das Brennholz spalteten. Ich hob ihn auf und warf ihn mit aller Macht auf die Schlange, die er zermalmte, und dann hieb ich ihr mit der Axt den Kopf ab. So waren die Buben gerettet – aber mein liebes, frommes Weib war dahin, kläglich umgekommen, ohne Priester und Sakrament. Wir huben ein Geheul an, dass es die Steine hätte erbarmen mögen. Der Farmer kam und weinte mit uns. Er war kreuzbrav und sehr fromm, wie die meisten Irländer sind. Er sprach viele Gebete bei ihrer Leiche und, nachdem wir sie armselig verscharrt hatten, an ihrem grab; und er zimmerte ein Kreuz und steckte es darauf. Die Schlange hatte vermutlich halb erstarrt in ihrer Höhle unter der Erde und in der Nähe des Kamins gelegen, war durch das Feuer erwärmt und geweckt worden und hatte sich einen Ausweg gesucht, um in dessen Nähe zu kommen. Das geschieht nicht selten. Vermutlich hatte mein armes Weib bei den glimmenden Kohlen das Untier gesehen. Hätte sie es ruhig liegen lassen, so wäre es vielleicht nach einigen Stunden ohne Schaden zu tun fortgekrochen; denn diese Art pflegt nur dann zu stechen, wenn man ihr irgendwie in den Weg kommt. Sie ist aber so giftig, dass der Mensch augenblicklich von ihrem Stich aufschwillt, stirbt und schnell in Verwesung übergeht. Wir glauben, dass mein armes Weib aus Angst um die Buben, die auf der anderen Seite des Kamins schliefen, den Kopf verlor und die Schlange zu erschlagen versuchte mit einem dicken Knüttel, den wir neben dem Herde fanden, und dass sie dadurch das Tier zum Stich aufreizte. So erkläre ich mir das dumpfe Geräusch, das mich weckte. Aber noch in ihrem Todesstöhnen dachte sie an mich und die Buben! Sei ruhig! sagte sie. Hätte sie mich geweckt, wie leicht hätten die Buben erwachen und Lärm machen und die gereizte Schlange uns alle in der Dunkelheit um's Leben bringen können. Sie war nun dahin, die gute Seele, und der liebe Gott schenke ihr die ewige Ruhe. Auf Erden hat sie nicht viel gute Tage gehabt – durch meine Schuld! Mein Farmer vermisste sie sehr und sagte mir eines Tages, es ging nicht gut im haus ohne Frau; er müsse sich entschliessen, ein Weib zu nehmen. Mir wurde das Herz ganz schwer bei dieser Rede! ich weiss nicht warum! aber ich konnte ihm nur denselben Rat geben. Er vertraute mir die Farm an, ritt von dannen und kam erst nach zwei Monaten wieder mit einer schönen jungen Frau und zwei Schwägern, stämmigen Burschen, die mich scheel ansahen und meine Buben noch mehr. Nach drei Tagen erkrankte die junge Frau und die Pocken brachen so furchtbar bei ihr aus, als sei sie nie geimpft worden. Wer in der Wildnis krank wird, muss von selbst gesund werden oder sterben! Ärzte sind unerreichbar. Die Frau starb. Der Farmer hatte sie treu gepflegt und dabei das Pockengift eingesogen. Er wurde ebenfalls krank und starb in grossen Qualen, der brave Mann; die Schwäger aber sagten, nun hätten sie die Farm geerbt und sie brauchten keinen Knecht mit drei Kindern. Sie gaben mir das Notwendigste, um nach NewYork zurückzukehren und so stand ich denn im vorigen Spätjahr wiederum bettelarm vor der tür des braven Pfarrers. Da konnte' ich aber die Last meiner Leiden und meiner Sünden nicht mehr ertragen. Der liebe Gott musste sie mir tragen helfen. Ich erleichterte mein Herz durch eine reumütige Lebensbeicht und dann schrieb ich Ihnen, hochwürdiger Herr, und bat Sie um Reisegeld zur Heimkehr, und der brave Pfarrer schrieb Ihnen auch. Ehe das Geld aber ankam, ergriffen mich die Pocken und ich war so geschwächt von all' meinem Elend, dass die heftige Krankheit mich fast um all' meine Sinne brachte. Ich lag drei Monate im Spital, fast blind, halb taub, zitternd an allen Gliedern, und so bin ich denn, wie Sie mich jetzt sehen, aus dem amerikanischen Paradiese heimgekehrt." –
Es wurden Stimmen im hof laut und Männerschritte liessen sich vernehmen. Wendel blickte mit seinen kranken Augen scheu nach dem Fenster und Levin stand auf, um zu sehen, was vorfalle. Da flog die tür auf und die Bäuerin stürzte mit den Geberden höchster Verzweiflung in die stube und schrie:
"Wendel! sie sagen, die Rose sei eben gefunden, erstickt im Kohlendampf. O Jesus Maria! ist sie denn nicht in Amerika geblieben, Wendel!" –
Zwei Gerichtsdiener folgten der Bäuerin; die Buben drängten sich ängstlich herein und in eine Ecke; Regina eilte schreckenvoll zu Levin und umfasste seinen Arm; Wendel rührte sich nicht; alle sahen gespannt die Gerichtsdiener an. Diese grüssten höflich Levin und der eine sagte zur Bäuerin:
"Heule Sie nicht, Frau, und komm' Sie mit uns. Ist Ihre Nichte wirklich in Amerika, so kann sie freilich nicht bei uns erstickt im Kohlendampf liegen. Da aber die Leute sagten, es sei die Wendelrose, die vor drittalb Jahren mit ihren Eltern ausgewandert sei und wir möchten uns bei Ihr, Frau, Auskunft holen: so sind wir gekommen, um Sie mitzunehmen."
"Wendel, hörst Du nicht!" schrie die Bäuerin ganz ausser sich. "Die Leute sprechen ja, Deine Tochter sei da – aber tot."
"Seine Tochter!" rief der Gerichtsdiener erstaunt. "Ist denn der Wendel auch aus Amerika zurückgekommen? Hätt' ihn nimmer erkannt! er