. Mit seinem Pulsfühler wird er sich den Geldbeutel wohl nicht sehr gespickt haben, der Florentin! Kurz, er fing an von Kalifornien, dem Goldlande, zu sprechen; denn er kam immer fleissig zu uns – versteht sich wegen der Rose. Mir aber fielen vor dem amerikanischen Paradiese die Schuppen von den Augen. Wir schmachteten im grässlichsten Elend und ich glaubte auch an sein Goldland nicht. Ein Wort gab das andere; und endlich verbot ich ihm, den Fuss je wieder über meine Schwelle zu setzen. Er ging – und am anderen Morgen war die Rose verschwunden. Wir haben sie nicht wieder gesehen!"
"Stelltet Ihr denn gar keine Nachforschungen an, Wendel?"
"Ach, lieber hochwürdiger Herr! ein blutarmer Mann kann in Amerika keine anderen Nachforschungen anstellen als die, dass er Tag und Nacht Strass' auf Strass' nieder rennt und sein Kind sucht. Nachforschungen von den Behörden kosten viel Geld! Der wackere Geistliche, bei dem mein Weib in die Messe und zur Beicht ging und an den sie sich in ihrem Herzeleid wendete, tat, was er konnte, um die Verlorene aufzuspüren; er selbst und andere barmherzige Leute. Aber nirgends die geringste Spur! sie wird sich eben mit dem Florentin auf ein Dampfschiff oder die Eisenbahn gesetzt haben und in die weite Welt – oder zur Hölle gefahren sein! Mein Weib wurde ein Jammerbild. Hunger, sorge, schwere Arbeit hatten ihr nicht so zugesetzt, wie der Gram um Rosel. Schau', Wendel! sagte sie und sah mich an mit ihren hohlen eingesunkenen Augen; schau', wohin der Mensch kommt, der den Glauben verliert. Für unsere kleine Teres' hat die Rosel damals den priesterlichen Segen verachtet; jetzt verachtet sie ihn für sich selbst und geht in blinder heidnischer Weis' zu einem Mann, der sie in Schande und Unglück stürzen wird. – Es ging mir durch Mark und Bein, denn ich hatte ja auch den Glauben verloren und das hatte mein armselig Mädchen ebenfalls von mir geerbt!! – Der brave Geistliche hatte grosses Erbarmen mit uns, das ich wahrhaftig nicht verdiente, denn trotz meines Elendes hatte ich mich nie im Gottesdienste, nie bei den heiligen Sakramenten eingefunden. Ein Farmer, der alle Jahr zur österlichen Zeit nach New-York kam und dreihundert englische Meilen nicht scheute, um seine Christenpflicht zu erfüllen, hatte den Pfarrer gebeten, ihm einen tüchtigen Knecht zu verschaffen. Der Pfarrer empfahl mich und stellte dem braven Farmer, der sein Weib verloren hatte und sich nicht zur zweiten Ehe entschliessen konnte, so dringend vor, wie nötig ihm eine Magd sei, dass er ganz gern auch mein Weib als Haushälterin nahm; und als er so weit war, da erklärte ihm der Pfarrer, die drei Buben müsse er obendrein nehmen – und so lange sprach er ihm zu und so innig verhiess er ihm die Seligkeit, welche die Barmherzigkeit erwartet, dass sich der gute Farmer endlich willig fand uns alle aufzunehmen. Wir zogen mit ihm in die Wildnis. Wäre meine Arbeitsscheu nicht mürbe geworden vom Hunger, hochwürdiger Herr, so hätte ich mich billig entsetzen dürfen vor der rauhen, schweren, mühseligen Arbeit, die mich erwartete. Hier war ich zu faul gewesen, um als Bauer meine Ackerwirtschaft zu bestellen, dass ich meine, ich hätte zuweilen Blut geschwitzt. Doch gleichviel! der Herr war gut und teilte alles mit uns, das rohe Obdach und die grobe Kost; wir konnten leben. Ein Stück Wald sollte in urbares Land verwandelt werden; da musste man alle Bäume und Sträuche nicht bloss fällen, sondern auch Wurzeln aus der Erde graben. Das war mein Geschäft; die Frau besorgte die Küche, die Milchwirtschaft und was es im haus zu tun gab. Die Buben gingen ihr und mir zur Hand, hüteten Pferde, Kühe und Hühner und halfen dem Herrn, der mit der Feldwirtschaft, der Jagd, dem in Stand halten seiner Gerätschaften vollauf zu tun hatte. Ein neues und grösseres Blockhaus wurde gebaut. Das alte war zu eng und ganz vermorscht; der Farmer hatte es bereits halb zerfallen vorgefunden. Als das neue fertig war, kam es uns vor wie ein Schloss so stattlich – und bestand doch nur aus Wänden von Baumstämmen mit Moos verstopft und aus dem natürlichen Estrich der Erde, nur festgestampft. Es war recht feucht, dies Schloss und wir liessen, als wir es bezogen, am ersten Tage das Feuer gar nicht in unserer kammer ausgehen. Es brannte in einer Art von Kamin auf einem niedrigen Herd von Lehm. Zu beiden Seiten des Kamins waren Schlafstätten bereitet: rohe Bretter lagen auf dem nackten Boden, ungegerbte Tierfelle bedeckten sie und darauf war eine dicke Streu von dürrem Laub gehäuft. Hier bei uns hat kein Taglöhner ein so elendes Lager. Nun, ich war froh, dass wir wenigstens dies hatten und ich streckte meine totmüden Glieder recht bequem zur Ruhe aus. In der Nacht fuhr ich halb und halb aus meinem bleiernen Schlafe auf. Mir war, als hätte ich dumpfes Geräusch vernommen und tiefes Seufzen. Was gibt's! rief ich schlaftrunken. Sei ruhig! ich bin bei den glimmenden Kohlen; antwortet mein Weib und ich schlafe wieder fest ein. Mit dem Tage erwache ich und was muss ich sehen, hochwürdiger Herr! schwarz im Gesicht, steif gestreckt, liegt mein Weib tot am Boden – und in der Asche des Herdes eine zusammengeringelte Schlange! Neben mir stand ein Holzklotz, auf dem wir