unsereiner – oder doch ungefähr so! und dabei die Klostergrillen festzuhalten?"
Der Graf tat ein paar tiefe Züge aus der Zigarre und sah gedankenvoll die kleinen bläulichen Rauchwolken an, die geschlängelt seinen Lippen entquollen und in der Luft zerflossen.
"Hör', mein Junge," sagte er nach einiger Zeit, "nimm D u Vernunft und guten Rat an, gib D u Deine Grille auf, lass Regina fahren und heirate Corona; dann ist uns allen geholfen. Dann wird Corona die Erbtochter, Du wirst mein Schwiegersohn, und wenn Regina es denn durchaus nicht anders will, so gehe sie in's Kloster. Seitdem die Kleine herangewachsen und – wie alle Welt sagt! – bildhübsch geworden ist, flog mir schon öfter dies glückliche Auskunftsmittel durch den Kopf; allein ich hoffte immer noch, dass sich Regina besinnen werde – namentlich hier, wo es ihr so recht anschaulich werden müsste, welch' ein glückliches Leben mit Dir ihrer harrt. Ist sie aber eigensinnig, so sei Du es nicht! Du ziehst vielleicht mit Corona ein glücklicheres Los. Was sagst Du zu meinem Vorschlag?"
"Dass ich die Königin liebe und nicht die Krone!"
"Ach, mein Junge, sei nicht romanesk! Tausend Männer würden sich glücklich schätzen, wenn ihnen ein solcher Antrag gemacht würde!"
"Und auch ich könnte es sein, wenn ich nicht Regina liebte."
"Nun, so vergiss Regina, denke nicht an sie, beschäftige Dich nicht mit ihr: dann dauert es nicht lange und schau! Du liebst sie nicht mehr. Und dann dauert es wieder nicht lange und schau! Du liebst Corona. Diese kleinen wunderniedlichen Persönchen haben einen eigenen Reiz, womit sie sich in die Herzen stehlen – wenn man nur nicht wie ein Bramarbas das Herz gegen sie panzert. Leg' ab Deine Rüstung, lass es getroffen werden von dem Liebespfeil des kleinen Gottes Amor ..."
"Lieber Onkel, es ist ja bereits durch und durch getroffen!" unterbrach Uriel traurig lächelnd.
"Überlass doch den Eigensinn dem schönen Geschlecht!" rief der Graf. "Gott weiss, wie gern ich Regina als Deine Frau gesehen hätte! aber wir werden doch beide wahrhaftig nicht so töricht sein, uns durch sie unsere Zukunftspläne stören zu lassen? Bisher hoffte ich sicher auf Regina's Bekehrung zum Ehestande, und ich habe in diesen vier Jahren alles getan, wodurch ich hoffen konnte, sie für die Welt zu gewinnen. Umsonst! Nun wohlan, so müssen wir die Sache anders anfangen. Ich bin jetzt runde fünfzig Jahre alt. Niemand sieht mir's an, nicht wahr? .... aber Anno Eins geboren, macht fünfzig Jahre wohlgezählt. Es verlangt mich, junge Sprossen an meinem Stamm zu sehen, Windecker Nachkommenschaft. Habe drei Söhne und zwei Töchter, und noch immer keine Aussicht dazu! Das ist verdriesslich und muss aufhören. Nicht umsonst hat es sich so fügen müssen, dass Du Herr auf Stamberg wurdest und so früh eine glänzende selbständige Stellung bekamst. Es ist augenscheinlich der Wille Gottes – um mit Regina zu sprechen! – dass Du Dich als der Stammhalter der Windecker gerierst, und da das törichte Mädchen davon nichts wissen will, so wollen denn auch wir sie nicht weiter bitten und uns Corona erwählen. Was sagst Du dazu?"
Uriel war so tief in seine eigenen Gedanken versunken, dass er des Grafen Betrachtungen gar nicht gehört hatte. Jetzt weckte ihn dessen Frage und er rief:
"Ja! Corona!"
"Also Du willigst ein?" fragte der Graf erfreut. "Bravissimo! – Bei der Kleinen machen wir die Sache kürzer und vernünftniger. Sie wird weiter nicht gefragt, sondern ich kündige ihr an, sie sei Uriels glückliche Braut und in vier Wochen seine Frau; – nicht wahr?"
Uriel rief lebhaft: "Meine Frau? Corona? .... lieber Onkel, ich muss Zeit haben und mich besinnen. Vorderhand kann von dem allen gar keine Rede sein; aber sei fest überzeugt, dass ich alles tun werde, was Deinen Wünschen entspricht. – Bist Du mit den Zigarren zufrieden?"
"Mehr als mit Euch allen zusammen!" murrte der Graf kopfschüttelnd. "Welche Nöten steht man doch mit seinen Kindern aus! Wahrhaftig, ich sehe nicht ein, weshalb ich mit meinen miserablen Erfahrungen sie noch durch Enkel zu vervollständigen wünsche! aber das ist die Verpflichtung, welche der alte Name und das Ansehen der Familie aufbürdet. Wäre man von gestern, ohne Ahnen und ohne Erbgut, so würde man kein besonderes Verlangen nach Enkeln haben." –
Es vergingen noch einige Tage recht angenehm, denn Regina war wieder ganz in ihrer unbefangenen Haltung und Uriel beherrschte sich meisterhaft. Nur als der Graf von der nahen Abreise sprach, zuckte ein grässlicher Schmerz, wie ein Todesstich durch Uriels Herz, weil er wusste – Regina kommt nicht wieder her. Jetzt ist sie noch hier, noch einen Tag, noch ein paar Stunden, noch einige Augenblicke; dann ist's aus und vorbei! sie kommt nicht wieder.
Am letzten Morgen, als sich alle zur Abreise rüsteten, ging Regina schon reisefertig auf den grossen Balkon und blickte auf das wogende Nebelmeer, welches die Landschaft bedeckte, Himmel und Erde mit farblosem Grau verhüllte und einzelne kalte Tropfen, wie schwere Tränen, fallen liess. Es war so recht ein trüber Herbstmorgen, dem zuweilen