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!" rief Pater Bonaventura, "Sieund Kapuziner! SieGraf, reich, hoch- und feingebildet, dazu der letzte Ihres Hauses ..." –

"Gerade das ist es!" rief Uriel, "der letzte des Hauses nimmt die ganze Erbschaft an. Aus Onkel Levins und Hyazints Hand fällt der heilige Kelch mir zu, den der Priester mit dem Blute Gottes füllt, und aus Reginas Handdie drei Nägel, wie sie sie nannte, die drei Rubinen der heiligen Ordensgelübde. Das ist ein himmlisches Erbe."

"Aber Sie vergessen das irdische."

"Gott Dank, dem hab' ich längst entsagt."

"Vergessen, dass Ihre Familie mit Ihnen ausstirbt."

"Mein Pater! was der Welt not tut, sind nicht grosse und hochklingende Namen, sondern es ist die Bekehrung jedes einzelnen zu Gott, besiegelt durch sein Opfer."

"Aber diese Opfer sind verschieden, Graf Uriel. Sie können sie auch auf Windeck bringen."

"Jeder bringe sie nach seinem Mass und seiner Erkenntnis, mein Pater. Als Sie vorhin sagten, Ihre geliebte Unabhängigkeit hätten Sie ganz still für sich behalten, da sprach mein Gewissen: Das tue ich auch und in viel höherem Grade, denn ich verschleudere in Untätigkeit meine Tage, die Gott mir gegeben hat, um ihm zu dienen."

"Dienen Sie ihm in der Welt, Graf Uriel."

"Die Welt, mein Pater, ist so vermorscht und verwest, dass man bei jedem Schritt in ihrem Moder von Lüge und Sinnlichkeit versinkt und ihr nur dadurch helfen kann, dass man sich ausserhalb ihrer Strömung hält, um die Schiffbrüchigen und die gefährlich Schwimmenden zu retten. Wenn sich der Masse der abgefallenen Geister gegenüber nicht andere erheben, welche sich der Gnade in die arme werfen und genau den entgegengesetzten Weg gehen, den die Welt gehtmit einem Worte: die es so machen wie Sie, mein Pater! was soll dann aus dem Christentum werden."

"Ich bin nicht der letzte Windecker, Graf Uriel! soll d e r im Kapuzinerhabit verschwinden?"

"Mein Pater, die Scipionen, die Flavier, die Ämilierdas waren ganz andere Namen! und sie verschwinden mit dem Christentum in dem Schatten des Kreuzes."

"Werden Sie lieber Jesuit! Sie sind so fein gebildet."

"Der Weltgeist hasst den Jesuiten. Im Hass liegt ein Etwas, das meiner Eigenliebe schmeicheln könnte. Der Weltgeist verachtet den Kapuziner: Verachtung kann ich nur durch Gottes Gnade ertragenund da ich leben und weben will nach der Ordnung der Gnade, so werde ich Kapuziner."

"Oho! Graf Uriel, Sie scheinen ja schon alles recht gründlich überlegt zu haben."

"Und kam doch nicht zum Entschluss .... als hier auf der Stätte der Martyrer, deren Blut auch für mich geflossen ist und mich zur Nachfolge einladet."

"Amen," sagte Pater Bonaventura. Es sind jetzt vier Jahre seit diesen begebenheiten vergangen. Judit ist in die Kongregation von Unserer Lieben Frau zu Sion eingetreten. Sie heisst Schwester Taïs. Sie verzehrt sich im Dienst der Seelen, ganz Hingebung Demut, Opferfreude. Aber nie hat man sie lächeln sehen und die Blässe des Todes weicht nie von ihrem Antlitz: sie wandelt zwischen zwei Leichen.

Uriel hat sein Noviziat und seine teologischen Studien in Rom gemacht, und ist dann zur Mission der Kapuziner nach Amerika gegangen.

Für Florentin, der sein jammervolles Leben fortführt, heisst es noch immer: Gottes Mühlen mahlen langsam, langsam, aber trefflich fein. Er ist der sinkenden Welt so ganz hingegeben, wie jene der aufsteigenden.

Zu Windeck lebt Corona bei ihrem Vater. Auf die Stätte, die ihrem kindlichen Auge als die schönste der Erde erschien, hat der Ratschluss Gottes sie zurückgeführt. Ihr milder Einfluss und die herben Prüfungen der Vergangenheit haben Graf Damians Herz der Welt abgerungen. Das schönste Verhältnis besteht zwischen ihm und seiner Tochter, und breitet sich segensreich über all seine Umgebungen aus. Auf der Terrasse des Schlosses spielt ein fröhliches, weissgekleidetes Kind von sieben Jahren, der Trost seiner Augen und die Freude seines HerzensFelicitas, die Erbin des ganzen Vermögens der Windecker. Corona erzieht sie so, dass sie ihrer Namenspatronin Ehre mache und in deren Sinn. Als man die heilige Felicitas zum Kampf mit den wilden Tieren in die Arena führte, fragte man sie, höhnisch auf ihren Namen anspielend: Wo ist nun dein Glück? Sie aber antwortete:

"Nicht hienieden."

Fussnoten

1 Auf ein Merkzeichen in ihrem Brevier hatte die heilige T h e r e s e geschrieben:

Nada te turbe,

Nada te espante,

Todo se pasa,

Dios no se muda,

La pacienzia,

Todo se alcanza;

Quien a Dios tiene,

Nada le falta;

Solo Dios basta.

Der selige Cardinal D i e p e n b r o c k in seinem "Geistlichen Blumenstrauss" hat es übersetzt:

Nichts soll dich ängstigen,

Nichts dich erschrecken,

Alles vergehet,

Gott bleibt derselbe.

Geduld erreicht alles.

Wer Gott besitzet,

Dem kann nichts fehlen;

Gott nurgenüget!

2 Die Ermordung der Herzogin de Praslin durch ihren Gemahl, im Sommer 1847. 3 Edgar Quinet. 4 Epiphanes, ein Gnostiker, drang auf Gemeinschaft der Güter und Frauen. 5 "Glaubt der Papst, dass durch seine Exkommunikation meinen Soldaten die Waffen aus der Hand fallen