, ging man mit ihr um. Und keineswegs auf Befehl des Grafen, sondern aus eigenem Antrieb! Er hatte nur die allgemeine Gesinnung gleichsam organisiert und in eine und dieselbe Richtung gewiesen. Das vollkommene Opfer ist eben die Sache, von welcher der göttliche Heiland gesagt hat; "Wer es fassen kann, der fasse es." Damit ist ausgesprochen, dass wenige es verstehen werden, und eine Sache, die kein Verständnis findet, leidet Widerspruch. Nur für Hyazint wurde sie die Veranlassung, seinen Entschluss zur Reife zu bringen und auszusprechen. Er wollte in den geistlichen Stand treten und bat den Onkel Levin, dem Grafen diese Mitteilung zu machen. Es geschah.
"Mein Gott!" seufzte der Graf tief niedergeschlagen, "welch ein Geist übertriebener Frömmigkeit fährt denn gerade in meine armen Kinder und fanatisiert sie! .... Hyazint geistlich! der blutjunge Mensch! Es ist ein wahrer Jammer."
"Tröste Dich," sagte Levin lächelnd; "ich glaube nicht, dass Du um Hayzint grossen Jammer wirst auszustehen haben!"
"Lieber Onkel, das verstehen Sie nicht! der gute Junge tut mir unaussprechlich leid. Zu Ihrer Zeit galt der geistliche Stand noch etwas. Da fing man mit dem Domherrn an und wurde Churfürst, Erzbischof, Bischof, wenigstens Weihbischof; aber jetzt! wie gering sind die Aussichten für eine Karriere! der arme Junge muss mit dem Kaplan anfangen und mit dem Pfarrer enden. Schrecklich, lieber Onkel, schrecklich! Sagen Sie mir aufrichtig, aber nehmen Sie die Frage nur nicht übel: ist Hyacint einfältig?"
"Ich glaube, dass er einen klaren, feinen Verstand hat," entgegnete Levin.
"Oder hat er nichts gelernt? mag er nicht studieren?"
"Ich glaube, dass er mehr Neigung und Talent für ernste Studien hat, als seine Brüder."
"Was in aller Welt bringt ihn denn zu dem desperaten Entschluss! Sollte er vielleicht eine unglückliche Liebe haben? eine Neigung für Regina z.B., und geistlich werden wollen, weil sie in's Kloster will? Er ist freilich sehr jung, um eine so formidable leidenschaft zu empfinden; aber er muss doch einen Grund haben."
"Lieber Damian, sein Grund ist der: Christus ruft ihm zwei Worte zu: 'Folge mir nach!' und: 'Weide meine Lämmer!' Orest will Soldat werden, Florentin Arzt; sie wählen ihren Beruf, wie er ihren Neigungen und Fähigkeiten zusagt. Hyacint tut dasselbe; nur mit dem Unterschied, dass jene in ihrer Laufbahn sogenanntes irdisches Glück zu finden hoffen und dass er darauf verzichtet."
"Das macht aber einen ungeheuren Unterschied aus!"
"Allerdings, die Kluft ist gross, ist so gross, wie sie eben besteht zwischen Seelen, die Gott lieben und Gott nicht lieben."
"Man kann recht sehr Gott lieben," sagte der Graf empfindlich, "ohne geistlich zu werden."
"Gewiss!" entgegnete Levin. "In dem Mass aber, wie man Gott mehr liebt, widmet man sich ihm auch mehr; und wer ihn ausschliesslich lieben will, widmet sich ihm ausschliesslich. Das tut Hyazint. Er sagt auch: Solo Dios basta. In ihm, wie in Regina, ist das übernatürliche Leben, welches aus der Gnade fliesst, so stark, dass die Bestrebungen und Wünsche absterben, welche auf dem natürlichen Leben und den irdischen Daseinsbedingungen beruhen. Bei Orest und Florentin ist es umgekehrt: das Gnadenleben tritt bei ihnen in den Hintergrund und das natürliche Leben in den Vordergrund. Sie fragen nicht, was gottgefällig sei: sondern leben nach Lust und Laune, und haben, um ungestört mit allen Segeln der Leidenschaften fahren zu können, Gott als unbequemen Ballast über Bord geworfen. Hyacint und Regina fragen hingegen, was am allergottgefälligsten sei und am allervollkommensten das himmlische Ebenbild in ihnen herstelle; und da das die Nachfolge und Nachahmung des Gottessohnes, die opferfreudige Wahl der Entsagung aus Liebe, die Demut der Krippe und das Leiden von Golgata ist: so verschmähen sie das, was ihnen von den Freuden und Genüssen der Welt erlaubt wäre, weil dadurch ihre Vereinigung mit Gott gewiss nicht gefördert, aber sehr leicht gemindert, wohl gar ganz aufgehoben wird."
"Könnte der arme Junge sich in seinem kaplanischen Elend wenigstens damit trösten, dass er heiratete;" sagte der unverbesserliche Graf.
"Dann dürfte er eben nicht Priester werden," erwiderte Levin. "Es ist die Glorie der Kirche, dass sie die unirdische geheimnisvolle Feier des unblutigen Opfers nur denen anvertraut, welche freiwillig den Stand der Virginität aus Liebe zu Gott gewählt haben, und es ist ein Zeichen ihrer göttlichen Weisheit, dass sie diese freiwillige Wahl, als einen Prüfstein, der nicht umgangen werden kann, vor die Stufen des Altars legt. Der zweifelhafte Beruf, der irdische Sinn, der schwankende Charakter schrecken vor ihm zurück. Das reine Herz nicht. Die reinen Herzen aber, mein lieber Damian, sind, so lange die Welt steht, auch die starken Herzen, und starke Herzen braucht die Kirche in ihren Priestern, in den Stellvertretern des ewigen guten Hirten."
"Es ist freilich nicht schwer einzusehen," sagte der Graf, "dass das Entsagungsleben in Permanenz, wie der Priester es führt, ihn zu den grössten Opfern fähig und tüchtig macht. Allein ich beklage unseren armen Hyazint, dass er ein solches Leben führen soll."