Menschen ist – seine Liebe, zu Gunsten dessen, was am Niedrigsten in ihm ist, in Sklaverei bringen. Nun wirst Du mich gewiss verstehen, wenn ich wiederhole, was ich vorhin sagte: für den Priester wäre die hausväterliche Existenz ein Versinken in Erniedrigung, denn er würde himmlische Verpflichtungen aufgeben, um irdische einzugehen; ein göttliches Joch, das Christus mit ihm trägt, abwerfen, um ein menschliches anzunehmen. Er steht nun einmal am Altar, d.h. um ein paar Stufen höher als die Weltlichen. Was bedeutet das? Glaubst Du etwa, das bedeute, dass er auf sie herab blicken und sich um so viel höher schätzen soll? O nein! es bedeutet das, was er täglich in der heiligen Messe betet: Sursum corda! Empor die Herzen! empor du mein glückseliges Herz und reisse alle die, welche auf dich als ihren Hirten sehen, mit dir aufwärts zu Gott, der dich in seine gnadenvolle Nähe gestellt hat, damit du, angeglüht von der Flamme seines Opfers, andere Seelen anfeuerst und dereinst auf dem Erntefeld der Ewigkeit mit vollen Garben erscheinest, mit einem Geleit liebentzündeter Herzen, die durch dich für die göttliche Liebe gewonnen sind. Und er sollte, von der Altarstufe herabsteigend, angeglüht von der Flamme des Opfers seines Gottes, sie erstikken lassen in der Schwüle erdentstammter Liebe? Nein! wer dem Priester so etwas wünschen kann, der hat es entweder schlimm mit ihm im Sinn, oder urteilt, ohne die Sache zu kennen, oder spricht, wie Du, lieber Damian, unter dem Einfluss übergrosser, natürlicher Zärtlichkeit, und deshalb verkehrt."
"Sie sind nun einmal begeistert für Ihren Stand, weil Sie selbst eine Art von Ideal desselben sind ...."
"Da irrst Du sehr!" unterbrach ihn Levin lebhaft; "ich bin ja gar nichts: nicht Pfarrer, nicht Ordensmann, nicht Missionär! ich bin nur ein unnützer Knecht. Aber mit Hyazint wird es anders sein; der wird brauchbar werden! und ist er das, so findet sich die Begeisterung für seinen Stand von selbst, denn man arbeitet alsdann für Gott und für das ewige Leben, ohne auf besonders grosse Resultate hienieden zu rechnen und ohne besonders glückliche Erfolge zu erwarten, und das gibt Freiheit und Freude im geist."
"Und wenn ihm sein Beruf mit der Zeit zu schwer fiele! Das Leben ist lang, die Welt ist bunt! Wenn Hyazint ein schlechter Priester würde, bester Onkel, welch' ein Skandal! Ein schlechter Priester – auf den sind die Augen der ganzen Welt gerichtet, als ob es nur den einen einzigen auf Erden gäbe! und wenn das nun ein Windecker wäre!"
"Du fürchtest nicht, dass Orest von seiner Fahne desertiere, wenn es zur Schlacht geht; so hoffe doch auch für Hyazint den notwendigen Kampfesmut, um seinem Panier zu folgen. Hat er den, so ist er unüberwindlich, weil die Gnade noch nie den Beharrlichen verlassen hat. Nur der treulose Feigling verlässt die Gnade. Das ist richtig: auf einen solchen sieht die halbe Welt. Welch eine unabsichtliche Glorie für den geistlichen Stand! Tausende fallen in der Welt zur Rechten, tausende zur Linken, stehen auf, fallen wieder – niemand sieht hin, kaum die allernächsten, man zuckt die Achseln, man spricht ein paar Worte schwacher Missbilligung, schwächlichen Mitleids, und man vergisst, eingedenk eigener Gebrechlichkeit. Aber für den Priester macht man eine Ausnahme. Er ist dermassen im allgemeinen Bewusstsein anerkannt als der Repräsentant der Heiligkeit, dass ein sittlicher Makel an ihm mit endlosem schadenfrohen Triumph von allen Glaubensfeinden bejubelt, mit unsäglichem Schmerz von den Gläubigen beweint wird. Unsere Glaubenslehre ist etwas so Göttliches, dass die Welt sich gar nicht der Vorstellung erwehren kann, deren Organ, der Priesterstand, müsse Anteil haben an deren Erhabenheit; und darin hat sie vollkommen recht! wer sich vorzugsweise mit Gott und göttlichen Dingen beschäftigt, ohne nach innerer Heiligung zu trachten, ist seines himmlischen Berufes nicht wert. Darin aber hat die Welt vollkommen unrecht, dass sie wähnt, der einzelne schlechte Priester sei ein Beweis für die Ungöttlichkeit seiner Glaubenslehre. Sie vergisst bei einem solchen Urteil den Verrat des Judas und die Verleugnung des Petrus, d.h. sie vergisst, dass der Mensch aus Schwäche fallen und aus Bosheit abfallen kann, weil er keine Maschine ist, die von äusserer Kraft in Bewegung gesetzt wird, sondern weil er seinen Willen zur Beharrlichkeit im Guten brauchen muss und zur Wahl des Bösen missbrauchen kann. Sei getrost, lieber Damian, und bedenke eines: das Werk, welches Hyazint beginnen will, beginnt in ihm die göttliche Gnade, und mit ihr, der er vertraut, auf die er sich stützt, wird er es zu Ende führen. Ein solcher Entschluss entspringt nicht aus Gedanken von dieser Welt, und darin liegt seine weltüberwindende Kraft."
"Ja, ja!" seufzte der Graf kopfschüttelnd; "das ist alles sehr gut und klingt ganz schön. Aber! aber! .... der arme Junge!" –
Die übrigen Mitglieder der Familie nahmen Hyazints Entschluss sehr verschieden auf, aber nicht mit der allgemeinen Missbilligung, die auf Regina ruhte, weil Hyazint nicht anderweitige Pläne durchkreuzte. Unter anderen Umständen würde sich Uriel herzlich gefreut und in dem Beruf seines Bruders eine grosse Gnade erkannt haben. Jetzt aber schien es ihm bedenklich, allzu grosse Zufriedenheit zu äussern – Reginas wegen, die durch