1864_Lewald_163_118.txt

in dieser linken Seite des Erdgeschosses wohnte Herbert, und mit einem Male tauchte der Gedanke in ihm auf, dass die Baronin es bereue, sich ihm auch nur einen Moment mit ihrem Herzen zugeneigt zu haben, und dass sie ihn aus ihrer Nähe zu entfernen wünsche. Das wies ihn vollends auf sich selbst zurück.

Ich fürchte, dass ich mich nicht in der Lage befinden werde, sagte er höflich, aber fest, den Herrschaften, wie sie es wünschen, meine Dienste widmen zu können.

Wie, rief die Baronin, die über ihre sonstige formelle Weise hinausgetrieben wurde, da sie eine Freiheit und Heiterkeit zur Schau zu tragen hatte, die sie zu fühlen weit entfernt warwie, mein Herr, Sie wollen sich unserem Dienste entziehen, da wir gerade jetzt uns zu einem künstlerischen Unternehmen rüsten?

Ich habe hier immer länger verweilt, entgegnete er, von dem Tone ihrer stimme wie von ihrem Blicke wieder schnell beherrscht, als ich es im grund vor meinen anderen Unternehmungen verantworten konnte, und ich ....

Und Sie bedauern das, wie es scheint, und wollen sich in Zukunft davor wahren, das ist in der Ordnung! sprach Angelika, während sie die schönen Lippen spöttisch aufwarf.

Dem Freiherrn, welcher seine Gattin mit Befremdung beobachtete, schien ihr Verhalten zu missfallen, denn er sagte mit entschiedener Kälte: Du darfst nicht vergessen, Beste, dass unser junger Freund nicht zu seiner oder unserer Unterhaltung, sondern des Baues wegen hergekommen ist!

Das traf Herbert wie ein Schlag, obschon es wie eine Rechtfertigung für ihn gesprochen worden war, und sich verneigend, sagte er: Daran dachte ich eben, Herr Baron, und ich wollte mir um desshalb die erlaubnis erbitten, nach Rotenfeld hinüberzuziehen, um an Ort und Stelle die Arbeit zu überwachen, so lange ich hier verweile und so oft ich in die Gegend wiederkehre.

Das Herz schlug ihm, als er so sprach, und wider seinen Willen hegte er doch im Innersten die heimliche Hoffnung, dass man ihn nicht gehen lassen werde. Er sah, dass Angelika die Farbe wechselte, aber weit entfernt, ihn für die Kränkung zu entschädigen, welche ihre herausfordernde Weise ihm von dem Freiherrn zugezogen hatte, sagte sie: Ja, freilich, Ihr Beruf und Ihre Arbeit gehen vor, denn es haben ja Andere an Sie die gleichen Ansprüche wie wir! – Sie gab damit ihre Zustimmung zu seinem Scheiden ebenfalls zu erkennen und erinnerte ihn, wie er glaubte, ebenfalls daran, in welchem Verhältnisse er sich neben ihr befinde. Herbert, der dies nie vergessen hatte, der sich bewusst war, eine solche Erinnerung nicht zu verdienen, empfand sie schwer und sich zusammenfassend, sagte er mit möglichster Ruhe: So gestatten Sie, gnädigste Frau, dass ich diese Bemerkung als das Zeichen meiner Beurlaubung betrachte und mich jetzt gleich nach Rotenfeld begebe!

Sie entgegnete ihm nichts; nur der Baron sagte leichtin, aber mit gewohnter Freundlichkeit, während er schon der Herzogin den Arm bot und der Marquis sich der Baronin näherte, um sie zum Frühstücke zu führen: Machen Sie das, lieber Herbert, wie Sie wollen, ganz wie Sie wollen, Lieber! – aber er forderte ihn nicht wie sonst auf, ihnen wenigstens jetzt noch zum Frühstücke zu folgen, sondern schritt ohne Weiteres dem kleinen Speisezimmer zu. Alles Blut strömte Herbert nach dem Herzen zurück. Er verbeugte sich und verliess bleich vor Zorn und unterdrückter Bewegung das Gemach.

Gehen Sie nicht fort, ehe ich Sie nicht noch über die bewusste Angelegenheit gesprochen habe, lieber Herbert! hörte er den Freiherrn ihm nachrufen; aber er beachtete es nicht, obschon er die Worte vernahm.

Draussen im Vorsaale begegnete ihm der Caplan, welcher sich zum Frühstück begab. Was ist geschehen? fragte dieser, als er die Verstörung des jungen Mannes sah.

Ich habe eine Lehre erhalten, die mir nötig war! gab Herbert ihm zur Antwort.

Der Caplan wollte ihn so nicht gehen lassen, wollte ihn zum Sprechen bringen: Herbert wies ihn zurück. Ein Diener kam nach dem Caplan sehen, den man beim Frühstück vermisste.

Gehen Sie, gehen Sie, Hochwürden, rief Herbert, Sie müssen ja gehorchen! Ich aber bin noch frei und, bei Gott, ich denke es auch zu bleiben!

Neuntes Capitel

In einer Stunde war sein Gepäck gemacht, eine halbe Stunde später war er auf dem Wege nach Rotenfeld. Als er dort ankam, war der Amtmann im feld; Eva empfing ihn mit heller Freude. Er gab die nötige Auskunft über den äusseren Anlass seiner Wiederkehr und bat um Nachsicht, wenn er ihr freundliches Willkommen nicht, wie er müsse, anerkenne.

Sie blickte ihn an, wurde plötzlich ernstaft und sagte, indem sie ihm die hände reichte: Mosje Herbert, Ihnen ist ein Unglück geschehen. Vertrauen Sie es mir, denn ich werde keine Ruhe haben, ehe ich es weiss!

Er sagte, er habe nur etwas Sammlung nötig, um einen Brief zu schreiben, und wenn er das getan, so werde er wieder munter sein.

Sie drang darauf nicht weiter in ihn und führte ihn in das Zimmer, welches er während der beiden letzten Tage inne gehabt hatte. Mit leiser, eilender Hand zog sie die Vorhänge auf und rückte die Möbel zurecht, wie er es brauchte. Sie war so natürlich in dieser Dienstbarkeit, dass er dieselbe wie ein Selbstverständliches ohne Danken hinnahm. Sie half ihm den Mantelsack öffnen und legte