, gibt's immer einen guten Tag; denn daran glaube ich ganz fest, Gutes und Böses kommen nie allein!
Schönen Dank, Mamsell, dass Sie mich für etwas Gutes halten! rief Herbert, während er vom Pferde stieg; der Amtmann hatte einen Knecht herbeigewinkt, der ihm das Pferd abnahm, und die beiden Männer folgten Eva in den Hausflur, in welchem auf dem grossen Eichentische Brod und geräuchertes Fleisch aufgetragen waren, neben denen der zinnerne Bierkrug und die feine Flasche mit Kirschbranntwein nicht fehlten.
Den Hausflur hatte Herbert gar so gern. Die grossen, altersgeschwärzten Eichenschränke, welche auf ihren massiven Kugelfüssen die beiden Seitenwände des Flures einnahmen, der schwere Tisch in der Mitte, die alte, grosse Hausuhr, welche einen monat ging und die seit mehr als fünfzig Jahren auf dieser Stelle stand, ohne je einer Reparatur bedurft zu haben, die handfesten Stühle und die dreifachen Reihen von Erntekronen und Erntekränzen, die an den Wänden hingen und deren Bänder zum grössten Teile schon ganz verblichen waren, das Alles zeugte von Dauerhaftigkeit; und dazu warf das Sonnenlicht, welches durch die Blätter der Linden in den Flur hineinfiel und um die welken Aehrenkränze spielte, dass sie ganz frisch darunter aussahen, eben seine hellsten Strahlen auf das goldene Haar von Eva, welche, am Tische stehend, den rücken der Haustüre zugewandt, die beiden sitzenden Männer bediente.
Sie haben übrigens Recht, Mamsell Eva, nahm Herbert das Wort wieder auf; ich finde auch, dass das Glück niemals allein kommt. Denn ich habe eine köstliche Nacht verlebt, und der Morgen beginnt mir eben so günstig und schön! – Er verneigte sich dabei, um ihr das Compliment anzueignen. Sie beachtete es aber nicht, sondern fragte: Was haben Sie denn die Nacht getan?
O, ich habe sie fast ganz im Freien durchwacht, sie war so still und schön! – Eva sah ihn an, als erwarte sie eine Fortsetzung seines Berichtes, und da er nichts hinzufügte, fragte sie: Und das war Alles? Weiter nichts?
Der Amtmann lachte, Herbert musste mitlachen; Eva's unbefriedigter blick und der Ton ihrer stimme forderten dazu heraus, aber Herbert war dabei doch nicht wohl zu Mute. Es verdross ihn, dass Eva komisch finden konnte, was ihn so hoch entzückt hatte, und dabei wusste er kaum, ob er mit dem Mädchen, oder mit sich selber nicht zufrieden wäre. Sie scheinen auch das Wachen also nicht zu lieben, meinte er, und er sagte das mit absichtlichem Spotte.
Sie nahm es aber nicht so auf, sondern antwortete ruhig: Nein, gar nicht, wenn es zu nichts führt. In guter Gesellschaft und wenn's einen Tanz gibt, oder wenn es bei einem Kranken nötig ist – ja, dann ist's etwas Anderes. Aber sonst – sie hielt inne und sagte, als könne sie den rechten Ausdruck nicht finden und müsse sich auf andere Weise helfen: Nachts ohne alle Ursache wachen und am Tage schlafen, wie's im schloss oft geschieht, das wäre mir grade, als sollte ich den rechten Handschuh auf die linke Hand ziehen! Das geht mir wider den Strich!
Sie wandte sich dabei von den Männern fort, um aus dem einen Schranke noch ein Messer herbeizuholen. Als Herbert ihr nachsah, fand er ihre kräftige, grosse Gestalt in dem aufgeschürzten blauen Zitzkleide, mit dem sauber gefalteten Tuche um Brust und Schultern ausserordentlich schön, und die Röte des Nackens und der Oberarme sah so gesund aus, dass er unwillkürlich den Ausruf tat: Ich glaube, Sie könnten gar nicht anders als Eva heissen!
Der Bruder, welcher seine Freude an dem Mädchen hatte, verstand, was Jener meinte, und gab ihm Recht; Eva aber stützte sich mit den Händen vor ihnen auf den Tisch und sagte: Mosje Herbert, ich glaube, für Sie ist's auch Zeit, dass der Bau bald fertig wird und dass Sie aus dem Verkehr mit dem lächerlichen Herrn Marquis fortkommen, der hier zuweilen wie eine Bombe einfällt! Sie lernen ihm nur seine Redensarten ab! Das mit dem Eva heissen habe ich nun schon zweimal hören müssen, und man möchte doch auch einmal etwas Neues haben!
Sie nahm dabei eine schmollende Miene an, die sie vollends reizend machte, und Herbert fühlte so grosses Vergnügen in ihrer Gesellschaft, dass der Amtmann ihn an den Aufbruch mahnen musste. Herbert dankte also für die genossene Gastfreundschaft, Eva entgegnete, wenn es ihm gefallen und geschmeckt habe, so möge er bald und vor allen Dingen zum Erntefeste wiederkommen. Er reichte ihr die Hand zum Abschiede, und als er schon im Fortgehen war, fragte sie, was denn die gnädige Frau mache und ob sie wohl sei. Er berichtete, dass die Baronin sich am Abende nicht gut befunden habe. Eva machte ein ernstaftes Gesicht dazu und schüttelte bedenklich den Kopf.
Die wird auch nie mehr ganz gesund, sie hat's nie verwunden, sagte sie seufzend und mitleidsvoll, und ich möchte auch nicht an ihrer Stelle sein! Herbert wollte wissen, wesshalb nicht. Sie antwortete nur, indem sie, ohne eine Erklärung zu geben, mit einem: O nein, gewiss nicht! ihre vorige Aeusserung bekräftigte, und da inzwischen die Pferde vorgeführt worden waren, so trennte man sich, ohne dass Herbert eine Antwort von dem Mädchen erhalten hatte.
Während des Rittes bot sich Herbert keine rechte gelegenheit zu weiteren fragen dar, obschon