, Onkel Levin ist Regina schnell gefolgt! Hier ist das Telegramm vom Pater Guardian. Blutsturz und Lungenschlag machten binnen zwölf Stunden seinem Leben ein Ende."
"Ruhe in Frieden, heiliger Greis!" sagte Hyazint gefasst; aber seine stimme brach in Tränen.
"Mir ist zu Mut, als müsse Unheil über Windeck einbrechen, jetzt – da Onkel Levin es nicht mehr bewacht!" rief Graf Damian; "und deshalb, Kinder, reise ich zurück! Sind es diese beiden Donnerschläge aus heiterem Himmel, oder ist es sonst etwas .... aber es drängt mich fort von hier. Ich meine, es müsse alles drunter und drüber gehen. Onkel Levin war ein lebendiger teil meines eigenen Lebens. All' dessen Phasen hat er durchgemacht, inniger und treuer als ein Vater, unzertrennlich von Windeck! es ist eine Ruine ohne ihn."
Niemand versuchte ihn zu trösten. Uriel war ausser sich vor Schmerz, den Onkel Levin gleichsam im tod verlassen zu haben. Corona beweinte ihren zärtlichen und treuen Ratgeber und Tröster. Orest war von stumpfer Niedergeschlagenheit zerdrückt. Der Tod .... und wieder der Tod! und er behandelte das Leben und dessen Erscheinungen, als ob diese Welt voll vergänglicher Schatten – eine ewige Welt wäre! Aber der schneidende Gegensatz brachte ihn nicht zur Besinnung! War das Leben so flüchtig und der Tod so überraschend nah, dachte er, welch ein Wahnsinn dann, auch nur eine Stunde des Glücks – ja, nur eine Minute zu versäumen! So dachte auch Judit. Aber jeder dachte so auf dem Wege seines Schicksals! Corona bat den Vater inständigst, seine Abreise zu verschieben; sie könne ihn unmöglich in dieser rauhen Jahreszeit zurückbegleiten und er werde, allein bei Tante Isabelle, in dem vereinsamten Windeck auch keinen Trost finden.
"Onkel Levin war die Seele des Hauses," sagte sie; "er belebte es und machte es traulich, und wenn er ganz allein da war, so hatte Windeck nie die kalte Öde eines verlassenen Schlosses. Jetzt wird es Dir sehr unheimisch vorkommen, liebster Vater."
"Ja, Kind, ich weiss! Aber ich würde .... ich weiss nicht was! drum geben, wenn ich mich stante pede mit euch allen samt und sonders nach Windeck zaubern könnte. Bei Trauerfällen, wie sie uns eben heimsuchen, ist es am passendsten und sozusagen am sichersten, sich in seinen eigenen vier Wänden aufzuhalten. Da hat man gewissermassen Stütze und Verteidigung in den ruhigen und gleichförmigen Gewohnheiten, Geschäften und Umgebungen. Die unhäusliche Fremde passt gar nicht für ein trauriges Gemüt. Ach, meine Regina, mein herrliches Mädchen! wie hab' ich sie gequält! wie hab' ich so gar nicht den Schatz erkannt, den ich, den wir alle an ihr besassen."
"Es geschah ja aus Liebe, mein guter Vater," erwiderte Corona und küsste zärtlich seine Hand.
"O Kind, die Selbstliebe war vorherrschend," entgegnete er mit grosser Aufrichtigkeit.
Er ging in sein Zimmer, um Briefe zu schreiben. Orest ging fort. Niemand fragte wohin. Uriel sagte:
"Ich will zum Kalvarienberg gehen, den man Vatikan nennt. Da wird man Herr über jeden Schmerz."
Als Hyazint mit Corona allein war, setzte er sie von seinen Erlebnissen mit Judit in Kenntnis und fügte hinzu:
"Sieh, wie gut ist Gott, über unsere vergängliche Trauer eine ewige Freude aufgehen zu lassen und unsere Tränen durch einen solchen Trost zu stillen. Dies Ereignis gehört zu den 'magnalia Dei', zu den wunderbaren Grosstaten Gottes, wie es in der Apostelgeschichte heisst – die so ganz ausserhalb aller menschlichen Berechnung und Voraussicht liegen."
"Sie muss ein starkes, gerades Herz haben, diese Judit," sagte Corona, "um mit einer solchen Entschiedenheit und Opferwilligkeit dem Stern der Gnade zu folgen. Sie geht so recht mit den heiligen drei Königen der armen Krippe von Betlehem zu .... diese Königin aus dem Morgenlande."
Dann beratschlagten sie, ob Judits Wunsch zu erfüllen und sie in der nächsten Morgenfrühe zu taufen sei.
"Warum nicht? sie glaubt ja! und ist erst das Licht der Gnade in ihre Seele gegossen, so wird sie leicht lernen und fassen, was sie jetzt noch nicht versteht. Lass uns zu Trinità dei Monti hinaufgehen und die Oberin um ihre Einwilligung und um Verschwiegenheit bitten."
Sie gingen hinauf und trugen ihr Anliegen vor, ohne Namen und Verhältnisse der Katechumene zu bezeichnen. Es war auch nicht nötig, um die lebhafteste Teilnahme der Oberin zu erregen, die es als eine grosse Gnade betrachtete, dass eine Tochter Israels in ihrem haus das Sakrament der Taufe empfangen solle; und so kam man überein, um fünf Uhr morgens die heilige Feier zu vollziehen. Um vier Uhr sollte Judit sich einstellen und Corona wollte sie empfangen. Gegen fünf Uhr wollte Hyazint kommen und den treuen Lelio, der mehr als alle auf Judit gewirkt hatte, mitbringen. Die Oberin erklärte sich gern bereit, die Neophitin länger im haus zu behalten, für den Fall, dass diese wünschen sollte, einige Tage in vollkommener Zurückgezogenheit von der äusseren Welt und in stiller Sammlung und Betrachtung zu leben; und man trennte sich unter seligem Frohlocken über Gottes unergründliche Barmherzigkeit. Hyazint begleitete Corona bis an ihre tür und ging zu Lelio.
Als Orest Judits Palast betrat, ersuchte ihn der Portier, sich zum Signor Fiorino zu bemühen