1859_Rupius_161_95.txt

alle Hoffnungen und alle stillen Pläne, die sich an seine einzige Tochter knüpften, durchkreuzt fand und so unter dem Einfluss eines stets gereizten Gemüts handelte. Sie haben mit diesen Zeilen nicht nur jede sorge von mir genommen, sondern mich auch gezwungen, Sie wieder so hoch zu achten, wie ich es nur jemals früher vermocht habe. Wenn es Ihnen irgend eine Befriedigung gewähren kann, so will ich Ihnen sagen, dass Ellen, die stets Ihre Partie gegen mich genommen, mir eine ähnliche Scene wie die jetzige erst noch gestern vorausgesagt hat. Kann ich jetzt etwas für Sie tun," fuhr er fort, die Hand des jungen Mannes drückend, "möchte es auch selbst mit einem Opfer meinerseits verbunden sein, so sagen Sie es und es wird mir zu einer wohltuenden Genugtuung gereichen, Ihnen das, was in der letzten Zeit geschehen ist, vergessen zu machen!"

"Ich danke Ihnen von Herzen," erwiderte Helmstedt mit befriedigtem Lächeln; "ich wollte nichts von Ihnen hören, als dass Sie mir Unrecht getan, und damit bin ich so zufrieden, als Sie es im Augenblick nur selbst sein können. Lassen Sie uns jetzt damit scheiden, Sir, und wenn ich mit Ihrem Advocaten morgen die nötigen Schritte zur Ordnung meines Verhältnisses mit Ellen getan haben werde, so lassen Sie uns Alles begraben und vergessen, was Unangenehmes zwischen uns vorgefallen sein mag. Bringen Sie Ellen meinen freundlichen Gruss, Sir, und leben Sie wohl."

Er drückte Elliots Hand leicht und ging, von diesem begleitet, nach der Tür. Der Pflanzer sah durch das Fenster ihn in den Sattel steigen und schüttelte den Kopf wie vor einem ungelösten Rätsel. Helmstedt aber liess seinem Pferde die Zügel und sprengte Mortons haus zu.

Es war acht Tage später, als von Chatam-Street in New-York ein junger Mann mit einem halb erwachsenen Knaben an der Hand nach Pearl-Street einbog. "Was meinst du wohl, Manuel, was sie sagen werden, wenn sie dich wieder sehen?" fragte der Erstere.

"Ich bin bange, Sir, Muhme Rebecke bekommt einen Schrecken, der ihr schaden kann. Wir haben lange mit einander gelebt, auch in zeiten der Not, und sie hat doch für mich gesorgt und mich lieb gehabt wie ihr eigenes Kind; das war, ehe der alte Issak Hirsch etwas für mich tun konnte und der Meier die Rebecke heiratete. Ich möchte nicht, dass sie mich so unerwartet wieder sieht. Machte dochschon Mr. Johnson ein paar Augen, als säheer ein Gespenst, als Sie mich auf ihn zuführten, und ich glaube, es ist besser, wenn Sie erst in das Haus gehen und mich dann rufen."

Der junge Mann nickte, und nach einem kurzen Wege hatten sie das Haus des Pfandleihers Meier erreicht. Der Knabe trat in das Nebengässchen, welches nach der Hintertür des Hauses führte, und sein Begleiter wandte sich nach der Leih-Office. Ein fremdes Gesicht zeigte sich hier hinter dem Gitter. "Ich möchte Mr. Meier persönlich sprechen," sagte der Eingetretene; "mein Name ist Helmstedt."

"Bedaure, Sir; Mr. Meier arbeitet nur noch in Stocks und andern Wertpapieren und hat die Office hier an mich vermietet," war die Antwort. "Mr. Meier wohnt jetzt in Bondstreet, das dritte Haus vom Broadway; Sie würden ihn gerade jetzt dort antreffen können."

Helmstedt dankte mit einiger Verwunderung und ging. Bald traf er mit seinem Schutzbefohlenen einen Omnibus, welcher sie in der bezeichneten Richtung weiter führte, und nach kurzer Zeit stiegen Beide an Bondstreet aus. "Dein Vetter scheint grossartig geworden zu sein," sagte Helmstedt, kopfschüttelnd das elegante Haus, welches ihm angegeben worden war, betrachtend; "setze dich dort hinter das Eisengitter auf die Bank, bis ich dich rufe." Er ging die steinerne Treppe nach dem Portico hinauf, unter welchem auf silberner Platte der Name "Abraham Meier" an der Tür prangte, und zog die Klingel. Ein Dienstmädchen öffnete, und auf seine Frage nach dem Hausherrn wurde er in einen Parlor gewiesen, dessen Geschmack und Ausstattung zeigten, dass er von kundigerer Hand als der frühere in Pearlstreet eingerichtet worden war. Helmstedt hatte nicht lange zu warten. Mr. Meier erschien mit steif zurückgebogenem kopf, liess einen taxirenden blick über die elegante Toilette seines Gastes laufen und deutete dann nach dem Sopha.

"Sie kennen mich wohl kaum mehr, Mr. Meier?" fragte Helmstedt; "ich war der Vormund Ihres jungen Vetters Manuel, und kam gerade an dem unglücklichen Tage zu Ihnen, an welchem die Leiche in Ihr Haus gebracht worden war."

"Ahich entsinne mich jetzt," erwiderte Meier, und zeigte in einem steifen Lächeln seine Zähne; "es war das ein sehr trauriger Tag. Was führt Sie zu mir, Sir?"

"Ich hatte vor kurzer Zeit mir erlaubt, eine schriftliche Anfrage an Mrs. Meier zu richten, auf welche Weise ein dem alten Isaak Hirsch gehöriger Besitztitel in ihre hände gelangt sei, da sich dieser nachweislich in der Hinterlassenschaft nicht befundenhabe aber darauf keine Antwort erhalten."

Meier fixirte einen Moment lang seinen Gast. "Der Brief ist allerdings angekommen," sagte er, "ich glaube aber nicht, Sir, dass wir verpflichtet sind, auf jede Zuschrift an uns zu antworten."

"Wie Sie das für gut befinden, Sir