, längst vorüber war; Eva nannte es unverantwortlich, dass man ihr den schönen ersten Tag ihres Brautstandes so unnötig verbittere, und Adam, der sich am wenigsten vernehmen liess, war im inneren der Gereizteste.
Es war vier Uhr Nachmittags, als der Bote endlich wiederkehrte. Nun? rief ihm Eva entgegen, welche, ihn zu empfangen, die Tür geöffnet hatte und die Hand ausstreckte, ihm das Schreiben abzunehmen.
Der Knecht zog den Hut vom kopf, drehte ihn in den beiden Händen herum und sagte: Herr Amtmann, ich kann nichts dafür, ich habe gewartet und gewartet die ganze, ausgeschlagene Zeit ....
Schon gut! rief Eva, aber den Brief?
Der Knecht sah sie an; 'nen Brief? Ich hab' keinen Brief, Mamsell! sagte er.
Inzwischen waren auch die Männer hinzugekommen, und der Amtmann fragte, den Knecht scharf betrachtend: Du bringst keinen Brief?
Nein, Herr Amtmann! Der gnädige Herr wird Antwort schicken.
Wann? herrschte der Amtmann, dem das Blut zu kopf stieg.
Wann? das kann ich nicht sagen, Herr Amtmann! Das ist mir nicht bestellt, Herr Amtmann!
Der Amtmann sagte, er könne gehen, und rief ihn dann doch noch einmal zurück, um sich zu erkundigen, ob der Herr Baron vielleicht ausgefahren sei. Der Knecht verneinte das auf das bestimmteste, und sichtlich betroffen standen das Brautpaar und Adam nach des Knechtes Entfernung einander gegenüber.
Was bedeutet das? fragte Herbert.
Der Amtmann lachte bitter. Was es bedeutet? Man hat Sie früher auf dem schloss verwöhnt, Herr Schwager, weil man es so für gut fand, und beweist Ihnen jetzt, dass man es nicht nötig gehabt hätte, Sie also zu verwöhnen!
Eva's Antlitz hatte sich verdüstert. Du irrst, entgegnete sie, das ist keine blosse Laune!
Keine Laune? wiederholte der Amtmann; nun, wenn's keine Laune ist, dann ist's, was sie sich am wenigsten versagen und was eigentlich ihr Hauptvergnügen ist, dann ist's reine Willkür! Seit sie das vertriebene Franzosenpack im schloss haben, sind sie wie darauf versessen, es in jedem Augenblicke zu beweisen, dass sie hier noch nach Belieben schalten und walten können! Aber man bekommt das endlich satt!
Antwort schicken! Was das heissen soll? Antwort kann man heute schicken oder morgen oder über's Jahr! fiel ihm Herbert verdriesslich in das Wort, – und nun weinen Sie vollends darüber, liebe Eva!
Der Bruder schalt sie dafür. O, rief sie, wenn es nichts als des Freiherrn Willkür wäre, wollte ich ja nicht weinen, aber dahinter steckt die gnädige Frau! Sie gönnt ihn mir nicht; das weiss ja Herbert auch!
Der Amtmann traute seinen Ohren nicht. Er fragte; Eva erzählte, was sie mit der gnädigen Frau erlebt und was sie selbst dem Bruder bis dahin mit eifersüchtiger Verschwiegenheit vorentalten, und da dieser in Herbert drang, gestand der letztere es endlich ein, dass er allerdings oben in seinem Schreibtische ein paar Zeilen gefunden, die – wenn Eva sie nicht hineingelegt – ihm wohl von der Baronin gekommen sein konnten. Er versicherte, jene Zeilen hätten ihn auf das höchste überrascht, obschon er Angelika früher bewundert und, weil er sie nicht für glücklich gehalten, sie auch beklagt und ihr dies einmal ausgesprochen habe. Indess sei eben seine Werbung um die geliebte Eva die Antwort gewesen, welche er der Baronin auf die von ihr geschriebenen Verse gegeben habe, und ....
geben Sie mir Ihr Wort darauf, rief Eva, ihn unterbrechend, Ihr Ehrenwort, dass Sie diese arglistige Frau nicht wiedersehen wollen!
Er konnte ihr dieses Versprechen nicht leisten, denn er war nicht sicher, es halten zu können, und da er nicht umhin gekonnt, das geheimnis der Baronin teilweise Preis zu geben, bemühte er sich doppelt, es den Andern darzutun, wie nach seiner Kenntniss ihrer natur Angelika an einer kleinlichen Rache keinen Gefallen und in derselben keine Befriedigung finden könne.
Der Amtmann lächelte. Ich habe Ihnen schon einmal gesagt, meinte er, dass Sie die vornehmen Herrschaften nicht kennen, und wenn Sie wahrscheinlich besser von der Baronin denken, als solche Damen es zu verdienen pflegen, so kann ich Sie auch nicht darum schelten. Gegen den Windstoss, der Einem eine reife Frucht in den Schooss wirft, hat im grund Niemand etwas einzuwenden, auch wenn er