klösterliche Institute duldete, welche sich dem Unterrichtswesen oder der Krankenpflege widmeten, dass Kunigunde seufzte:
"Und wenn sie Ursulinerin oder Salesianerin würde, müsste sie Tag für Tag Schule halten für fremde Kinder und ich verlöre sie doch! Es wird wohl am Besten sein, wenn sie Uriel heiratet."
Auf diese frohe Zeit folgten Tage schwerer Heimsuchung. Gratian hatte sich auf der Jagd erkältet und sein Übelbefinden nicht geachtet. Als er endlich den Arzt rufen liess, war die Krankheit schon bedenklich, wurde bald gefährlich und steigerte sich zu einem furchtbaren Nervenfieber. Walburg schickte ihre Söhne nach Windeck, um sie vor der Ansteckung zu bewahren und pflegte Gratian Tag und Nacht. Damian kam sogleich und stand ihr hilfreich zur Seite, damit sie sich nicht über ihre Kräfte anstrenge. Levin ging hin und her zwischen den beiden zagenden, betrübten Frauen und sprach ihnen himmlische Hoffnung zu, je mehr die irdische schwand. Die Stärke des Fiebers versetzte Gratian gewöhnlich in einen bewusstlosen Zustand; aber Gott erhörte Walburg's und Levin's heisses Gebet: kurz vor seinem Ende kam Gratian zu sich und empfing die Sterbsakramente; dann sagte er fast unhörbar zu seinem Bruder:
"Nimm Dich meiner armen Buben als Vater an."
"Verlass Dich darauf," erwiderte Damian traurig. "Uriel heiratet Regina und für die beiden anderen sorge ich auch."
Sanft drückte Gratian des Bruders Hand, warf einen zärtlichen blick auf Walburg, fiel in's Delirium zurück und verschied ruhig nach einigen Stunden. Die trostlose Walburg war gar nicht zu trennen von der geliebten Leiche. Als Damian sie endlich mit Gewalt wegführte, legte sie sich zu Bett – und stand nicht wieder auf. Binnen neun Tagen riss die Krankheit, die junge kräftige Menschen am heftigsten befällt, sie in ihr frühes Grab. Kunigunde war aufgelöst von Schmerz. Die Schwestern hatten ein Doppelleben zusammen geführt und jede die Freuden und Leiden der anderen so innig geteilt, dass Kunigundens halbes Herz in Walburg's Sarg sank. Bei ihrer grossen Schüchternheit kam ihr auch die Erziehung der drei Knaben als eine übermässig schwere Aufgabe vor, und doch fand sie wieder ihren süssesten Trost darin, den kleinen Verwaisten die Mutter zu ersetzen. Damian hatte die Knaben so lieb und war so ganz von der Vorstellung erfüllt, in Uriel den künftigen Majoratsherrn und seinen Schwiegersohn zu sehen, dass er sich darüber tröstete, keinen Sohn zu haben und die Kinder ganz väterlich in sein Haus nahm. Ihre Erziehung machte ihm nicht viel Sorgen!
"Gundel, sei nicht so ängstlich!" sagte er einmal zu der Gräfin, als sie von den Gefahren sprach, denen junge Leute in der Welt ausgesetzt sind. "Die Welt erzieht den Mann."
"Aber wie!" seufzte Kunigunde.
"Nun, wie? wie sie ihn braucht, mein Kind. Der junge Mann muss Erfahrungen machen und hat er die hinter sich, so wird er vernünftig; der eine früher, der andere später."
"Aber er macht diese Erfahrungen gewöhnlich auf Kosten seines besseren Selbst und zahlt für Niedriges den höchsten Preis."
"Das Paradies für einen Apfel – allerdings, das kann geschehen," sagte Damian höchst gleichmütig. "Diesen Weg hat der Schöpfer von Adams zeiten an dem Menschen zugewiesen."
"Der Mensch hat freiwillig den Weg des Abfalls eingeschlagen," rief Kunigunde lebhaft, "und für das Paradies, das er aufgab, hat der barmherzige Gott ihm die Anwartschaft auf den Himmel gegeben. Die Welt nun, die es ihm so leicht macht, das Paradies zu verlieren, was tut sie, um ihn an seine himmlischen Ansprüche zu erinnern?"
"Nichts, mein Kind, gar nichts! ist auch nicht nötig! Man hat ja Grundsätze, die freilich zuweilen etwas wackeln, aber mit der Zeit sich befestigen. Die Karriere, in die man tritt, die vortreffliche Frau, die man heiratet, tun denn auch das Ihre; und so wimmelt die Welt von klugen, rechtschaffenen, gebildeten, tüchtigen Männern, zu denen unsere Buben ohne Zweifel gehören werden."
Kunigunde lächelte traurig und suchte Trost bei Levin. Auch er sagte: "Seien Sie nicht so zaghaft, Kind!" aber aus anderen Gründen als Damian. "Statt vor der Zukunft der Knaben zu bangen, benutzen Sie die Gegenwart, um auf dem Wege der Tugend so fortzuschreiten, dass Sie Ihren Kindern ein liebliches, leuchtendes, unvergessliches Vorbild der Gottesliebe und der christlichen Vollkommenheit werden. Daran scheitert manch Blendwerk der Welt."
"Aber meine Missgriffe, mein Mangel an Einsicht, meine Schwäche, wie viel Schaden können sie stiften trotz all' meinem guten Willen."
"Dem menschlichen Tun wohnt Gebrechlichkeit inne, und wir alle lassen es an Missgriffen, auch bei unseren teuersten Angelegenheiten, nicht fehlen. Fassen wir aber immer wieder und wieder die Richtung auf die Ehre Gottes und das Heil der Seelen in's Auge, so wird Gott, für den wir das Beste zu tun suchen, ohne Zweifel viel Besseres für uns tun und den Folgen unserer Missgriffe Schranken setzen."
Damian, der einmal solchem Gespräch beigewohnt hatte, sagte später zu Kunigunde:
"Es ist recht seltsam, dass Onkel Levin immer so spricht, als ob die Vorsehung von unserem Tun und Treiben spezielle Notiz nähme."
"Lieber Damian," antwortete Kunigunde lächelnd, "ob die Vorsehung das tut, weiss ich freilich nicht. Aber Gott tut es: darauf