1859_Rupius_161_92.txt

mit Ihnen reden. Sie haben mich von sich gewiesen, als ich mich Ihnen als Schützer anbot, aber ich bin doch immer im geist bei Ihnen gewesen und habe auf jeden Ihrer Schritte gemerkt; Sie haben wir Ihr kältestes Gesicht gezeigt, und doch war der Gedanke an Sie mein liebster und oft der einzige, der mich aufrichtete. Sie haben es mich bitter empfinden lassen, dass ich ein pedantischer Narr, dass ich blind gewesen bin, als Sie mir wie die Verheissung eines ganzen Lebens voll Glück entgegentraten; Sie haben sich ehrlich und empfindlich gerächtund doch, Pauline," fuhr er fort, und fasste ihre beiden hände, – "doch bin ich wieder hier und gehe auch nicht mehr von Ihnen, und will Ihnen jetzt das Wort abzwingen, dass Sie mich noch lieb haben wie ehedem –"

Ein wunderbares Leuchten strahlte in Paulinens Augen, als sie sich jetzt, seine hände fest in den ihrigen drückend, langsam erhob.

"Ich habe mich rächen wollen, August?" fragte sie weich, "konnte ich denn anders handeln, als ich es getan? Hatten Sie sich denn nicht so kalt von mir gewandt, so consequent selbst die leiseste Freundlichkeit abgewiesen, dass ich der eigenen Selbstachtung halber Alles vergraben musste, was in mir lebtehatte ich denn nicht so tief gelitten, dass, als es einmal überwunden war, ich davor zurückbebte, noch einmal die alten Gefühle auferstehen zu lassen, und vielleicht noch einmal in neuer Täuschung den alten Kampf durchzufechten? Sage mir es doch jetzt, August," es sie plötzlich mit verdunkeltem Auge, "sage mir doch, dass du mich liebst, damit ich daran glauben lerne; sage mir es doch zehnmal, tausendmal!" und in ein schluchzendes Weinen ausbrechend, fiel sie an seine Brust.

fest hielt sie Helmstedt umschlossen.

"Ich liebe dich, Pauline," sagte er, zu ihrem Ohre geneigt, und der volle Drang seines Herzens zitterte in den leisen Worten, – "ich liebe dich mit meiner ganzen Seele, und will es dir sagen, immer und immer, so lange ich noch atmen kann!" Und als sie in Tränen lächelnd zu ihm emporsah, küsste er ihren Mund, küsste die Tränen von ihren Wimpern und sah ihr dann lange und tief in das feuchte Auge.

"Dies ist der blick, nach dem ich mich so manchen Tag gesehnt, und von dem ich Nächte hindurch geträumt!" sagte er leise.

"Und doch kamst du heute so spät, August, obgleich du wissen konntest, wie es in mir aussah?" unterbrach sie ihn, sich in seinen Armen aufrichtend.

"Merke auf, du misstrauisches Kind," sagte er mit einem Lächeln des Glücks, "dafür habe ich mir aber auch die Macht erobert, alle drückenden Bande von mir zu werfen und dir anzugehören, sobald du mich nur annehmen kannst und magst."

Er führte sie nach dem Divan, nahm ihre beiden hände in die seinen und begann ihr einen Ueberblick seiner Verhältnisse zu Elliot zu geben; bald aber hielt er wieder inne und seine Blicke hingen schweigenden Glückes voll an den ihrigen, bis sie, ihm mit der Hand die Augen zuhaltend, ihn an den weitern Bericht mahnte.

So mochten sie eine Stunde Hand in Hand bei einander gesessen haben, ohne nur das rasche Schwinden der Zeit zu bemerken, als ein Pochen an die Tür sie aufstörte. Pauline eilte zu öffnen und Doctor-Ford streckte seinen Kopf herein.

"Ich wollte nur zusehen, ob sich meine. Patienitin nicht zu sehr im Gespräch aufgeregt," sagte er, mit einem Lächeln voll gutmütiger Laune eintretend; "das Kind, sollte sich Ruhe gönnen und jetzt nicht stundenlange Veratungen halten!"

"Stundenlange, Doctor?" rief Pauline, leicht errötend einen blick nach der Uhr auf dem Kaminsims werfend; "es ist kaum e i n e Stunde, und hat Ihnen das Kind nicht gesagt, dass es nicht mehr krank ist?"

"Jetzt glaube' ichs gern," lachte der Doctor, "und ich gehe gleich wieder, vollkommen zufrieden, – aber," unterbrach er sich, als das helle Rot in Paulinens Gesicht schoss, "kennt unser Kind nicht die alte Wahrheit: vor dem arzt und den Eltern soll man sich nicht geniren? Wenn der alte Ford eine ganze Nacht am Krankenbett gesessen und alle stillen Geheimnisse, die das Fieber ausgeplaudert, in seinen Ohren aufgefangen hat, darf er dann nicht sagen, wenn sich die rechte Medicin gefunden: ich bin zufrieden?"

"Gott behüte Sie, Doctor, für Ihre Meinung von mir," rief Helmstedt, welchen ein Seitenblick des alten Arztes getroffen, und trat, diesem die Hand reichend, herzu; "nehmen Sie, was die Gesunden noch nicht gegen Sie ausgesprochen, als bereits geschenktes Vertrauen an. Wenn erst auch äusserlich vollkommen klarer Weg vor uns liegt, dann sprechen wir weiter."

"Es ist schon recht so," nickte Ford, "und jetzt nehmt meine Störung nicht übel; der alte Knabe war neugierig, und musste nachsehen, wie die Sachen standen."

"Super is ready!" rief die Mulattin durch die halbgeöffnete Tür.

"Supper! – Jetzt erst?" fragte Helmstedt verwundert.

"Ich hatte auf dich gewartet, August," erwiderte Pauline deutsch, mit einem innigen Blicke zu ihm aufsehend "und jetzt schlägst du mir