sehr, dass die frische Blüte ihrer Gesundheit davon angehaucht wurde. Sie suchte es zu verbergen; je bleicher sie wurde, um desto freundlicher lächelte sie, und dass sie sichtlich abmagere, schob sie den durchtanzten Nächten zu. Aber Corona hörte sie zuweilen in stillen Nächten beten und weinen und sagte es der Tante Isabelle mit dem Zusatz:
"Sie vergeht vor sehnsucht nach dem Kloster."
Und die Tante sagte es dem Grafen und bat ihn, einen Arzt zu Rat zu ziehen, ob der Gram nicht wirklich Regina's Gesundheit zernage. Der Graf hatte seinerseits nicht ohne Sorgen Regina's Zustand wahrgenommen, aber sich, nach Art der Egoisten, darüber zu täuschen versucht, indem er alles für bare Münze nehmen wollte, was sie von den Anstrengungen des Faschings vorschob. Nun aber brach er gegen die Baronin aus:
"Beste Isabelle! bin ich nicht ein beklagenswerter Vater! Alles tue ich für meine Kinder – alles! In die schottische Romantik begebe ich mich mit ihnen und in die Faschingslustbarkeiten – und was ist mein Lohn? Regina vergrämt sich in wahrhaft stupider sehnsucht nach dumpfen Klostermauern, und Uriel – statt herzukommen und frischweg Corona zu heiraten, sitzt auf Stamberg und bebrütet Gott weiss was für Pläne. Ehe er sich aber nicht entschieden hat, kann ich doch unmöglich Regina ziehen lassen. Das wäre zu früh, da ich ihr eine zehnjährige Frist gestellt habe. Das hiesse meinem Ansehen als Vater etwas vergeben. Liesse ich mir meine Einwilligung von ihr abtrotzen – wer weiss, was der Kleinen einfiele."
"Davon reden wir ja nicht," entgegnete die Baronin, ängstlich wie immer. "Lassen Sie nur einen Arzt für Regina rufen. Es wäre doch besser, sie ihrem Klosterberuf folgen – als sie sterben zu sehen."
"Sterben! meine prächtige Regina sterben!" rief der Graf aufgeregt; "das darf nicht sein. Es soll auf der Stelle ein Arzt gerufen werden."
Er ging in das Zimmer seiner Töchter. Beide sassen am Flügel und spielten vierhändig Beetovens Symphonie aus C moll. Sie wollten ihr Spiel unterbrechen, als er eintrat; aber er hiess sie fortfahren und setzte sich ihnen gegenüber, um sie zu beobachten und zu vergleichen. Corona's Gesichtchen glühte von Eifer und Aufmerksamkeit; sie spielte die erste Partie, und ihre hellrosigen Wangen, ihre leicht geöffneten Lippen, der feste blick, womit sie auf ihre Noten sah, verrieten, wie vertieft sie in ihrer Aufgabe war. Regina spielte mit viel grösserer Leichtigkeit, gab gewandt hie und da der Schwester nach, schlug die Notenblätter um, verriet gar keine Anstrengung; warum brannte denn aber ein so scharfes abgezirkeltes Rot auf ihren Wangen? und warum hatten ihre Augen solchen auffallenden Glanz? Sie wird doch nicht hektisch sein! murmelte der Graf beängstigt. Nach dem Schlussakkord rief er:
"Bravo, Kinder! Corona muss sich noch tüchtig üben, Du aber, Regina, solltest Dich nicht anstrengen; Du siehst leidend aus – und zwar so sehr und so lange schon, dass wir denn doch einen Doktor konsultieren wollen."
"Du bist so gut, lieber Vater; aber weshalb der Doktor?" sagte Regina und küsste zärtlich des Vaters Hand.
"Weshalb? wunderliche Frage! weil ich nicht will, dass Du dahinsiechen und sterben sollst."
"O mein lieber Vater, sei ganz ruhig! ich glaube nicht, dass mich jetzt schon der liebe Gott in die Ewigkeit ruft," sagte Regina mit sanfter Wehmut.
"Du wärst im stand, das zu bedauern!" rief der Graf fast zornig, weil er sich von ihrer Sanftmut gerührt fühlte. "Aber daraus wird nichts – das sage ich Dir! lieber lasse ich Dich in's Kloster gehen. Gestehe mir aufrichtig: bist Du krank vor sehnsucht nach Deinen Karmelitessen?"
Regina legte die Hand flüchtig über ihre Augen; dann sah sie ihren Vater mit zärtlichster Dankbarkeit an und sagte fest:
"Nein, mein lieber Vater."
"Nein? – Du sagst Nein, Regina! Hättest Du Ja gesagt, so würde ich Dir antworten: Geh in's Kloster."
"Ich kann keine Unwahrheit sagen, lieber Vater."
"Aber Du bist doch leidend, Regina?"
"Ich leide wohl etwas; nur kann kein Arzt mir helfen."
"Das wollen wir erst erleben!" sagte der Graf.
Der Arzt kam, fragte, fühlte den Puls, tat, was seines Amtes ist, sprach von Aufregung der Nerven und erklärte endlich, er müsse die Gräfin mindestens acht Tage beobachten, bevor er sich aussprechen könne. Man fand das ganz in der Ordnung. Er kam täglich, bald zu der einen Stunde, bald zu der anderen. Er beobachtete Regina und unterhielt sich mit ihr. Er liess sich von der Baronin und von Corona deren Bemerkungen unter vier Augen mitteilen. Endlich erschien er bei dem Grafen und sagte nicht ohne Verlegenheit, er sei etwas betroffen über seine Entdeckung und der Graf möge es nicht übel nehmen, wenn eine unangenehme Sache zur Sprache komme; aber nach Pflicht und Gewissen könne er nicht anders. Der Graf starrte verblüfft den Doktor an und rief endlich ungeduldig:
"Nur heraus mit der Sprache! ist sie hektisch?"
"Nicht im geringsten!" erwiderte mitleidig lächelnd der Doktor. "Es ist allerdings eine gewisse Spannung des Nerven- und Erregung des Blutsystems bei Ihrer Gräfin Tochter wahrzunehmen