nach einer Weile. Er hat arbeiten lassen, so viel er irgend konnte, und mir scheint auch, als wäre man im inneren mit dem Baue tüchtig vorwärts gekommen.
Waren Sie dort, liebe Eva?
Ja, alle Tage, versetzte sie, und ich habe den Bruder recht darum gequält, dass er hübsch viel Leute anstellen sollte, fügte sie hinzu; aber Sie glauben gar nicht, wie er von allen Ecken und Enden geplagt wird. Sie gönnen ihm jetzt keine Stunde Ruhe, und es wäre bald nötig, dass er und ich Alles mit eigenen Händen täten. Denn wo ein Knecht oder eine Magd nur irgend anstellig ist, da werden sie jetzt zur Aushülfe aufs Schloss und zu den neuen Anlagen in den Treibhäusern befohlen, und alles Andere mag sehen, wie es fertig wird. Auch nach Ihnen haben sie in den letzten Wochen schon einige Male gefragt!
Der Freiherr wusste ja, bedeutete der Architekt, dass ich vor Ende dieses Monates nicht zu kommen brauchte.
Das hatte er längst vergessen, meinte Eva, denn er hat jetzt an ganz andere Leute und an ganz andere Dinge zu denken, als an Sie und Ihren Bau. Meine Mutter pflegte schon immer zu sagen: Die Herrschaften haben ein gehorsames Gedächtniss! Was sie nicht eben selbst angeht, was ihnen nicht nötig oder unterhaltend ist, das vergessen sie.
Eva hob dabei den Kopf mit einer kleinen wegwerfenden Miene in die Höhe, und Herbert schwieg. Er hatte gelegenheit gehabt, ähnliche Erfahrungen zu machen, aber er mochte nicht davon sprechen, sondern verlangte zu hören, wie es Eva während seiner Abwesenheit ergangen sei.
O, meinte sie, davon ist mancherlei zu erzählen. Ich habe hier zuweilen sehr vornehmen Besuch gehabt. Die Frau Baronin ist selbst mehrmals bei uns gewesen, und hat bei mir nachgefragt, ob wir die Herbstlieferungen auch zur rechten Zeit und gehörig besorgen würden.
Sie sprach das mit unverkennbarem Spotte, und Herbert fragte, über die Tatsache erstaunt, ob denn die Baronin eine Landwirtin sei.
O nein, rief Eva; sie wusste auch eigentlich gar nicht, was sie sagen oder wonach sie fragen sollte.
War sie denn nie zuvor im amt?
Ja, einmal vor Jahren, als sie mit dem gnädigen Herrn in Richten eingetroffen war, und damit half sie sich auch, als sie jetzt zum ersten Male hieher kam. Sie sagte, sie wolle das Haus sehen, ich sollte es ihr zeigen, aber das ganze Haus. Ich musste also auch Ihr Zimmer aufschliessen, Mosje Herbert, denn sie verlangte ausdrücklich zu wissen, wo Sie hier untergebracht wären; und als ich dann die Laden oben bei Ihnen aufgemacht hatte, setzte sie sich eine Weile auf Ihren Stuhl an das alte Bureau, an dem Sie schreiben, sah da zum Fenster hinaus und rief immer: Welch' schöne Aussicht! Welch' liebliche Aussicht! Aber von hier sieht man ja das Schloss nicht! Hat Sie denn kein Zimmer, Mamsell Eva, das nach dem schloss hinaussieht? Das hätte Sie dem Herrn Architekten geben sollen! – Ich musste ihr darauf auch die Hinterstuben öffnen, denn sie wollte nicht glauben, dass man hier vom amt das Schloss gar nicht sehen könne.
War der Baron mit ihr? fragte Herbert, und es fiel ihm auf, wie gleichgültig er sich nach der Frau erkundigen konnte, an die er einst mit so leidenschaftlicher Verehrung und Hingebung gedacht hatte.
Nein, sie kam ganz allein, entgegnete ihm Eva. Sonst freilich, als sie noch öfter nach den Leuten, nach den Armen und Kranken sehen fuhr, da pflegte der Herr Caplan sie bei ihren Ausfahrten zu begleiten. Seit aber die Frau Herzogin immer mit ihr ist, haben die Krankenbesuche fast ganz aufgehört, und hierher – nun, hier wollte sie wohl die Herzogin nicht bei sich haben!
Herbert meinte, das sei also der eine Besuch gewesen, was die Baronin denn bei den anderen Besuchen gewollt habe?
O, gar nichts, entgegnete Eva. Die anderen Male liess sie nur hier halten und erkundigte sich, wann Sie kämen, weil sie gern ein paar Zeichnungen für die Betschemel in ihrer Kirche von Ihnen gemacht haben wollte. Vorgestern aber stieg sie aus; das Wetter war sehr schön, und weil sie Durst hatte, befahl sie, dass ich ihr ein Glas frische Milch in den Garten bringen sollte. Als ich sie dortin geführt hatte und rasch nach dem Milchkeller laufen wollte, rief sie mich zurück und sagte, sie hätte damals oben in Ihrer stube ihr Notizbuch liegen lassen, wegen dessen sei sie eigentlich gekommen, und ich sollte ihr das holen.
Hatten Sie es denn nicht gefunden? fragte Herbert, dem die Erzählung immer auffallender wurde.
Gott bewahre! Ich sagte das auch gleich, aber die Frau Baronin meinte, es müsse da sein, und als ich wiederholte, dass ich selbst eben erst das Zimmer in Ordnung gebracht, weil wir Sie jetzt alle Tage erwarteten, bestand sie darauf, selbst nachzusehen, weil ihr an dem Notizbuche, in das sie sich notwendige Sachen eingeschrieben, gar zu viel gelegen sei. Es müsse auf dem Bureau liegen geblieben sein, behauptete sie. Sie ging denn auch gleich gerades Weges an das Bureau, schob die paar Bücher, welche Sie zurückgelassen hatten, hin und her – als ob ich das nicht selbst beim Abstäuben getan hätte –, zog die grosse Schieblade auf, was nun erst ganz überflüssig war, und ..