allein könne seinem eigenen Gedanken in solcher Uebereinstimmung begegnet sein, und während sie so gleich mit ihm gefühlt, während sie darauf gesonnen hatte, ihn in so schöner und lieber Weise neben sich zu beschäftigen, hatte er sie gemieden, sie in seinem Herzen angeklagt und verdammt!
Beschämt und gerührt wollte Herbert fragen, ob die Frau Baronin mit der neuen Anordnung einverstanden sei, als sie selber mit der Herzogin in das Zimmer eintrat.
Der Freiherr ging den Frauen ein paar Schritte entgegen, aber Angelika, welche sonst sehr gemessen in ihrer ganzen Haltung war, eilte auf ihren Gatten zu und umarmte und küsste ihn. Dann begrüsste sie Herbert mit dem heiteren Vorwurf, dass er so plötzlich fortgegangen sei und sie und seine Arbeit im Stiche gelassen habe, um im Amtause eine ihm zusagendere und angenehmere Geselligkeit aufzusuchen. Das war Alles völlig gegen ihre sonstige Art.
Herbert hatte das Bedürfniss gefühlt, sobald als möglich der Baronin zu gestehen, wie tolle Ungeduld und sträflicher Zweifel an ihr ihn aus ihrer ersehnten Nähe fortgetrieben hätten, wie er bereuend wiedergekehrt sei, und nun sollte er sich scherzend wegen einer kleinen Formlosigkeit entschuldigen, welche man ihm leichter verzieh, als er es wünschen konnte! Er stand vor der Baronin wie vor einem unheimlichen Rätsel. Er kannte diese Miene, diese stimme, und kannte sie auch nicht. Es war Angelika und sie war es doch auch nicht. Dass sie ihn täuschte, eine Rolle spielte, das war seine ganze Hoffnung. Aber wesshalb tat sie das? Woher ihre Heiterkeit, woher ihre auffallende Zärtlichkeit gegen ihren Gatten? Zürnte sie Herbert? Wollte sie ihn strafen, weil er ihr durch seine Entfernung wehe getan, so musste er das tragen, ja, er hatte sich dessen zu freuen! Wie jedoch vermochte sie es, seiner zu spotten in Gegenwart des Mannes, an dessen Seite sie nicht glücklich war, wie konnte sie es vergessen, dass sie in Herbert's Armen über diesen Mann geweint?
Ihre Worte, ihr Ton schnitten ihm in das Herz und beleidigten ihn um so tiefer, je weniger er sich in der Lage befand, eine Erklärung ihres veränderten Betragens zu begehren. Ihr Scherzen zu erwidern, war gegen sein Gefühl, und sich mit raschem Entschlusse auf den Boden zurückziehend, auf welchem er sich mit Sicherheit behaupten konnte, sagte er, sich zur Ruhe zwingend: Ich glaubte, hier nicht vermisst zu werden, ehe die Herrschaften sich völlig über ihre Wünsche entschieden hatten und ....
Angelika liess ihn aber, grade wie der Freiherr, nach Art der Vornehmen, wenn sie ihren Willen durchsetzen wollen, seine Antwort gar nicht erst vollenden. So haben Sie also schon gehört, dass ich unnachgiebig auf meinem Sinn beharre? fiel sie ein.
Herbert verneigte sich. Sie sprachen es mir ja neulich, als ich die Ehre hatte, Sie, gnädige Frau, nach der Birkenhöhe hinauf zu führen, bereits aus, dass da oben keine Capelle erbaut werden dürfe! antwortete er, während sein blick auf ihr mit so ernstem Ausdrucke ruhte, dass sie ihr Auge verwirrt zu Boden senkte vor der Erinnerung, welche er ihr damit wachrief, und Ihre Absicht, statt der Capelle einen ....
Aber er konnte den Satz abermals nicht vollenden, denn der Baron gab ihm lebhaft und heimlich ein Zeichen, zu schweigen, und er bemerkte an den Mienen Angelika's, dass sie nicht wusste, wesshalb man ihm Schweigen auferlegte. Sie also hatte den Vorschlag zu dem Tempelbau nicht gemacht! Seine Hoffnung hatte ihn getäuscht! Wie aber war der Freiherr denn auf den Bau dieses Freundschafts-Tempels gekommen?
Es entstand eine Pause, und die Herzogin, welche bis dahin sich gar nicht in die Unterhaltung gemischt hatte, kam Allen zu hülfe, indem sie plötzlich von dem Feste zu reden anhub, das zu veranstalten man in den letzten Tagen beschlossen habe und für welches man sich vielfach auf die hülfe des Baumeisters angewiesen hielt.
Herbert hatte bisher davon kein Wort vernommen, der Plan musste also vermutlich eben so wie der neue Bauplan in den beiden letzten Tagen entstanden sein, und die Verhältnisse wurden ihm immer unbegreiflicher. Man sprach von den verschiedenen Vorkehrungen für das fest; der Marquis, welcher inzwischen auch dazu gekommen war, erkundigte sich bei Herbert um Costume und Decorationen, man sagte zuversichtlich: Herbert werde dieses schaffen, jenes tun, ein Drittes besorgen müssen, und Niemand fragte ihn, ob er geneigt sei, die Dienste zu leisten, welche man von ihm begehrte. Selbst Angelika bestimmte anscheinend ohne alles Bedenken über ihn, und wie sie bei der ganzen Begegnung auch empfinden mochte, die Gewohnheit der Vornehmen, über jede Kraft zu verfügen, die sich ihnen nicht gradezu entzieht, und der Glaube, dass sie eine Gunst gewähren, wenn sie Dienste für sich fordern, lagen auch ihr im Blute.
Aber Herbert war nicht der Mann, seine Kraft wider seinen Willen verbrauchen zu lassen, noch eine solche Rücksichtslosigkeit geduldig hinzunehmen. Man schien offenbar geneigt, ihm plötzlich die Stellung zu bestreiten, welche man ihm bisher eingeräumt hatte und welche zu behaupten er eben desshalb als sein Recht ansah. Man stellte an ihn bestimmte Forderungen für ein Unternehmen, über das man mit sich selbst noch nicht im Klaren war. Die Baronin sprach von Gästen, welche man laden wolle. Es war die Rede davon, dass man für den betreffenden Fall das ganze linke Erdgeschoss zum Unterbringen der Fremden brauchen würde; aber eben