in Ihren respektiven Tableaux gruppieren, und ob Sie auf einen Fuss oder auf keinen sich stellen werden, das, sehe ich ein, muss ich Ihrer bessern Einsicht überlassen. Da es mir aber mit dem besten Willen unmöglich ist, jedes Tableau zum letzten zu machen: so beanspruche ich die Reihenfolge derselben s o fest zu halten, wie ich sie von Anfang an bestimmt habe: das Paradies und die Peri werden den Schluss machen, weil jenseits des Paradieses Irdisches keinen Effekt mehr machen kann."
Keinen Effekt mehr machen kann! – Dieser Ausspruch wirkte Wunder bei den Damen. Nunmehr wollte keine mit ihrem Tableau auf das Paradies und die Peri folgen. Judit und Regina waren die einzigen, die sich durchaus fügsam gegen Ernest bewiesen, und sich genau so kleideten, so stellten, so blickten, wie er es ihnen angab. Judit dachte, es sei ja genug der Herablassung, dass sie sich bewundern lasse, und das könne ihr ja gar nicht fehlen, möge sie nun so oder anders stehen. Regina – gehorchte. Aber die Sache hatte einen geheimnisvollen Reiz für sie. Ernest hatte ihr gesagt:
"Gnädige Gräfin, wenn Sie da stehen werden als Engel des Lichtes, vorgreifend jenem seligen Augenblick, der Sie einst in's himmlische Jerusalem und unter die Reihen der Auserwählten, durch Gottes Gnade, ruft, so ziehen Sie ihre Seele ein wenig zurück von der buntgefärbten Aschenwelt, die Sie umgibt, und beten Sie für die arme Peri Judit, dass diese Tochter der Nacht und der Finsternis, wie der Apostel Paulus so schön sagt, in ein Kind des Lichtes und des Tages umgewandelt werde. So kann der himmlische Sinn den ganzen Plunder von Welt heiligen und nebenbei wird das Ihnen den wahrsten und richtigsten Ausdruck geben. Diese innere Sammlung würde ich freilich keiner anderen Dame hier zumuten; da Sie aber derselben fähig sind, so haben Sie die Güte, sie in Anwendung zu bringen."
Regina war so vertraut mit dem Bestreben, sich stets innerlich gesammelt zu haben, dass ihr Ernests Zumutung gar nicht seltsam oder übertrieben erschien. Auch wusste sie, dass ein wahrhaft apostolischer Eifer, um Seelen für die Erkenntnis der ewigen Wahrheit zu gewinnen, ein Grundzug bei den geistlichen Töchtern der heiligen Terese, und die Gebetsinbrunst für diesen Zweck unter allen Umständen und in allen Verhältnissen eine Hauptaufgabe der Karmelitesse sei. Dass dieser Auftrag eine wundersame Huldigung für sie entalte, bemerkte sie gar nicht. Demütig und dankbar antwortet sie:
"Wie sind Sie gütig, Herr Ernest, mich an etwas zu erinnern, was man so leicht in dem betäubenden Getümmel aus den Augen verliert. Nun kommt doch ein vernünftiger Sinn in den charmanten Unsinn!"
Die Tableaux kamen zur Darstellung unter ungeheurem Beifall. Einige waren sehr malerisch, andere sehr elegant, alle im schönsten Lichteffekt und umwogt von passender Musik- und Gesangsbegleitung. Aber alle erbleichten vor den beiden letzten, in denen niemand figurierte, als Judit und Regina, die jede in ihrer Art und für ihre Rolle von idealischer Schönheit waren. Die Peri trug ein lichtblaues, silberdurchwirktes Florgewand, Schmetterlingsflügel von Silberflor mit Pfauenfederaugen, und über der Stirn, wo die dunkeln Wellen ihres Haares sich scheitelten, einen Stern von Saphieren, deren bläuliches Licht mit dem Schimmer von Schwermut harmonierte, der immer auf ihrem schönen Antlitz lag und der so passend für ein Wesen war, dem das Paradies verschlossen blieb. Der Engel des Lichtes trug ein weisses Gewand, mit Saum und Gürtel von Goldstickerei, grosse, blendend weisse Flügel, in der Rechten einen Palmzweig und um die Fülle der blonden Locken einen feinen Goldreif, den über der Stirn ein kleines Kreuz von strahlenden Brillanten zusammenhielt. So stand eine jede unter ihrer eigenen Signatur, unter dem Schönsten, was die natürliche und übernatürliche Welt aufzuweisen hat: unter dem Stern und unter dem Kreuz. Im ersten Bilde lag die Peri flehend vor dem Engel auf den Knien, der verneinend ihr entgegentritt. Im zweiten nahte sie sich hoffnungsfreudig, und der Engel reicht ihr den Palmzweig dar. Judit, die für alle Künste Talent hatte, besass ein grosses für die Mimik und verstand es meisterhaft, sowohl ihren Zügen, als ihrer ganzen Gestalt und Haltung zuerst den Ausdruck von flehender Bitte und dann von triumphierender Freude zu geben. Regina mochte wohl keine Spur von mimischem Talent haben; allein sie nahm sich Ernest's Auftrag so zu Herzen, dass sich ganz natürlich eine milde Trauer um die arme Judit und eine süsse Wonne bei dem Gedanken an deren Rettung in den klaren Frieden ihres schönen Angesichts mischte.
"Ganz wie ein Engel," flüsterte halblaut Ernest vor sich hin, der sich unter die Zuschauer begeben hatte. "Wie ein Engel, der die Schwingen zum Fluge in die himmlische Heimat ausbreiten wird!"
Es war finster im Saal, wie es eben sein muss, damit die richtige Beleuchtung der Bilder nicht gestört werde. Ernest wusste nicht, wer ihm ins Ohr sagte:
"O schweigen Sie von Prophezeiungen des Todes."
Ernest sah sich um, erkannte in dem Sprechenden Uriel, der sein Mönchsgewand wie eine Raupenhülle abgestreift hatte, und antwortete ihm:
"Sie wissen ja gar nicht, von wem ich spreche."
"Nicht?" fragte Uriel; "könnte man wirklich in Zweifel darüber sein, wen Sie meinen?"
"Nun, Herr Graf, wenn Sie auch die eine Meinung richtig getroffen haben, so irren Sie doch in der anderen. Ich dachte nicht