! In so heftiger Erregung soll der Freiherr Sie nicht sehen! Gehen Sie zur Ruhe, ich will ihn darauf vorbereiten, dass wir diese Woche unser fest begehen, ich werde unseren Ungetreuen hier erwarten! Ich wache für Sie Alle, für Sie Alle!
Spät am Abende, als der Freiherr und der Marquis nach haus kamen, fanden sie die Herzogin wider deren Gewohnheit noch im Gartensaale lesend. Der Marquis berichtete von ihrem Ausfluge, der Freiherr erkundigte sich, wie die Damen ihren Abend zugebracht hätten.
Wie können Sie das fragen? scherzte die Herzogin. natürlich in Unterhaltung über die Abwesenden; denn es ist nicht wahr, dass die Abwesenden immer Unrecht haben, da ja Abwesenheit allein die sehnsucht erzeugt!
Sie werden uns eitel machen, meine Freundin! entgegnete der Freiherr, welcher für jede Schmeichelei, wenn sie sich anmutig in der Form bewies, empfänglich war.
Eitel, meinte die Herzogin, Sie eitel machen, Cousin? Aber Sie sind es ja schon jetzt, Cousin! Waren Sie denn ganz allein von haus fort? War nicht mein Bruder, war nicht Monsieur Herbert abwesend so gut wie Sie?
Sie vermissten also den Marquis? fragte der Freiherr.
Als ob man einen Bruder vermissen könnte, wenn er über Land geht! bedeutete die Herzogin.
Also war es Monsieur Herbert, der Ihnen fehlte, dessen Abwesenheit Ihre sehnsucht wach rief? scherzte der Freiherr.
Aber, mein teurer Baron, neckte die Herzogin, ich war ja nicht allein zu haus, oder glauben Sie, dass die Gedanken der Baronin, unwandelbar wie die Magnetnadel, nur an Ihnen hangen? Könnte nicht unsere liebe Angelika Jemand anders als Sie vermissen? Ist der Marquis nicht liebenswürdig? Versichern und beweisen Sie uns nicht alltäglich, dass Ihr Architekt ein geistreicher, ein schöner Mann sei? Wie wäre es, wenn wir Ihnen endlich Glauben schenkten, wenn wir, nur aus Unterwürfigkeit gegen Ihre bessere Einsicht, uns endlich überzeugen liessen?
Der Freiherr küsste ihr die Hand. Sie sind aufgeräumt, sagte er, Sie haben sich also wohl unterhalten, und ich muss mir daher Ihren Scherz gefallen lassen! Doch kann ich von mir sagen, was ein junger deutscher Dichter in seinem schönen Trauerspiele den König Philipp von Spanien sagen lässt: Wo ich zu fürchten angefangen, hab' ich zu fürchten aufgehört! – Beruhigen Sie sich also, meine schöne Freundin – zur Eifersucht bin ich nicht gemacht, sie ist die leidenschaft der niedern Stände, der Menschen ohne Selbstgefühl, sie ist unter unserer Würde!
Und doch hatten die neckenden Aeusserungen der Herzogin ihn verletzt, und doch tadelte er sich innerlich zum ersten Male darüber, dass er den Architekten so viel und so ungehindert mit Angelika verkehren lasse, denn Herbert war in der Tat ein schöner Mann, und der Freiherr kannte die Beweglichkeit des Frauenherzens!
Siebentes Capitel
Herbert hatte seinen Vorsatz, graden Weges nach dem Amtause zu gehen, nicht ausgeführt. Er war, von dem schönen Tage verlockt, eine tüchtige Strecke in der Gegend umhergerannt, und die Sonne stand beinahe schon im Mittag, als er nach dem Amtofe kam. Dort war der Feiertag schon von Weitem zu erkennen. Die Arbeitswagen, die Eggen und Pflüge standen wohlgeordnet vor den grossen Scheunen, ein paar Stadtkinder kletterten auf den Deichseln herum und genossen die Feiertagsfreiheit. Der Hof war sauber gekehrt wie eine Tenne. Langsam zogen im Teiche die Enten umher, während am grasigen Ufer der glänzend gefiederte Hahn unter seinen Hühnern umherstolzirte und selbst eifrig die Körner aufpickte, welche heute die Hand der fremden Kinder und Mädchen dem Federvieh verschwenderisch gestreut hatte. Unten vor der tür sassen trotz der frühen Stunde die Männer schon beim Tarockspiel. Es waren städtische Freunde des verstorbenen Amtmanns und daneben der Herr Oberförster und der Herr Pfarrer von Neudorf, welcher nach der Kirche zum Essen mit hinübergekommen war, weil am Nachmittage sein Neffe aus der Stadt für ihn die Predigt hielt. Sie achteten auf Herbert's Ankunft nicht. War doch so viel junges Volk über den Hof und durch das Haus gegangen, seit sie hier die Erntefeste feiern halfen! War es doch auch allmählich älter geworden, hatte seine Kinder hergeschickt und war zum teil gestorben! Das kam und ging, und ging und kam! Wer konnte die Menschen alle kennen?
Aber die grosse zinnerne Kanne, in der das Bier frisch vom Fasse auf den Tisch kam, und den zinnernen Leuchter und den Fidibus-Becher von Zinn, die neben dem Tabackskasten standen, die kannten die Männer, wie sie einander kannten; die waren mit ihnen alt geworden und hatten sich nicht verändert.
Es ist auch immer noch das gute, alte Bier und der gute, gelbe Knaster, bemerkte einer der Städter; der Adam hält auf seines Vaters Art!
Ei, warum sollte er denn nicht? meinte der Förster. Er ist in der Welt herumgewesen, weiss zu leben und ist wohl auf! Er ist der Mann für den Platz!
Der Pfarrer, welcher immer erst bedächtig den Dampf aus der holländischen Kalkpfeife blies, ehe er vor einer so gemischten Gesellschaft eine Meinung abgab, nickte dem Oberförster beistimmend zu. Ja, sprach er, ja, Herr Oberförster, sie sind gut eingeschlagen, alle beide, unseres werten seligen Amtmanns Kinder! Selbst meine Frau, die das nicht von einer Jeden sagt, weil sie es genau mit solchen Dingen nimmt, nennt die Eva eine Wirtin, welche es mit mancher älteren aufnehmen könne, und was man hier davon