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nahm .... Schlange, die endlich, endlich! ihre Zusage halten, ihr Versprechen erfüllen soll, und nun mir entschlüpfen will. Ich träume von Paradiesen in irgend einem entlegenen Winkel der Welt .... paradiesisch nur durch ihren Besitz; ich habe keinen anderen Gedanken, als den, mich mit ihr aus dem wüsten, langweiligen Menschengewühl zu flüchten und von ihr allein mein Glück zu verlangen; mir brennt der Boden unter den Füssen, so lange zwischen ihr und mir verhasste Schranken gezogen sind; ... und in dem Augenblick, wo sie fallen sollen, da will die Schlange sich glatt und kühl mir entwinden?! Nein, Signora! das lässt sich der Orest nicht gefallen."

"Was denken Sie also zu tun, Herr Graf?" fragte Judit ruhig.

"Ich lasse nicht von Dir!" rief er in einem anderen Ton, doch nicht weniger stürmisch.

Sie schüttelte sanft den Kopf und sagte:

"Ich verdiene Ihren Hass, Ihre Verachtung, Ihren Zorn! Ich sage nicht eine Silbe, um mich für meine Vergangenheit bei Ihnen zu entschuldigen; aber, teurer Orest .... fortan trennen sich unsere Wege."

"Judit!" rief er und sank ihr zu Füssen, "wie ist es denn möglich, einen so grässlichen Treubruch zu begehen, weil man ein paar Worte von einem Priester gehört hat!"

"Ach, Orest, es sind ja Worte, die plötzlich dem Leben einen neuen Inhalt, eine neue Bestimmung, ein neues Ziel geben! ich wusste ja nichts von der gefallenen natur, die durch die Sünde von dem höchsten Gut, von der ewigen Liebe, der göttlichen Liebe getrennt ist; nichts von dem zärtlichen Erbarmen Gottes, der dieser dahingesunkenen Menschheit Gnade schickt durch des eingeborenen Sohnes Opfer im Leben, im Leiden, im Sterbenals Gott-Mensch, als Erlöser; nichts von der Kirche, welche für alle Weltzeiten der Menschheit diese Gnade vermitteln soll; nichts von der reinigenden und heiligenden Kraft seines göttlichen Blutes in den Sakramenten; nichts von seiner beseligenden eucharistischen Gegenwart; nichts von der Wonne des Opfers; nichts von der Herrlichkeit der himmlischen Liebe; nichts von der Sünde, als Beleidigung Gottes; nichts von der Tugend, als Verähnlichung mit Gott; nichts vom Leid, als Nachfolge Gottes; nichts von Christus! Begraben in dem Kerker des Staubes vegetierte meine Seele nach den Instinkten und für die Leidenschaften der gefallenen naturund immense Kräfte hab' ich verschwendet, suchend, versuchend, traurig, unbefriedigt, rastlos, ohne glücklich zu sein oder glücklich zu machen. So haben Sie mich gekannt. Ich hatte keine Richtschnur, die höher gelegen hätte, als mein Ich. Jeder glaubenslose Mensch ist sein eigener Gesetzgeberganz logisch; der letzte Grund der hohen gesetz, die das Opfer des Ichs, die Selbstverläugnung, die Entsagung vorschreiben, ist in Gottund fallen weg, wenn der lebendige Glaube an ihn wegfällt. Ich wollte durchaus glücklich sein. Ich hoffte es mit Ihnen zu werden. achtung vor fremdem Recht, wenn es meinen Egoismus beeinträchtigte, hatte ich nicht. Ich versprach. Ihre Frau werden zu wollen, und ich versichere Sie, ich wollte es mit der äussersten Entschiedenheit. Einen edlen Instinkt hatte ich .... zwischen vielen unedlen; und das war meine Neigung zur Wahrheit. Nur wusste ich durchaus nicht, ob es denn auch eine absolute objektive Wahrheit gebe, die unabhängig sei von allem Menschenwitz. Sie ist mir aufgegangen wie eine übernatürliche Sonne, in deren Licht ich mich selbst und das All zu erkennen beginne. Aus der Schattenwelt meines Individualismus trete ich in den Tag der Offenbarungaus meinem subjektiven Denken und Meinen an die überwältigende Majestät der katolischen Glaubenslehre heran; und da sollte mein Leben in seinem früheren Geleise fortgehen.... gottbeleidigend, sündhaft, weltlich? da sollt' ich nicht suchen, gemäss meiner Erkenntnis zu leben? da sollte meine Handlungsweise die Wahrheit verläugnen, die mein Herz anbetet? Sie sehen wohl ein .... das ist unmöglich! Die paar Worte, die ich von dem Priester gehört habe, sind keine anderen, als die, welche vor achtzehnhundert Jahren die glaubenslose Welt zu Füssen des Kreuzes niederwarfen."

"O sprich! .... sprich weiter! sprich noch mehr, Du angebetetes, Du göttliches geschöpf!" rief Orest. "Was Du sagst, verstehe ich! was Du glaubst, will auch ich glauben, wohin Du gehst, folge ich Diraber mit Dir, Judit! nicht ohne Dich. Mit Dir will ich in Deinen Himmel, zu Deinem Gott! Mit Dir .... will ich vor dem Kreuz knien, das Du anbetest! Mit Dir .... soll kein Opfer mir zu hoch, zu schwer sein! Aber Judit! ohne Dichfahre die Welt zur Hölle .... und ich zuerst. Weisst Du jetzt mehr von den Dingen der Ewigkeit als zuvor, so wirst Du auch wissen, dass man einen Menschen, dem man Glück verheissen hat, nicht in ewiges Elend stossen darf. Weisst Du mehr von einer höheren Liebe, so wirst Du um desto bereitwilliger sein .... Opfer zu bringen .... ein geringes Opfer. Knie vor dem Kreuz, bete Deinen Erlöser an; aber tue es als Protestantin! Da ist ja für Dich, was Deinen Glauben