, die das tun, was einst die heilige Katarina von Siena tat: als der göttliche Heiland ihr zur Auswahl einen Blumenkranz und eine Dornenkrone darbot, nahm sie die letztere, weil sie sicher war, unter den Dornen ihren gekreuzigten Gott zu finden – unter den Blumen nicht. Zu diesen Seelen gehört durch Gottes Gnade auch Regina."
"Ja, es muss wohl Gottes Gnade und Ihr Beispiel sein, lieber Onkel! Ich muss mir das Zeugnis geben, nichts getan zu haben, wodurch Regina in die Nachfolge der Heiligen hätte geraten können," sagte der Graf ehrlich.
"Es beweist zugleich, wie ernst und fest sie an ihrem Klosterberuf und Gelübde hält," sagte Levin.
"Glauben Sie wirklich?" rief der Graf beängstigt. "Sie macht nie die leiseste Andeutung, und so hab' ich gehofft, die Sache werde allmählich einschlafen."
"Regina – und einschlafen!" rief Levin. "Lieber Damian, kennst Du so wenig das kräftige Herz Deiner Tochter? Glaubst Du so wenig an die Gnadenwirkung in einer Seele, die nach Gott verlangt? Das ist richtig: sie schweigt. Aber was sollte sie auch noch weiter sagen? sie hat uns ja alles gesagt – und dabei bleibt sie. Ich habe die Überzeugung, dass Regina nicht 'abfällt von ihrer ersten Liebe' – und dass diese Liebe die erste und die letzte und die einzige bleiben wird."
"Entsetzliche Vorstellung!" seufzte der Graf; "und aufrichtig gestanden – es ist auch die meine! ich suche sie nur immer zu unterdrücken. Bemerkten Sie wohl, wie ihre Augen aufleuchteten, als kürzlich von Kloster Himmelspforten bei Würzburg gesprochen wurde, das früher aufgehoben und in eine gemeine Schenkwirtschaft verwandelt – nunmehr aber von einer Ordensgenossenschaft angekauft und ein Kloster von Karmelitessen sei? Wenn diese Illumination in ihre Augen tritt, dann hat sie eine grenzenlose innere Freude – das kenne ich an ihr! Gewiss hofft sie als Karmelitesse durch Himmelspforten in den Himmel einzuziehen."
"Es ist mir sehr lieb, dass Du anfängst, Dich mit diesem Gedanken vertraut zu machen," entgegnete Levin.
"Ja, wenn Uriel sich nur statt in Regina – in Corona verlieben wollte," versetzte der Graf, "so würde ich mich allenfalls darin ergeben! Aber er ist leider! gar kein Mensch mit einem beweglichen Herzen."
"Welch Unglück Du mit Deinen Kindern hast!" sagte Levin mit gutmütigem Spott. –
Regina richtete sich einstweilen auf Stamberg ein und wurde von der Baronin, die ihr Zimmer nicht mehr verlassen konnte, freundlicher behandelt, als man es zu Windeck erwartete. Nicht als ob der Liebesbeweis sie rühre; sondern weil sie sehr bald in Regina eine Eigenschaft erkannte, die sie höher als jede andere schätzte: Regina war im stand, die Führung der Geschäfte unter ihrer Leitung zu übernehmen, Geschäftsbriefe zu schreiben, Rechnungen durchzusehen, Kostenüberschläge nachzurechnen und die Ordnung des Hauses geradeso aufrecht zu halten, wie die Baronin es seit fünfzig Jahren zu Windeck erst und dann zu Stamberg getan hatte. Da Regina immer ganz bei ihrer Pflichterfüllung war, in welcher sie den Willen Gottes freudig erkannte und vollzog, so war sie aufmerksam bei den Anweisungen, welche die Grossmama ihr gab und äusserst pünktlich in deren Vollziehung, so dass die Baronin ihr jedesmal glänzendes Lob spendete, wenn der Graf bald allein, bald mit Corona und der Baronin Isabelle nach Stamberg kam. Hatte Regina aber gehofft, durch ihre Liebe und Ergebenheit die Grossmutter zum Urquell aller Liebe – zu Gott hinzuweisen, so irrte sie sich gründlich. Das religiöse Leben hatte bei derselben während siebenzig Jahren unter dem Gefrierpunkt gestanden; sie hatte zu keiner Zeit, nicht in der Kindheit, nicht in der Jugend, nicht in guten und nicht in schlimmen Tagen die beseligenden Lehren des christentum, die Wonne der Erlösung, die Gnaden der Sakramente in sich aufgenommen, sondern stets auf ein fremdes kühles Wissen vom Christentum sich beschränkt und mit grosser Selbstgefälligkeit darin ein Genügen gefunden. Überdies war sie immer höchst tugendhaft gewesen, nämlich so, wie die Welt es versteht. Der heilige Gregor von Nyssa, welcher sagt: "Tugend ist die praktische Liebe zu Gott" – würde vermutlich Julianens Tugend minder hoch geschätzt haben, als sie selbst es tat. Aber von den Heiligen, deren Leben und Lehren die Ausübung des Evangeliums sind, wusste Juliane nichts; sie begnügte sich mit ihren Ideen von Gott und Unsterblichkeit und erwähnte zuweilen mit einer bei ihr höchst seltenen Anwandlung von Ehrfurcht zweier Schriftsteller, aus denen sie hauptsächlich jene Ideen geschöpft habe: das waren Herder und Jean Paul. Sie vertraute sogar Reginen an, dass sie, obzwar eine abgesagte Feindin aller Schwärmerei, dennoch ein wenig für Jean Pauls Romane geschwärmt habe und bis zur Stunde nichts Rührenderes und Ergreifenderes kenne, als in dessen "Hesperus" Lord Horions Grabschrift. Regina fragte ganz erwartungsvoll, wie diese laute? Juliane erwiderte:
"Eine weisse Marmortafel mit einem blutroten Herzen in der Mitte bildete den Grabstein, und unter dem Herzen standen nur die zwei Worte 'Es ruht'."
"Ich würde es noch schöner finden, liebe Grossmama," sagte Regina, "wenn zwei Worte hinzukämen und wenn es hiesse: 'Es ruht in Gott'."
"Nein," entgegnete die Baronin, "gerade dieser Ausdruck der vollkommenen Einsamkeit in stiller Grabesruhe ist erhaben. Aber freilich! das verstehen nur wenige! Ich erzählte dies einmal meinem seligen Mann, Deinem