dem Wagen hier sein soll, falls du nicht das ganze Concert anhören magst," jagte der junge Mann, "und wir fahren dann, wenn es dir recht ist, noch einen Augenblick zum alten Smit. Seit er nur noch dem Namen nach in der Firma existirt und ich als arbeitendes Glied mit eingetreten bin, kann er kaum leben, wenn er nicht täglich von dem, was vorgeht, wenigstens etwas erfährt und darüber schwatzen kann."
"Ich gehe gern mit, August," erwiderte die junge Frau; "die Familie ist gewissermassen für uns die Tür in die gute Gesellschaft New-Yorks gewesen, und ich habe schon eine ganze Anzahl angenehmer Bekanntschaften dort gemacht."
"Dort unten sitzt auch Meier mit der Muhme Rebecke!" wandte sich jetzt der Knabe von der Brüstung zurück.
Helmstedt nickte freundlich.
"Ich habe lange nichts von ihm gehört," sagte er, "weisst du, mit was er sich jetzt beschäftigt?"
"Kann's nicht recht sagen, Sir," erwiderte der Gefragte; "er treibt sich in Wallstreet unter den Geldwechslern herum, und Muhme Rebecke sagte, sie wünsche nur, dass es mit seinem Hochmut kein böses Ende nehme."
In diesem Augenblick öffnete sich, ein Stück von dem jungen Paare entfernt, eine Logentür und beide sahen mechanisch hin. Hart an der Brüstung setzte sich eine bildhübsche, junge Frau nieder, an deren Seite ein junger Elegant mit einem gewissen Selbstbewusstsein Platz nahm.
"Mr. und Mrs. Nelson!" sagte Helmstedt überrascht, "ich wusste nicht, dass sie schon verheiratet sind, wie es scheint."
Pauline war einen Schatten blässer geworden.
"Was meinst du, Pauly," wandte sich Helmstedt mit einem launigen Lächeln an sie, "wäre es nicht artig, wenn ich sie als gewesene Landsleute begrüsste?"
"August, wenn du gehen würdest –" rief sie, mit einem Ausdruck von halbem Bangen zu ihm aufsehend.
"O, du misstrauisches Kind!" sagte er mit einem leisen, innigen lachen an ihre Seite rückend und ihre Hand ergreifend, – "denkst du denn wirklich, den bitter Getäuschten gelüstet es danach?"
Sie sah mit einem zärtlichen Lächeln zu ihm auf.
"Sieh, August!" erwiderte sie, seine Hand fest drückend, "wer erst durch Schmerzen und Kämpfe sich hat ein Gut erringen müssen, der fürchtet immer, wieder etwas davon zu verlieren, und sei es auch nur den kleinsten teil!"
Aus dem Orchester liess sich das klopfen des Dirigentenstabes hören, Stille verbreitete sich über die versammelte Menge und in mächtigen Akkorden nahm die Ouvertüre ihren Anfang.
Ende.