aber als träume er einen schönen, glücklichen Traum, und er wusste doch nicht, was dieser ihm bringe oder biete. Alles war nebelhaft, Alles warm und beseligend. Er hätte nur immerfort so weiter reiten mögen, immerfort, immerfort!
Da mit einem Male wehte es ihn kühler und erfrischend an. Eine Wolke war über die Sonne hingezogen, sie verhüllte ihr Licht. Der ganze Himmel hatte angefangen sich zu bedecken, ein leiser trockener Wind erhob sich. Herbert sah umher: er war nicht weit mehr von Richten, er konnte das Schloss deutlich in allen seinen Einzelheiten unterscheiden. Grade so hatte er es damals erblickt, als er vor Jahren zuerst des Weges gekommen war. Damals!
Es dünkte ihn sehr lange her zu sein, jener Tag, denn damals war Alles anders gewesen, als jetzt, Alles anders! Noch gestern war es anders gewesen – noch heute früh!
Was hatte er denn gedacht seit gestern? Weshalb hatte er denn die Nacht so wundersam verträumt, und was hatte ihn so umgewandelt seit einer Stunde?
Das Blut schoss ihm zu kopf, er fuhr auf. Das Pferd, durch einen straffen Zügelgriff aus seiner freien Lässigkeit aufgeschreckt, sprang, sich bäumend, in die Höhe. Der Widerstand kam Herbert eben recht, und mit scharfem Spornstoss das Tier zusammennehmend, trieb er es vorwärts, dass es weit ausgriff und ihn gestreckten Laufes leicht dahintrug.
Zu ihr! das war die ganze Antwort, welche er sich zu geben wusste.
Ein leidenschaftliches Verlangen brannte in seinem Blute, er musste lachen, wenn er sich erinnerte, welche Rolle er gestern neben Angelika gespielt hatte. Er war sehr entschlossen, nicht wieder als ein blöder Schäfer vor der vornehmen Dame zu erscheinen, welche sich über das Unglück ihrer Ehe zu trösten begehrte. Er musste darüber lachen, dass er dies nicht selbst gesehen hatte, dass ihm die Hingebung nicht auffallend gewesen war, mit welcher Angelika sich seiner Tröstung, sich seinem Schutze überlassen hatte; und, so wechselnd ist der Sinn des Menschen, so leicht bestimmbar die heisse Phantasie der Jugend: er, der gestern in reinster, verehrender Liebe sein Herz der unglücklichen Frau zugewendet hatte, er versprach sich jetzt mit leidenschaftlichem Feuer, es der schönen Baronin zu beweisen, dass er nicht mit sich spielen lasse und dass er der Mann sei, zu begehren und zu gewinnen, was ihre Hingebung ihm zu verheissen geschienen.
Im schloss angelangt, konnte er die Stunde nicht erwarten, da er sie wiedersehen sollte. Der Freiherr, welcher von seiner Rückkehr unterrichtet worden war, liess ihn rufen, um von ihm zu hören, wie er mit dem Steine und der Bearbeitung desselben durch seine Neudorfer Leute zufrieden gewesen sei. Herbert musste Auskunft geben, aber er hatte Mühe, dies mit der nötigen Ruhe zu tun, denn es war öfter vorgekommen, dass Angelika sich solchen Besprechungen in dem Zimmer ihres Gatten unerwartet zugesellt hatte, und er meinte von Minute zu Minute den Schritt der Baronin, das Rauschen ihrer Gewänder zu vernehmen. Indess sie kam nicht. Das verdross den jungen Mann. Er wünschte sie zu sehen, wesshalb gewährte sie ihm die Freude nicht?
Als er von dem Freiherrn entlassen wurde, fragte er nach dem Ergehen der gnädigen Frau Baronin und sprach die Hoffnung aus, dass der gang nach der Höhe ihr nicht geschadet haben werde. Der Freiherr nahm die Sache leicht. Es ist glücklicher Weise nur eine kleine Uebermüdung bei dem Spiel, sonst nichts, sagte er, und ich bin sicher, dass wir die Baronin heute wieder unter uns sehen werden, denn sie befand sich diesen Morgen wohl.
Das hatte Herbert nur hören wollen, und er fing nun an, sich auf den Mittag zu vertrösten. Aber der Mittag kam, die Hausgenossen fanden sich zusammen und die Baronin fehlte. Was soll das bedeuten? fragte er sich.
Er hatte seinen Platz, wenn sonst keine Gesellschaft vorhanden war, zwischen dem Marquis und dem Caplan. Er erkundigte sich bei diesem Letzteren nach dem grund, der die Baronin von der Tafel entfernt halte, und erhielt den Bescheid, dass Renatus sich nicht wohl befände und Muttersorge Angelika bei dem kind festalte.
Herbert musste seine Enttäuschung nicht gut verborgen haben, denn der Marquis sah ihn mit einem nicht misszuverstehenden Lächeln an, von welchem Jenem das Blut in die Wangen stieg. Der Amtmann hatte sich also nicht geirrt, auch der Marquis dachte von Angelika nicht anders, als von den anderen Frauen seines Standes.
Um der Baronin willen, die sich von dem kind nicht trennen mochte, blieb man nach dem Mittagbrode nicht beisammen; auch der Abend und der ganze folgende Tag verstrichen, ohne dass Herbert sie sah. Er fragte im Laufe desselben den Kammerdiener nach dem Knaben; der schien aber gar nicht daran zu denken, dass dem Kleinen etwas fehle, denn er sagte gleichgültig, der junge Herr spiele und sei munter.
Herbert glaubte zu bemerken, dass der Freiherr missmutig sei, es kam ihm auch vor, als beobachte die Herzogin ihn mehr als sonst; indess er war selbst zu aufgeregt, sehr darauf zu achten, denn jetzt erfuhr er es ja selbst, auch Angelika war nur eine herzlose Coquette, die, wie diese Frauen alle, ihre Freude daran hatte, seine sehnsucht durch ihre berechnete Entfernung anzufachen und zu steigern.
Der nächste Tag brachte den Sonntag, an welchem nach beendeter Roggenernte das kirchliche Dankfest für dieselbe gefeiert werden sollte. Da man seit der Bekehrung