Vaters Eselinnen zu suchen und eine Krone fand; denn ich suchte nichts und fand doch eine Krone."
"Du bist ja sehr belesen in der heiligen Schrift," sagte Corona lächelnd.
"Lasst mich jetzt schreiben, meine Kinder!" unterbrach sie Levin und Corona sagte scherzhaft:
"Komm' ein wenig auf die Terrasse mit mir, Orest! der Abend ist herrlich."
Levin nickte ihnen freundlich zu und sie gingen hinab; Orest seelenfroh, endlich einmal mit seiner Braut allein zu sein, der er doch unmöglich vor allen Leuten sagen konnte, wie lieblich, wie reizend, wie bezaubernd er sie finde; und sehr geschmeichelt, dass auch sie mit ihm unter vier Augen zu sein wünschte, weil sie ihm vermutlich etwas Ähnliches zu sagen hatte. Sein Erstaunen war daher grenzenlos, als Corona sich auf einen Basaltblock an dem plätschernden Springbrunnen setzte, ihm mit ihrem lieblichsten Lächeln tief in's Auge sah und mit ihrer süssesten stimme eindringlich fragte:
"Orest, wie steht es mit dem Glauben?"
Er prallte förmlich zurück vor Überraschung; doch schnell gefasst rief er scherzend:
"Aber Krönchen, Du irrst im Wort! Du willst wohl sagen: Wie steht's mit der Liebe!"
"O nein! danach brauch' ich nicht zu fragen!" antwortete sie mit einem Anflug von Selbstbewusstsein, der sie so anmutig machte, dass Orest meinte, er habe nie ein holdseligeres Wesen erblickt, und am rand des Bassins neben ihr niederkniete.
"Ah!" rief sie, "das ist gerade die Stellung, in der ich Dich haben will. Nun beichte! also: wie steht's mit dem Glauben?"
"Ich glaube, dass Corona ganz dazu geschaffen ist, angebetet zu werden, und ich bekenne, dass ich auf gutem Wege dazu bin," entgegnete Orest.
"Lass uns nicht mehr scherzen, lieber Orest," sagte sie sanft und ein milder Ernst trat in ihr Auge; "lass uns von dem Höchsten und Heiligsten reden, wie es sich geziemt. Sieh, ich habe öfter sagen hören, die junge Männerwelt unserer Tage sei recht ungläubig, verachte die Lehren der heiligen Kirche, welche doch nichts anderes sind, als Gottes Gebote – und verschmähe die Sakramente, deren Ausspenderin die Kirche ist. Nun ist es Gottes Wille und der Wunsch unseres Vaters, dass wir in die Ehe treten. Nun musst Du mir sagen, dass Du nicht zu der ungläubigen Männerwelt gehörst, sondern gläubig für wahr hältst, was die Kirche lehrt und gläubig hinzutrittst zu den heiligen Sakramenten. Verachtetest Du sie: so würdest Du ja auch die Ehe als Sakrament verachten und sie ohne die Mitteilung der Gnade Gottes schliessen. Woher sollten wir dann aber die Zuversicht nehmen, dass unsere Ehe gottgefällig wäre, dass die göttliche Gnade uns beistehen werde? und wie könnte ich mich auf Dich verlassen, wenn Du Dich nicht auf Gott und seine Gnade verlässt?"
Diese tief wahren, einfachen Worte trafen Orest in seinem Gewissen. Er dachte an die bunte Kette von gottentfremdeten Freuden, welche sich durch sein Leben schlang, an die tausend Fäden, welche seine Seele umspannen und von denen auch nicht einer den inneren Menschen an Höheres knüpfte – an Judit, die eine unerklärliche Macht über ihn ausübte, eine Macht, die ihm so zauberisch lockend erschien, dass er, auf welchen Punkt der Zukunft er sein Auge heftete, überall in sie hineinschaute, wie in eine blendende Sonne. Wenn er an Judit dachte, so kam er sich in seinen gegenwärtigen Verhältnissen wie das Opferlamm seiner Familie vor, obzwar er eingestehen musste, dass sein Opfer mehr ein Empfangen als ein geben sei. Er empfing die schöne Braut, die grosse herrschaft, das bedeutende Vermögen; aber er opferte doch sein ungebundenes, zwangloses Dasein. Freilich war mit Judit an keine Ehe zu denken und er konnte doch unmöglich ihr zu Gefallen unter den gegenwärtigen Umständen ehelos bleiben und das alte edle Geschlecht der Windecker aussterben lassen. Und gab es nicht tausend Ehen, neben denen eine Judit stand? Ich muss mir das alles aus dem Sinne schlagen, Judit gar nicht wieder sehen und jetzt mein Bestes tun; dachte er bei sich selbst, während Corona sprach. Als sie schwieg und ihn fragend ansah, antwortete er:
"Ich wusste gar nicht, dass Du so enorm fromm wärest, Corona! aber das tut nichts. Fromme Frauen – allen Respekt! Ich werde Dich nie in Deiner Frömmigkeit irgendwie beeinträchtigen; Du aber musst auch nie verlangen, dass ich in diesem Punkte genau mit Dir sympatisiere."
"Ich verlange es nicht – ich hoffte es nur," antwortete Corona traurig und sah dabei so lieblich aus, dass Orest ganz hingerissen ausrief:
"Du bist ja wahrhaftig ein kleines himmlisches geschöpf, Dich zu grämen, weil ich nicht die Sakramente zu empfangen pflege."
"Ah, Du empfängst nicht die Sakramente?" fragte sie.
"Nein," sagte er unbefangen, "diese Gewohnheit habe ich nicht; aber in die Messe geh' ich – zuweilen."
Corona stand von ihrem Basaltblock auf, warf einen blick voll unaussprechlichem Ausdruck auf Orest und ging ernst und schweigend von dannen. Seine erste Bewegung war, ihr nachzueilen. Aber nein! sprach er zu sich selbst, ich rede lieber mit Onkel Levin und schütte ihm mein Herz aus. Ganz aufgeregt eilte er zu dem frommen Vertrauten aller verstörten Gemüter und rief