die kühle Frühe?" fragte er.
"O Hyazint!" rief sie, "unser Gott und Heiland senkt sich vom Himmel auf den Altar – und mir sollte der Weg zu weit sein von Stamberg zum Altar?"
"Ich fragte auch nur! ich glaubte es nicht," entgegnete Hyazint einfach.
Am anderen Morgen, als das ganze Schloss noch in Morgenträumen lag, gingen sie still von dannen.
"So!" sagte Regina froh, "jetzt wollen wir denken, wir zögen mit den heiligen drei Königen nach Betlehem zum Jesukindchen! Gold und Weihrauch haben wir Armen nicht darzubringen; aber desto mehr Myrrhen, die schönen heiligen Myrrhen der Abtötung."
"Oder wir gehen mit den Jüngern und den heiligen Frauen zum grab des Herrn, trauernd um die Sünde, die ihn dort in seinem Blut gebettet hat," sagte Hyacint.
"Und mit den zwei Jüngern können wir gegen Emaus wandern," nahm Regina das Wort; "o möchten wir dem Herrn begegnen und möchten wir mit liebentbranntem Herzen zu ihm sagen: bleibe bei uns, denn es will Abend werden! – – d e r Abend, Hyazint, der eine gottentfremdete Finsternis ist, die jeden bedroht, der nicht mit Gott und seiner Gnade wandelt."
"Und all' dieser süssen und göttlichen Mysterien, von der Menschwerdung, vom bittern Leiden und Sterben, von der Auferstehung, vom geheimnisvollen und wesenhaften Verbleiben bei den Seinen – feiern wir in heiliger Messe!" rief Hyazint, "und ich Glückseliger werde nun bald, trotz all' meiner Unwürdigkeit, die himmlische Vollmacht erhalten, diese überirdische Feier zu begehen und mich ausschliesslich dem Dienste des göttlichen Heilandes zu widmen. O Regina, welch' ein Beruf für den staubgeborenen Menschen! kein Engel hat einen höheren! Dem Wort des Geschöpfes gehorcht der Schöpfer und zum mystischen Kalvarienberg des Altars kommt das Lamm Gottes. Ecce! venit! ruft staunend der Prophet Malachias. 'Siehe, Er kommt.'"
"Wie freue ich mich zu Deiner Primiz im nächsten Frühling, Hyazint! zuerst für Dich und dann für mich; denn da muss mir Deine Bitte die Zelle des Karmels öffnen."
"Und wenn Du dann heimisch bist auf dem stillen Karmel, als die Taube in Felsenklüften des Hohen Liedes, dann zähle wiederum ich auf Dein Gebet, Regina; denn alsdann bist Du geborgen vor dem Nebelanhauch der Welt und ich muss in ihr leben, ohne mich von ihr berühren zu lassen." –
In solchen Gedanken waren ihre Seelen zu haus und in traulichem Gespräch oder in sinnender Stille wanderten sie unbedrückt durch die Schwere eines erdwärts gesenkten Sinnes, wie selige Geister zu ihrem Ziel. Regina empfing die heiligen Sakramente und so wurde es so spät, dass die Stunde des gemeinschaftlichen Frühstücks vorüber war, als sie mit Hyazint zurückkehrte. Uriel kam ihnen schon am äussern Schlosstore entgegen und sagte bittend:
"O Regina, ich hätte Dich ja so gern zur Messe fahren lassen! Jetzt ist der Papa ungehalten über Deine Promenade in Nacht und Nebel – wie er sagt."
"Sei ruhig, lieber Uriel, er wäre es auch über die frühe Fahrt gewesen; Du kennst ihn ja!" versetzte Regina lächelnd. "Ich aber wollte es mir heute nicht nehmen lassen, den Tag der heiligen Terese zu feiern und vor dem heiligsten Sakrament mein Gelübde zu erneuern – Solo Dios basta."
Uriel wurde leichenblass. Regina sagte:
"Komm' ein wenig in den Park" – und schlug aus dem Hof den Weg dahin ein, während sie Hyazint zuwinkte, ins Schloss zu gehen, was dieser sehr gern tat und heimlich seinem Gotte dankte, dass er kein solches Gespräch zu führen und zu hören habe, wie jetzt Regina. Sie ging schweigend durch eine Kastanienallee zu einem freien, sonnigen Platz auf einem Hügelvorsprung, wo unter einer herrlichen alten Eiche Gartenstühle um einen Tisch standen; ein allgemeiner Lieblingsplatz wegen seiner schönen Aussicht. Da setzte sie sich nieder und Uriel setzte sich schweigend zu ihr.
"Lieber Uriel," hub sie mit fast zitternder stimme an, "es tut mir unaussprechlich leid, dass ich hier bin; aber Du weisst, dass der Vater seinen gang geht."
"Ich weiss, dass Du mir keinerlei Freude gönnst," entgegnete er finster.
"Du irrst, lieber Uriel! Stände es in meiner Macht, Dir Glück und Freude zu bereiten, es sollte Dir nicht fehlen."
"Wozu die leeren Versicherungen, da Du ja sehr gut weisst, dass es in Deiner Macht steht, und nur in ihr, mich glücklich zu machen."
"Du vergisst, dass ich gebunden bin."
"Das Band ist zu lösen!"
"Dass mein Herz gebunden ist und bleibt, Uriel, wenn mein Gelübde auch tausend Mal gelöst würde."
Er machte eine ungeduldige Bewegung und rief:
"Genug und übergenug! ich warte!"
"Und was ist Deine Absicht dabei?"
"Du sollst nicht glücklich sein ohne mich, so lange ich es hindern kann!" rief er heftig.
"Ist das edel gedacht, Uriel? O verleumde Dich nicht! Nein, Deine Absicht ist nur, Deine Hoffnung auf eine unmögliche Erfüllung zu nähren. Du hoffst mich treulos zu sehen, damit ich Dir Treue versprechen könne. Schlechte Bürgschaft für Dein Glück! Möchtest Du eine Frau, die zehn Jahre geschwankt hätte in ihrer Wahl zwischen Dir und