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endlich hat es der Papa denn doch recht gemacht!" sagte der Graf mit dem Ausdruck inniger Zufriedenheit. "Es ging nicht anders! ich musste erst die Standhaftigkeit Deines Entschlusses prüfen. Da Uriel und ich uns nunmehr überzeugt haben, dass Du eine uneinnehmbare Festung bist, so siedle Dich an auf Deinem Karmel! Ich hätte Dich vielleicht noch länger zappeln lassen, aber Uriel's Entschluss brachte alles in's Reine und macht jetzt meine Corona zum Trost meines Alters."

Schweigend und mit niedergeschlagenen Augen hatte Corona sich in die Fensternische zurückgezogen. Als der Graf das Wort an sie richtete, schlug sie die Augen zärtlich zu ihm auf und zwei schwere Tränen fielen von ihren Wimpern.

"Kind, weine nicht!" sagte der Graf liebevoll; "Du gehst einer schönen Zukunft entgegen, Du machst uns alle glücklich und Orest wird Dich auf den Händen tragen."

"Ach, ich möchte lieber noch etwas warten," sagte sie schüchtern.

"Larifari! das sagen alle jungen Mädchen. Spürst Du etwa auch den Klosterberuf?"

"Nein, lieber Vater, dazu bin ich nicht fromm genug," erwiderte sie aufrichtig und unbefangen.

"Möchtest Du etwa in der Welt eine alte Jungfer werden?"

"Das wäre just nicht meine Liebhaberei," sagte sie mit der Munterkeit ihrer siebzehn Jahre.

"Weshalb wolltest Du also warten? Ein Sprichwort sagt: Jung gefreit, hat niemand gereut. Deine selige Mutter war ein Jahr älterund Orest's Mutter ein Jahr jünger wie Du, als sie heirateten. Also habe nur guten Mut. Du bleibst in der Familie, Du kommst in alte wohlbekannte Umgebungendas erleichtert den Schritt."

Nach ihrer Neigung fragte der Graf durchaus nicht. Er würde auch nichts anderes von ihr gehört haben, als dass sie für Orest schwesterlich gesinnt und immer bereit sei, die Wünsche ihres Vaters zu erfüllen.

Regina eilte in die Kapelle, zum Tabernakel ihres himmlischen Bräutigamsund ihrem äusserst irdischen wurde Corona vom Grafen zugeführt. Die Baronin Isabelle, die ihren Gatten kaum ein Jahr nach ihrer Verheiratung verloren und ihn schwärmerisch geliebt hatte, beurteilte den Ehestand nach den Erfahrungen ihrer eigenen Rosenmonde und fühlte grenzenloses Bedauern, dass Regina eines solchen Glückes verlustig gehe. Es tat ihr aber auch sehr leid, in Corona nicht die leiseste Spur der schwärmerischen Gefühle wahrzunehmen, in denen sie einst geschwelgt hatte, und sie sagte beängstigt, wie sie leicht war, zum Grafen:

"Bester Schwager, wenn nur Corona's Herz mit Ihrer Wahl übereinstimmt! sie sieht so gewiss melancholisch aus, wie sonst nie."

"Beste Isabelle," unterbrach sie der Graf, "verschonen Sie mich mit melancholischen Beobachtungen, denn ich bin endlich einmal in Jubilo und mein Haus ist es mit mir. Solch' ein Bräutchen weiss nicht recht, was es für ein Gesicht machen soll, halb freundlich, halb verlegen; das nennen Sie melancholisch. Bedenken Sie doch, dass Corona, die von Kindesbeinen an den guten Orest gekannt hat, unmöglich stante pede in heftige Liebe zu ihm verfallen kann."

"Das bedaure ich eben, weil ich nicht einsehe, wie sie ohne Liebe die schweren Pflichten, die ihrer harren, erfüllen soll."

"Und ich justement nicht! Bei solcher gewaltigen Liebe sind gewaltige Enttäuschungen unvermeidlich und diese machen viel unglücklicher, als das bischen Liebe glücklich gemacht hat. Aber je weniger man erwartet, desto mehr findet man. Also trösten Sie Sich!" –

Corona ging inzwischen zu dem, an den sich alle wendeten, die Rat oder Trost suchten; – zu Levin, und fragte ihn mit grosser Entschiedenheit:

"Nicht wahr, lieber Onkel, Orest ist doch ein guter katolischer Christ?"

"Gott sieht in's Herz, mein Kind! wir aber hoffen es."

"In London ging er nie Sonntags mit uns zur Messe."

"Vielleicht ging er zu anderer Stunde! Nicht selten ist es den Männern unangenehm, gerade von den nächsten Verwandten bei ihren Andachtsübungen beobachtet zu werden. Hier in Windeck fehlt Orest nie."

"Lieber Onkel," sagte sie beklommen, "ach bitte, frage ihn doch, wie es mit seinem Glauben steht."

"Es ist viel besser, wenn du selbst, liebes Kind, Dich darüber mit ihm aussprichst. Habt Ihr Euch erst in den höchsten Interessen zusammen gefunden, so ordnen und gestalten sich alle übrigen befriedigend."

"Ich fürchte einen Ton anzuschlagen, der keinen Wiederhall findet!" rief sie schmerzlich.

"Welch' Misstrauen, Corona!" sagte Levin und drohte freundlich mit dem Finger. "Es findet sich gewiss recht bald eine Veranlassung, um Dich darüber mit Orest auszusprechen, und ich hoffe, Du wirst dann beruhigt sein."

Da trat Orest ein, um im Namen des Grafen zu fragen, ob Levin schon wegen der Dispense von der Verwandtschaft nach Rom geschrieben habe.

"Ich war damit beschäftigt, als Corona mich unterbrach," entgegnete Levin. "Sage mir, Orest," fuhr er fort, um ein Gespräch anzuknüpfen, welches Corona dann in ihrem Sinne fortsetzen konnte – "ist die Kapelle im Stamberger Schloss fertig? und hat Uriel vielleicht eine Messe daselbst gestiftet?"

"Ich weiss von nichts, lieber Onkel, von gar nichtsals dass ich unerhört glücklich bin! glücklicher noch wie Saul, der Sohn Cis, der ausging, seines