von selbst, dass ein guter Vater einer solchen Grille seine Zustimmung versagt."
"Die Mesalliance mit dem lieben Gott wäre allzu schreiend, nicht wahr?" fragte der Graf spitz.
"Solche Zustände liegen ausserhalb des Horizonts meiner Wissenschaft und meiner Erfahrung," antwortete der Doktor und empfahl sich. –
Der Graf ging zu seinen Töchtern. Corona knüpfte rosenfarbene Bandschleifen, die sie am Abend tragen wollte; Regina sass am Schreibtisch, als er eintrat.
"Schreibst Du Verse, Regina?" fragte er.
"Ich bringe nur ein paar Reime zusammen," entgegnete sie leicht errötend
"O Papa! sie ist eine Minnesängerin – aber der himmlischen Liebe!" rief Corona über ihre rosenfarbenen Bänder hinweg.
"Darf ich lesen?" fragte der Graf und blickte über Regina's Schulter.
Sie reichte ihm willig, aber verlegen, das Blatt und sagte entschuldigend:
"Verzeih, lieber Vater! es wird Dir wohl nicht gefallen und ist ja auch nur ganz armselig. Aber Du weisst: Solo Dios basta! darauf bezieht sich alles bei mir."
Der Graf las:
Die Lampe im Heiligtum.
Das ewige Licht
Ist die Flamme, die aus dem Herzen bricht.
Das ewige Licht
Ist die stimme, die still zum Geliebten spricht.
Das ewige Licht
Ist die Rose, die ihn bräutlich umflicht,
Das ewige Licht
Ist ein bezauberndes Liebesgedicht.
Das ewige Licht
Macht alle Lichter der Welt zunicht
Das ewige Licht
Ist die Seele betend vor Gottes Angesicht.
O ewiges Licht
Mir leuchte Dein Glanz, wenn mein Auge bricht.
"Wie monoton!" rief der Graf.
"Nicht wahr?" sagte sie freundlich.
"Regina," fuhr er fort, "hier sind ein paar Deiner Reimereien, die Corona, weil sie Dich für eine Minnesängerin hält, abgeschrieben und dem Doktor gegeben hat. Dieser stellte sie mir so eben zurück und bemerkte dabei, er könne Dich nicht eigentlich krank finden! nur müsstest Du Dich schonen."
"Das fühle ich auch, lieber Vater," entgegnete sie, "und deshalb erlaube mir, nach Windeck zu Onkel Levin zu gehen. Wenn Du dann in einigen Wochen kommst, werde' ich mich gewiss ganz erholt haben und Dir keine sorge mehr machen."
Was war zu tun? der Graf liess sie reisen.
"Wir müssen uns darauf vorbereiten, sie in's Kloster gehen zu lassen," sagte er zur Baronin und zu Corona. "Diese Trennung ist eine kleine Vorübung."
"Willst Du es wirklich erlauben, Papa!" rief Corona.
"Sie zwingt mich ja," sagte er unmutig. "Der Doktor, obzwar er auf ganz falscher Fährte war, riet mir doch, den Widerstand nicht auf's Äusserste zu treiben. Von Dir, Corona, hoffe ich auf Ersatz für alle Sorgen, die ich um Deine Schwester habe."
"Und sie ist doch tausend Mal besser als ich!" rief Corona, zärtlich an ihren Vater sich schmiegend.
Mit froher Überraschung, doch nicht ganz ohne Besorgnis, empfing Onkel Levin die Tochter seiner Seele, seine geliebte Regina. Seit ihrer Rückkehr aus England hatte er eine leise Verstörung in dem Gleichmut ihres inneren Lebens wahrgenommen. Er kannte aber ihre schweigende Art und mochte nicht fragen, bevor sie nicht Veranlassung dazu gab. Wie der Pflanzenleim seine Zeit braucht, ehe er das Erdreich durchbricht, so will auch das Wort seine Zeit haben, bis es sich vertrauend ausspricht. Als Regina den lieben Onkel Levin wiedersah, und wieder in der trauten Kapelle vor dem Allerheiligsten auf den Knien lag, und wieder ihr stilles Zimmer betrat, das in schlichter Einfachheit einer Zelle glich und eher einem Kloster als einem gräflichen Schloss zu gehören schien – da drängte sich all' ihr Weh über ihr Herz hinaus, und sie ging raschen Schrittes zum Onkel, nachdem sie am ersten Morgen seiner Messe beigewohnt hatte.
"Ich erwartete Dich," sagte er liebreich zuvorkommend, "denn Du sahst verweint aus. Was betrübt Dich, Kind? Sprich'! der liebe Gott wandelt auch unsere bittersten Tränen in Gnadentau um."
Er blickte sie an mit seinen seelenvollen verklärten Augen, die über seinem edlen, blassen, vielfach durchschmerzten und tief gefriedetem Antlitz strahlten, wie stille Sterne über einer Winterlandschaft. In einem Strahl der Morgensonne ruhte sein Haupt mit den Silberlocken. Er sah aus wie jemand, der heimisch ist in einer besseren Welt. Regina sank zu seinen Füssen nieder und bedeckte seine hände mit Tränen und Küssen. Er liess sie gewähren und betete still für sie. Endlich erhob sie sich und sagte mühsam gefasst:
"Ich bin abgefallen von meiner ersten Liebe."
"Das glaube' ich nicht!" erwiderte Levin freundlich.
"Ich bin es! mein Herz geht nicht mehr geradesweges zu Gott; meine Gedanken wenden sich nicht mehr ungeteilt dem höchsten Gut zu; meine Liebe strebt nicht mehr einzig und allein zur ewigen Liebe. Ein Mensch ist mir in den Weg getreten und sucht mein Herz an sich zu reissen; und dies törichte Herz neigt sich ihm zu – und nur mit meinem Willen hefte ich es an das Kreuz meines Gottes. So sieht es mit mir."
"Nun, bestes Kind, dann steht es ja sehr gut mit Dir. Deine Liebe ist aus der Region des Gefühls in die des Willens übergegangen. Die blosse Neigung hört auf und die Tugend beginnt. Aus der natürlichen