Sie mein Mann, und der Teufel ist noch immer ehrlicher gewesen als Diejenigen, welche den Herrgott auf der Zunge haben. Sie sollen Namen, Ort und die nähern Umstände von Allem erfahren, worüber ich bereits gesprochen, und dann werde ich Ihnen meinen weiteren Plan entwickeln. Täusche ich mich in Ihnen, wollen Sie nicht darauf eingehen, so ist allerdings ein gutes Geschäft zur Hölle gefahren, da es durchaus keinen fremden Mitwisser verträgt; in anderer Beziehung aber spreche ich wie Sie vorher: es sollte Ihnen ziemlich schwer werden zu beweisen, was ich Ihnen von meinen Gedanken verraten. Nehmen Sie meine Vorschläge an, so wird mich Ihr eigener Vorteil vor jeder Untreue schützen."
"Richtig, ich sehe, wir fangen an, uns besser zu verstehen," erwiderte Seifert mit leiser Ironie. "Schiessen Sie ruhig und voll los und das Uebrige wird sich finden."
Murphy liess nochmals wie überlegend den blick auf Seiferts Gesicht haften und stützte dann Kopf und Ellbogen auf die Schutzwehr des Verdecks. "Der alte Mann, von dessen Tod und Hinterlassenschaft ich Ihnen erzählte," begann er dann, "ist ein jüdischer Pedlar, der im haus eines Mr. Morton starb, – unweit des Platzes, wo Sie Ihre Negerentführung bewerkstelligten. Er machte Geldgeschäfte für östliche Häuser mit unsern Pflanzern, kaufte Baumwolle auf und verlieh Geld darauf, und mag so auf irgend eine Weise zu dem alten Besitztitel, den er, wie es mir sicher scheint, mit allen Ansprüchen auf sich hat übertragen lassen, gekommen sein. über das Nähere darüber habe ich mir noch Gewissheit zu verschaffen. Der eingesetzte Vormund seines Erben ist ein junger Deutscher. Namens Helmstedt, der seit Kurzem erst als Buchhalter auf Mr. Elliots Pflanzung beschäftigt war, auf demselben platz, wo Ihr Kamerad Baker mit Ihnen den Negerdiebstahl ausführte, aber dabei ermordet wurde, während Sie mit den Schwarzen schon auf und davon waren. Dieser Mord ist eine ganz verwickelte geschichte, die uns aber jetzt nicht kümmert und von der ich Ihnen später einmal das Nähere mitteilen werde. Baker hatte sich, wie Sie wissen, in Mr. Elliots Familie eingeführt und würde sicher dort die einzige Tochter des reichen Pflanzers gekapert haben, wenn nicht eben der junge Deutsche, in den sich das Mädchen sterblich verliebt hatte, da gewesen wäre und es endlich so weit gebracht hätte, dass er sich mit ihr gegen den Willen ihres Vaters trauen liess."
"Erlauben Sie einmal," unterbrach ihn Seifert mit grossen Augen, "Sie sagen, dieser Herr von Helmstedt habe die Tochter des reichen Elliot geheiratet?"
"Genau so; vom Reichtum des Alten, der seine Hand ganz von der ungehorsamen Tochter gezogen hat, sieht er indessen nicht viel. Er lebt als Musiklehrer in der Stadt und sucht seiner jungen Frau ganz alle die Bequemlichkeiten zu erhalten, in denen sie aufgezogen ist – ein scharfes Auge sieht aber recht wohl, dass das bei seiner Beschäftigung, so gut sie auch bezahlt werden mag, ein hartes Stück Arbeit ist und ihm bald tausend Verlegenheiten bereiten wird. Hätte ich mit ihm als Vormund des Erben, welchem der besprochene alte Besitztitel zufallen muss, Partnerschaft machen können, so dass er mich zur gerichtlichen Geltendmachung des Anspruchs als Advokaten angenommen, und wir uns dann in die Hälfte alles Dessen, was herausgekommen wäre, geteilt hätten, so wäre ihm ein sorgenfreies Leben sicher gewesen. Es ist aber ein Mensch, der eher zu grund geht, ehe er etwas gegen das tut, was er seine Ehre nennt – er hat das schon in dein Processe wegen Bakers Ermordung bewiesen, wo er beinahe als Mörder gehangen worden wäre, weil er nicht verraten wollte, dass er die ganze Zeit, in welcher der Mord vollbracht ward, in seines Mädchens kammer gewesen, bis das mutige kleine Ding selbst vor Gericht erschien und seine Unschuld bewies."
"Das ist er – das ist er!" nickte Seifert, "gerade wie ich ihn schon in New-York kannte!"
"So, Sie kannten ihn bereits, – dann werden Sie mich um so eher verstehen; und wenn ich Ihnen nun noch sage, dass bei dem einzuleitenden Process unter anderm auch der ganze jetzige Grundbesitz des Mr. Elliot, des Vaters seiner Frau, in Frage gestellt wird, so werden Sie begreifen, dass ich, um die Angelegenheit zu meiner Zufriedenheit in die Hand zu bekommen, sie von einer ganz andern Seite angreifen muss, – Well, Sir!" fuhr Murphy mit einem tiefen Atemzuge fort, "so viel ich weiss, will dieser Mr. Helmstedt in einigen Wochen nach New-York gehen, um für die Zukunft seines Mündels die nötigen Anordnungen zu treffen – d i e s e r M ü n d e l a b e r m u ss v e r s c h w i n d e n , ehe der Vormund ankommt; und dass der Vormund uns nicht zu zeitig über den Hals gerate, dafür sorgt ein Freund, den ich zurückgelassen habe."
Der Advokat liess den blick gespannt auf Seiferts Gesicht ruhen, als wolle er den Eindruck seiner letzten Worte darin beachten.
"Und was weiter?" fragte Seifert, dessen belebterer blick allein ein erhöhtes Interesse ankündigte, nach einer Pause.
"Verstehen Sie mich recht! Dem Jungen soll kein Leid geschehen, wenigstens so weit ich es verhindern kann," fuhr Murphy, seine stimme noch mehr als bisher dämpfend, fort