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"Bester Onkel, ich bin im höchsten Grade betroffen! ich scheine Corona sehr betrübt und verletzt zu haben. Als es sich in unserem Gespräch herausstellte, dass wir nicht vollkommen harmonierten, sah sie mich an – mit einem blick .... einem unbeschreiblichen, sagte kein Wort – und verliess mich."
"Und wie entstand Eure Disharmonie?"
"Bester Onkel, es war ein unerhörtes Gespräch. Es steht gewiss einzig im Jahrhundert da, dass Verlobte, zum ersten Mal unter vier Augen, ein solches Gespräch führen!"
"Um welchen Gegenstand drehte sich denn dies merkwürdige Gespräch?"
"Um die Lehre von den Sakramenten."
"Ah so! um die Lehre! – nicht wahr, um die praktische Ausübung dieser Lehre?"
"Richtig getroffen, lieber Onkel. Es ist doch wahrhaftig unmöglich, dass unsereiner in d e m Punkt Schritt halten soll mit einem Geschlecht, das nicht nur das schöne, sondern noch ganz extra das fromme heisst! Der Soldat dient Gott in anderer Weise, mit Blut und Leben, in Gefahr und Ungemach, in Schlacht und Krieg. Da bekommt er denn ganz natürlich aus gewissen Gewohnheiten heraus."
"Wenn ich nicht irre," unterbrach ihn Levin, so werden die Soldaten pünktlich dazu angehalten, sich jeden Sonntag beim Gottesdienste und alljährlich zur österlichen Zeit zum Empfang der heiligen Sakramente einzusinden.
"Versteht sich, bester Onkel, das gehört zum Reglement!" rief Orest eifrig. "Ordnung muss sein und der Offizier muss sorgen, dass sie von den Mannschaften beobachtet werde."
"Ich kann nicht glauben, dass sich das militärische Reglement nur auf die Mannschaften beziehe; aber das weiss ich gewiss: das kirchliche Reglement macht keine Ausnahme für Offiziere, bei dem Leutnant angefangen, und bei Kaiser und Königen aufgehört, welche die obersten Anführer ihrer Heere sind. Und da Du so besorgt bist, das erstere aufrecht zu halten, mein' ich, Du könntest doch auch für das zweite etwas Eifer bewahren."
"Wenn Du wüsstest, lieber Onkel, wie ungeheuer beschäftigt ich gerade immer in der österlichen Zeit war, wie ungeheuer viel Gedanken mir im Laufe eines einzigen Tages durch den Kopf wirbeln, so dass man gar nicht zur Besinnung kommt und das Aufgeschobene nicht mehr nachholen kann ...."
"So würde' ich Dir raten," unterbrach ihn Levin, "all' diesen Ungeheuerlichkeiten auf eine Zeit Valet zu sagen und Dich als ein guter Soldat, der nicht bloss treu seinem Kaiser, sondern treu dem Herrn aller Kaiser dient – um das kirchliche Reglement zu kümmern."
"Werde ich dadurch mit Corona meinen Frieden stiften?"
"Mit Corona auch; aber zuerst mit Gott, und das ist es eben, was Corona von Dir mit Recht verlangt. Liebe, achtung und Vertrauen kann eine Frau nur zu dem mann fassen, mit dem sie eine und dieselbe aus dem gemeinsamen Glauben entspringende Lebensrichtung hat. Ist diese Richtung bei dem einen Teile der Ehegatten unchristlich, so führt sie beide ins Unglück."
"Unchristlich! ach, lieber Onkel, ich bin ein sehr guter Christ – nur nicht immer strikt kirchlich. Aber das mag wohl nur eine schlechte Gewohnheit sein; und kurz, um mit Corona – ich wollte sagen mit Gott, meinen Frieden zu machen, will ich mein pater peccavi beten. Es ist wahrhaftig kurios, was man alles lernt als Bräutigam." –
Corona aber nahm die Sache nicht so leicht, wie Orest, und tröstete sich nicht so schnell über seinen Mangel an strikter Kirchlichkeit, wie er es nannte. Sie erkannte, dass sein Glaubensleben unter dem Gefrierpunkt stehe und sie fühlte mit dem richtigen Instinkt des reinen Herzens, dass diese Kälte nicht die Folge von Orest's Tugenden sei. Nun, so muss ich Gott doppelt lieben! sprach sie zu sich selbst und trocknete ihre schönen Augen, die noch nie so bittere Tränen geweint hatten und die ihrem Vater gegenüber heiter sein sollten. Sie wäre gern glücklich gewesen, ihr junges Herz hatte unbestimmte Träume von Glück gehabt und Bräute pflegen ja glücklich zu sein; aber sie war es nicht! Regina war es. –
"Jetzt hast Du, was Du verlangst," sagte Hyazint freudestrahlend zu ihr.
"Und was Du schon besitzest," erwiderte sie. "Ja, Hyazint, jetzt beginnt das Leben schön für uns zu werden: jetzt beginnt das Leiden aus Liebe, das vollkommene Opfer ohne irdischen Trost."
"Bist Du so leidensdurstig?" fragte er.
"O nein!" sagte sie; "mich will zuweilen grosse Furcht übermannen, dass ich von Euch allen auf immer getrennt sein soll, und das enge Menschenherz zittert und bebt vor dem nahen Opfer – und dennoch geht mir ein unsägliches Frohlocken durch die Seele; denn ich denke, Hyazint, dass die Nahrung der Liebe hienieden im Leiden für Gott und mit Gott besteht – und liebe ich nur immer vollkommener – was frag' ich dann nach Leid!"
"Droben wird's anders sein, Regina! droben nährt sich die Liebe von ihrer Seligkeit und die steigert sich in dem Mass, als wir im irdischen Leben gelitten haben."
"Ich hörte einmal," sagte sie, "die vollkommene Liebe dächte nie an die vergeltenden Wonnen der Ewigkeit und es sei ein jüdischer Handel, etwas zu geben und zu tun, um viel zu erlangen."
"Das