von der Reise nach Paris zu sprechen. Sie machte keine Einwendungen. So quälend der dortige Aufentalt für sie war, schien es ihr doch besser, mitzureisen, als ihn allein gehen zu lassen. Sie war aber ausserordentlich leidend und der Arzt erklärte, in Rücksicht auf ihre Mutterhoffnung müsse er ihr jede Reise in so rauher Jahreszeit und jede Unruhe streng untersagen. Corona bat den Arzt, er möge selbst sein Verbot ihrem Mann kund tun, damit Orest nicht wähne, dass sie es sei, die ein Hindernis in seinen Plan lege.
"Wie unangenehm!" rief Orest; "nun .... dann muss ich allein reisen!"
"Der Herr Graf werden doch die Reise etwas abkürzen, nicht wahr?" sagte der Arzt, ein ältlicher, trockener Mann, der gewohnt war, seine Meinung unverholen zu sagen.
"Wie so? warum?" rief Orest.
"Weil die Frau Gräfin sehr leidend – und so ein einsamer Winter sehr lang für eine Leidende ist."
"O, meine Frau liebt ganz ausserordentlich die Einsamkeit!" rief Orest und traf seine Reiseanstalten.
Corona kämpfte einen schweren Kampf mit ihrer Schüchternheit, bevor sie einen Entschluss fasste, zu dem sie sich durch ihre Pflicht gedrängt fühlte. Sie nahm als kleinen. Bundesgenossen Felicitas bei der Hand und ging eines Morgens mit ihr zu Orest, der eben beschäftigt sein Portefeuille zu ordnen und sehr guter Laune war.
"Ah, Lili!" rief er und nahm die Kleine auf den Arm; "was soll ich Dir aus Paris mitbringen? eine Puppe, so gross wie Du selbst bist, nicht wahr? und eine Unmasse von Bonbon!"
"Lieber Orest," nahm Corona mit leise bebender stimme das Wort, "Lili und ich – wir möchten Dich um etwas ganz anderes bitten."
"Und das wäre?" fragte er ziemlich gleichgültig.
"Dass Du bei uns bliebest und für diesen Winter auf Deine Reise nach Paris verzichtest."
"Ah bah!" sagte er im wegwerfenden Ton; und zum kind: "Nicht wahr, Lili, Du willst Bonbon aus Paris haben?"
"Bitte, bitte!" sagte die Kleine und klatschte in die Händchen, froh über die Aussicht auf Bonbon.
"Siehst Du, Lili ist auf meiner Seite!" rief Orest.
"Lieber Orest," entgegnete Corona mit schmerzlichem Lächeln, "wüsstest Du, wie mir zu Mute ist, so würdest Du nicht Deinen Scherz mit Lili treiben."
"Ich bitte Dich, lass Dich doch nicht durch den Doktor hypochonder stimmen!" sagte Orest unmutig. "Es ist ja der Vorteil dieser Herren, die Menschen ängstlich über ihr Befinden zu machen damit man sich desto mehr an sie wende."
"Du tust dem guten Doktor und mir Unrecht, lieber Orest. Er hat nur seine Schuldigkeit getan, indem er mich von der Reise zurückhielt, und ich bin wahrlich nicht besorgt um mein Befinden, das körperlich und vorübergehend ist, sondern nur besorgt um Dich und Deinen Seelenzustand."
"Die sorge überlasse mir!"
"Aber, lieber Orest, Du behandelst ihn nicht mit Sorgfalt! Du stehst unter irgend einem unglücklichen Einfluss, dem Du Dich willenlos, besinnungslos überlässt, und der Dich Deiner Frau, Deinem kind, Deinem haus, Deiner Familie, Deinem Wirkungskreis – mit einem Wort: Deiner Pflicht entfremdet. Von wem dieser Einfluss ausgeht, weiss ich nicht und verlange ich nicht zu wissen; ich sehe nur seine traurige wirkung auf Dich, denn er versetzt Dich in einen innerlich verkehrten und verwirrten Zustand, der Dich elend macht und der nicht nach dem Willen Gottes ist. Wie soll das aber werden, lieber Orest, wenn Du auf einem Wege bleibst, der so entschieden der Bahn zuwiderläuft, welche Gott Dir zugewiesen hat."
"Ich tue nichts Böses," sagte Orest finster; "ich habe mir nichts vorzuwerfen, als dass ich mich auswärts besser unterhalte, als hier. Ich bin nicht für das Kartäuserleben geschaffen, nicht für den Ehemann, nicht für den Hausvater, nicht für die Einförmigkeit des ländlichen Aufentaltes."
"Das hättest Du bedenken sollen, bevor Du dich in diese Lage begabst. Aber ich glaube, wenn Du Dich nur ein wenig gegen den bösen Einfluss stemmen wolltest, von dem Du dich beherrschen lässt, so würdest Du anfangen, weniger unglücklich Dich zu fühlen. Du würdest nach und nach zur Besinnung über Deine Lage kommen, sie würde Dir in einem freundlicheren Licht erscheinen, und was Dir jetzt schwer, ja unerträglich vorkommt, würde Dir leicht und immer leichter werden. Ach, lieber Orest, nur ein wenig guter Wille – und Gott hilft nach! Nur der Versuch zum Widerstand – und Du überwindest die inneren oder äusseren Feinde! Und deshalb flehe ich Dich an: gehe nicht nach Paris! bleibe bei uns! bleibe hier."
Sie hob die hände bittend zu ihm auf und schwere Tränen rollten über ihre zarten bleichen Wangen. Als Felicitas die Mutter weinen sah, verzog auch sie, nach weicher Kinder Art, ihr Gesichtchen zum Weinen, schlang beide arme um Orests Nacken und sagte:
"Papa, hier bleiben."
"Jetzt ist Lili auf meiner Seite!" rief Corona.
Orest stellte finster das Kind auf den Boden und sprach:
"Ich begreife nicht, weshalb Du mir diese Scene machst. Ich sage Dir ja, dass ich mir