1859_Rupius_161_96.txt

," erwiderte Helmstedt, sich lächelnd verbeugend; "so haben Sie jetzt wenigstens die Güte, mich Mrs. Meier zu melden, mit welcher ich eigentlich nur zu tun habe."

"Mrs. Meier ist jetzt nicht zu sprechen, Sir!" versetzte der gewesene Pfandleiher eifrig; "was Sie mit ihr zu reden haben, können Sie eben so gut mir sagen."

"Es tut mir leid, dass Sie mir meinen Zweck so schwer machen," sagte Helmstedt ruhig; "ich wollte ihr auf glimpflichere Weise, als Sie es vielleicht tun könnten, beibringen, dass nicht allein die ganze Angelegenheit auf einem Betruge beruht, sondern dass auch eine schändliche Komödie mit Ihnen Allen und Ihrem kleinen Vetter Manuel gespielt worden ist."

"Wie so, Sir?" unterbrach ihn Meier mit grossen Augen, als Helmstedt eine kurze Pause machte.

"Well, Sir, Ihnen gegenüber kann ich ohne Umschweife reden," fuhr der Letztere fort. "Manuel Goldstein ist unsichtbar gemacht worden, damit, so viel ich in der Sache erkennen kann, eine andere Partei sich in den Besitz des erwähnten Titels hat setzen können. Die Leiche, welche nach Ihrem haus gebracht wurde, hatte wohl Manuels Kleider an, war aber eben so wenig die seinige wie die Ihrigesie war nichts als ein vom Kirchhofe gestohlener ähnlicher Todter, und Manuel Goldstein ist heute noch so frisch und gesund als wir Beide."

Meier sah ihn, ohne eine Antwort zu geben, mit weit aufgerissenen Augen an. "Dasdas lügen Sie, Sir!" brach er endlich aus; "das soll sicher erst der Betrug werden, von dem Sie redeten!"

In diesem Augenblicke öffnete sich die Parlortür; eine Dame, einfach in schwarze Seide gekleidet, trat mit verstörtem Gesicht ein und ging, ohne Helmstedt zu beachten, auf Meier los. "Abraham, komm' her, Abraham, ich glaube, ich bin wahnsinnig!" sagte sie mit aufgeregter stimme, und führte ihn nach dem Fenster, "Abraham, wer sitzt dort unten?"

Helmstedt, ahnend was vorging, war an das zweite Fenster getreten und erblickte Manuel, dem es wahrscheinlich auf der ihm angewiesenen Bank in der Sonnenhitze zu heiss geworden war und der sich jetzt von einer schattigeren Stelle aus das Haus betrachtete.

"Es ist Betrug, Betrug, sage ich!" rief Meier, auf das Fensterbret schlagend, als er einen blick auf die Strasse geworfen; "sie wollen uns wieder um die Erbschaft bringen, es ist ein Complot!"

"Ist das der Manuel, der dort sitzt, oder ist er es nicht, Abraham?" fragte die Frau, wie erschöpft vor innerer Bewegung.

"Fassen Sie sich, Ma'am!" sagte Helmstedt, herzutretend, "und wenn Sie den Manuel wirklich so lieb haben, wie er sagt, so freuen Sie sich, dass Sie nur betrogen und er nicht todtgeschlagen worden ist."

Frau Meier wandte sich nach Helmstedt um, als bemerke sie ihn erst jetzt. "Ist er's denn?!" rief sie plötzlich und riss im gleichen Augenblicke das Fenster auf. "Manuel, Manuel!" tönte ihre stimme über die Strasse. Der Knabe stand auf und blickte um sich. Kaum aber hatte sein Auge die Gestalt in dem offenen Fenster getroffen, als er mit zwei Sprüngen an der Eingangstreppe war und hinauf eilte. Fast im gleichen Momente hatte die Frau, aus dem Parlor stürzend, die Haustur geöffnet und brach hier in die Knie, als der Knabe mit dem Ausrufe: "Rebecke, Rebecke!" an ihren Hals flog. Helmstedt war nachgeeilt und führte Beide nach dem Parlor zurück, wo ihnen Meier mit erdfahlem gesicht entgegenstarrte. "Regen Sie sich nicht zu stark auf, Ma'am," sagte der junge Mann; "nehmen Sie Ihren Vetter mit in ein stilles Zimmer und sprechen Sie sich mit ihm aus, das wird Ihnen am schnellsten die Fassung wieder geben; ich rede unterdessen mit Mr. Meier."

"Ich will, Sir, ich will!" entgegnete sie schluchzend und führte den Knaben, ihn umschlingend, mit sich fort.

"Well, Sir, was wollen Sie von mir? Die Erbschaft wollen Sie haben, das ist Alles, deshalb sind Sie gekommen und wegen weiter nichts!" begann Meier, als sich die Tür geschlossen hatte. "Aber ich werde erst sehen, was Sie für ein Recht haben, für den Manuel aufzutreten, wenn er es wirklich ist, und ob ich nicht eben so gut ein Recht habe, sein Vermögen zu verwalten, als irgend ein Anderer, der hierher kommt, man weiss nicht woher und weiss nicht wer er ist!"

"Das wird sich Alles finden, Mr. Meier," erwiderte Helmstedt lächelnd; "es sollte mich freuen, wenn ein Arrangement gemacht werden könnte, welches Ihnen eine unangenehme Veränderung Ihrer jetzigen Stellung ersparte; jedenfalls muss aber der verstorbene Isaak Hirsch seine Gründe gehabt haben, warum er Ihnen die Vormundschaft nicht übertragen hat. Ich habe das Interesse meines Mündels in die hände der Herren Smit und Johnson, ausnehmend rechtliche Advocaten, welche Sie kennen müssen, gelegt, und ihnen auch den Hauptzeugen, welcher nötigenfalls den ganzen gespielten Betrug offen legen wird, zur Disposition gestellt, und so ist kein Grund vorhanden, Sir, dass wir uns jetzt persönlich irgend ein unangenehmes Wort