seine Pflicht tat, und oft selbst die Runde durch die Hütten machte, um sich von dem Zustande der Dinge zu überzeugen. Noch war keine Peitsche in Charlei's Hand gesehen worden – über die Feldeinzäunung geflogen und vom Abendessen ausgeschlossen waren freilich schon mehrere, und fast hatte es geschienen, als tue das tolle Gelächter, das bei einer solchen gelegenheit unter den Schwarzen ausbrach, dem Beteiligten weher als alle früheren Peitschenhiebe.
"Ja, was soll es werden?" hatte bei einem gemeinschaftlichen Ritte Doctor Ford zu Helmstedt gesagt; "das Frauerjahr für unser Kind ist bald um, und Sie scheinen mir auf etwas Anderes loszustudiren, als hier bei uns Baumwolle zu pflanzen."
"Ja, was soll es werden, wissen Sie einen Rat für uns, Doctor? Pauline und ich sind Tannenbäume, die, wenn sie hierher versetzt werden, unter dem milden Himmel und in dem reichen Boden wohl leben, aber niemals sich recht entwickeln können."
"Ich habe das gewusst und mich schon eine Zeitlang damit herumgeschlagen," hatte der Doctor erwidert. "Für den Verkauf eines so wertvollen Tigentums muss ruhig die Zeit abgewartet werden, und es zu zerreissen, wäre so jammerschade, dass ich glaube, der alte Morton würde sich darüber im grab umkehren. Eine sichere Verpachtung wird das Vorteilhafteste für Sie sein, und Ihnen mehr einbringen, als vielleicht die eigene Bewirtschaftung. Ich will, damit Sie eine Sicherheit haben, die ganze geschichte auf mich nehmen. Ich will Ihnen gestehen, dass ich einen jungen Menschen in der Welt herumlaufen habe, dem ich wahrscheinlich einmal meine paar Kapitalien vermache, und hier ist eine gelegenheit für ihn, sich schon vorher auf die Beine zu bringen; ich denke gerade noch lange genug zu leben, um ihm, wenn er brav ist, einen sichern Boden unter die Füsse zu schaffen. Sprechen Sie mit dem kind, meine Garantie für das Pachtgeld wird ihr genügen, und dann ordnet die Sache für meinen Jungen so gut als Ihr könnt."
Es war ein schweres Stück Arbeit für Helmstedt gewesen, den Auftrag des Doctors auszuführen – es war das erste Mal, dass er der jungen witwe gegenüber deren Vermögensverhältnisse berühren sollte. Aber schon bei seinem ersten Worte gegen sie, das wohl mehr gezwungen gesprochen worden war, als dass er es hätte verbergen können, war sie aufgesprungen.
"Jetzt kommt es, ich habe es lange ängstlich erwartet!" hatte sie gerufen. "Sage mir, August, wenn ich deine Frau werden soll, musst du mich nicht hinnehmen, mit allem Bösen und Guten, was an mir ist? Weisst du nicht, dass wenn jetzt noch dem Stolz grösser sein würde, als deine Liebe zu mir, ich sterben müsste? Rede nicht ein einziges Wort zu mir über Alles, was doch nun einmal so ist und was ich nicht mehr ändern kann; verfüge darüber, verschenke, verkaufe, tue was du willst, aber lass mich nie wieder ein Gesicht sehen wie jetzt, das mich an den unglücklichsten Tag meines ganzen Lebens mahnt."
Es war ein Ausdruck von unendlicher Liebe, der sich in diesen letzten Worten aussprach, – Helmstedt kannte den Tag, den sie meinte, den Tag, an welchem er in New-York ihr volles Herz in falschem Stolz von sich gewiesen, den Tag, an welchem sie nach langem Seelenkampfe sich entschlossen hatte, den alten Pflanzer zu heiraten – und Helmstedt hatte keine Einwendung mehr zu machen gehabt, hatte sie in seine arme genommen und, sie küssend, gesagt:
"Ich will dein Verwalter sein, Pauline, und also kein Wort mehr darüber."
Einen monat darauf hatte die stille Trauungsfeier zwischen ihnen stattgefunden, die beiden Farmen waren an den Doctor übergeben worden und das junge Paar trat in Begleitung von Cäsar und Mary die Uebersiedelungsreise nach New-York an.
"Es ist doch eigentlich sonderbar," sagte der Schwarze, welcher das Gepäck auf den Wagen lud, um es nach dem Landungsplatze der Dampfboote zu bringen, zu der helfenden Mulattin; "als sich Master Helmstedt verheiratete, tat ich's auch; als ihm seine Frau fortlief, ging meine auch mit davon – jetzt hat er sich neu verheiratet und ich auch – meinst du, dass die Sachen jetzt halten werden?"
"Wenn du gescheid bist, ja!" erwiderte die Mulattin, und gab ihm davonspringend einen Schlag auf den Kopf, "sonst aber kümmere ich mich nicht darum, was die herrschaft tut und gehe meinen eigenen Weg."
Cäsar sah ihr mit einem fröhlichen Grinsen nach
"Ich denke, es wird halten, bei mir wie beim Master!" sagte er dann kopfnickend und fuhr in seiner Arbeit fort.
Henry Herz hatte seine Concerte in New-York angekündigt und der Teatersaal, in dem er sich hören liess, war schon fast eine Stunde vor dem Beginn mit der fashionablen Welt gefüllt. Besonders war die südliche Aristokratie vertreten, welche fast sämmtlich von ihrem Sommeraufentalt in den Bädern des Ostens nach New-York gekommen war, um den grossen Pianisten zu hören.
In einer Loge des ersten Ranges sass noch allein ein junges elegantes Paar, das gegen eitig einzelne Bemerkungen über die Personen und Gegenstände, welche sich dem Auge darboten, austauschte, während an der Brüstung ein halberwachsener Knabe lehnte und mit unverhohlener Bewunderung seine grossen schwarzen Augen über die Pracht um sich her laufen liess.
"Ich habe Cäsar gesagt, dass er bei zeiten mit