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die vorherrschende Empfindung istQual! An der Pforte fragte er, ob die Schwester Terese jetzt zu sprechen sei. Es wurde bejahet und er in das Sprachzimmer gewiesen. Es war von äusserster Einfachheit: weisse Wände, einige hölzerne Stühle, ein schwarzes Gitter, hinter welchem sich ein geschlossener Laden befand, und dem Gitter gegenüber ein grosses schönes Kruzifix. Nach seinem Namen war er nicht gefragt worden und er hatte ihn nicht genannt. Als ein Unbekannter, ein Namenloser sollte er vor sie treten! Jenseits des Gitters lag das innere Sprachzimmer. Es währte nicht lange, so öffnete sich eine innere Tür. Es trat jemand ein und sagte, zum Gitter vorgehend: "Gelobt sei Jesus Christus."

"In Ewigkeit, Amen!" erwiderte Uriel mit versagender stimmedenn das war Regina!

"Uriel! grüss Dich Gott!" sagte sie so herzlich, als ob sie beide in Windeck wären.

"Weisst Du denn noch von mir? hast Du mich nicht vergessen?" rief er überwältigt.

"Wähnst Du, wir vergässen die Unseren?" fragte sie zurück. "Das wäre ja treulos, herzlos. Gott zerreisst keine Bande des Herzens: er heiligt und verklärt sie."

"Ja, das ist Regina!" sagte er seufzend.

"Wie kommst denn Du zu unserem Karmel?" fiel sie ein.

"Ich möchte von Dir wissen, ob Du glücklich bist," entgegnete er. "Du wirst es bejahen; das weiss ich! Hat der Mensch sich ein ungewöhnliches Schicksal mit freiem Willen bereitet, so ist er oft zu stolz, um später zu gestehen, dass es mit seinem geträumten Glück kaum mittelmässig beschaffen sei. Darum bitte ich Dich, mir zu sagen, warum oder wodurch Du glücklich bist; das gibt mir vielleicht einen richtigeren Massstab, und ich werde Dein Leben besser verstehen."

"Ich bin glücklich, weil ich das höchste Gut liebe und gemäss dem Drang dieser Liebe leben darf."

"Und wohin drängt diese Liebe Dich?"

"Zum Opfer, Uriel. Ich bin glücklich, weil ich mich in jedem Augenblick und mit jedem Atemzug in gottgefälliger Weise der göttlichen Liebe opfern kann."

"Woher weisst Du, dass sie gottgefällig ist?"

"Weil sie auf den evangelischen Räten beruht, welche durch die drei Gelübde besiegelt werden. Das ist die höchste Gnade, welche dem Menschen zu teil werden kann. Wie gern folgt man nicht in weltlichen Verhältnissen dem Wunsch, dem Wink eines geliebten Wesens, ohne im mindesten zu betrachten, ob sich eine solche Folgsamkeit rechtfertigen lasse vor der Vernunft und der Wahrheit und ob man sie nicht dereinst bereuen werde. Wir aber sind sicher vor solcher Täuschung. Wir folgen einem Wink, der so zart ist, dass Millionen ihn nicht verstehen, und wissen dennoch, dass wir keinem selbstgeschaffenen Wolkengebilde folgen, denn der menschgewordene Gott Selbst winkt uns zur Nachfolge."

"Und worin besteht diese Nachfolge?"

"Im Leiden aus Liebe."

"Leidest auch Du, Regina?"

"Wer die drei Gelübde abgelegt hat und treu zu erfüllen sucht, ist gleichsam durch die drei Nägel Jesu mit ihm an das Kreuz geheftet, denn Armut, Entsagung und Gehorsam allzeit geübt, kreuzigen den natürlichen Menschen auch allzeit. Das tut freilich weh, aber dem göttlichen Heiland haben auch die Nägel weh getan, als er an ihnen in seinen Wunden hing."

"Wie fängst Du es aber an, um dies Bild so fest Dir einzuprägen, dass es Dein Vorbild wird?"

"Man denkt an ihn."

Uriel hätte fast gelächelt über diese Antwort.

"Darin liegt eben das Schwierige," sagte er.

"In der bunten, lauten, zerstreuenden Weltja!" antwortete Regina. "Da hat man weder Zeit noch Lust noch Aufforderung, anders als ruck- und stossweise an den göttlichen Geliebten zu denkenwenn's überhaupt geschieht! Aber für uns heisst es: Was droben ist, habet im Sinn, nicht was hienieden. Wir sind j a da, um uns in die Betrachtung seines Lebens und Leidens, seines Todes und seiner Herrlichkeit, seiner Lehre und seiner Liebe zu versenken; sind ja da, um es nach unseren Kräften mitfühlend nachzuleben; sind ja da, um ihm zu sagen, dass wir ihn lieben; dass wir verlangen, ihn so zu lieben, wie er geliebt sein soll und sein will; dass wir wünschen, der ganze Erdkreis möchte ihn erkennen und lieben; dass wir begehren, jeden Blutstropfen zu vergiessen, jeden Atemzug zu verhauchen, um zu bewirken, dass sein Name verherrlicht und sein Reich verbreitet werde. Er will hören, dass sein geschöpf ihn liebe. Zwischen den Millionen von Worten, die eine armselige Liebe verherrlichen, und zwischen den Millionen von Beleidigungen, welche sein göttliches Herz durch sündige Liebe empfängt, will er doch auch ein paar Worte hören, die zu ihm allein von Liebe sprechen und denen der Beweis nachfolgt, dass es keine leeren Versicherungen sind. Dazu sind wir da; das ist die Bestimmung unseres mystischen Karmels. Uns erwartet nicht ein grosser Kreis von frommer Tätigkeit, der anderen Orden zugewiesen ist; nicht die unmittelbare Wirksamkeit auf die Seelen, welche man in der Armen-, Kinder-, Gefangenen- und Krankenpflege übt. Wir sind nur da, um den göttlichen Liebhaber der Seelen zu lieben und es ihm zu sagenbetend, leidend