1859_Rupius_161_88.txt

noch mit dem Jungen machen? Armer, kleiner Kerl, wenn er nur schon wieder in New-York wäre, er ist mir so gutwillig überallhin gefolgt, um endlich einmal den alten Pedlar zu finden."

"Aber wo ist er, Seifert, damit für ihn gesorgt werden kann? Reden Sie die Wahrheit, und wir wollen glauben, dass Sie bei diesem Morde hier nur in Selbstverteidigung gehandelt haben; der Sheriff wird die Handschellen wieder einstecken und Sie anständig nach der Stadt bringen."

Der Gefangene sah mit halb irren Blicken auf.

"Das ist also der Sheriff," sagte er; "well, Sir, war der advokat Murphy, der hier tot liegt, einer von Ihren Deputies?"

Ein bittender blick Helmstedts traf den Beamten.

"Nicht, dass ich wüsste!" erwiderte dieser.

Ein halb verzerrtes Lächeln ging über Seiferts Gesicht.

"Es ist schon wie ich gedacht und Alles recht; der Teufel rächt sich nur, wo er betrogen werden soll. Ich gehe mit Ihnen nach der Stadt, Gentlemen."

"Und wie soll es mit dem Manuel werden?" fragte Helmstedt dringend.

"Ja, er wird wohl jetzt ausfinden müssen, dass der alte Pedlar schon längst tot ist," erwiderte Seifert mit bedauerndem Kopfschütteln; "es ist am besten, Sie gehen selbst nach dem Rocky-Creek-haus und sagen es ihm. Er mag warten, bis ich aus der Stadt zurückkomme, dann will ich ihn selbst wieder nach NewYork bringen."

Helmstedt tauschte mit dem Beamten einen blick aus und liess dann das Auge über die Leiche streifen.

"Wenn Sie sich einige Minuten gedulden wollen," sagte er halblaut zu dem Sheriff, "so hole ich aus dem wirtshaus Jemanden als Wächter herbei, der bis zur Ankunft des Koroners hier bleibt. Dann mögen Sie den Gefangenen auf meinem Pferde zwischen sich und Charlei nach der Stadt führen und brauchen ihn nicht zu schliessen."

"Ich kann Ihnen nur dankbar sein, wenn Sie die Mühe übernehmen wollen," erwiderte der Angeredeteund nach einigen Minuten sprengte Helmstedt dem Rocky-Creek-haus zu. –

Es war Abend geworden und der Platz, auf welchem der Mord vollbracht wurde, wieder so öde wie vorher; nur die geknickten Büsche und das zertretene Gras am Wege zeigten, dass ein besonderer Vorfall mehr Menschen als gewöhnlich auf der Stelle versammelt hatte. Mit der nach der Stadt gebrachten Leiche war aber die Aufregung dort eingezogen, das Hotel, worin der Ermordete lag, umstanden die Menschen in dichten Haufen, und die verschiedensten Gerüchte über die Art und Ursache des Mordes gingen von Mund zu Mund.

Im Bar-Room des Hotels, wo es wie in einem Bienenstocke aus- und einging, stand Griswald in der Vertiefung neben dem Kamin und stürzte so eben den dritten Brandysmash hinunter.

"Ich muss bekennen," sagte er zu einem an seiner Seite lehnenden ältlichen mann, "dass ich mich alterirt habe, so kalt ich auch sonst in allen Dingen binTeufelsgeschichte das!"

"Und was wird jetzt aus unserer Speculation?" brummte der Andere halblaut; "ist schon etwas geschehen, dass die Sache von den richtigen Händen weiter fortgeführt werden kann?"

"Wettergeführt? Damit ist es vorläufig zu Ende, Sir, und das ist mir eben wie eine Eispille in den Magen gefahren," erwiderte Griswald, einen blick um sich werfend. "John, noch einen SmashSie nehmen einen Schluck mit mir, Sir? Zwei Smash, John! Wissen Sie denn nichts von der geschichte, welche der Sheriff erzählt?" fuhr er fort, als er nirgends einen Lauscher in seiner Nähe bemerkte, "nichts von dem jungen Menschen, welchen der Mörder irgendwo hier verborgen gehabt?"

Der Andere sah ihn gross an.

"Nun?"

"Nun? Dieser junge Mensch ist der eigentliche Eigentümer des Besitztitels. Murphy hat sich durch eine Nachricht von seinem tod düpiren lassen und das Document von Parteien erworben, welche kein Recht darauf haben."

"Aber ich verstehe nicht –"

"Ich auch noch nicht, Sir; was ich Ihnen aber da sagte, steht so fest wie Murphy's Tod, und dass es überhaupt eine Torheit bleibt, junge Advocaten, bei denen die Illusionen immer die Gründlichkeit überwiegen, in die Association aufzunehmen. Jetzt können wir mit unserm Gutachten über die Unfehlbarkeit des Besitztitels die schönste Blamage auf den Hals bekommen. Geht morgen das Document in andere als uns befreundete hände über, so müssen die schlimmsten Vermutungen über unsere Gesetzeskenntniss oder unsere Ehrlichkeit laut werdenund das kommt Alles davon, wenn junge Leute wie Murphy zu Dingen zugelassen werden, die sie noch nicht zu behandeln verstehen. John, noch einen Smash!"

"Aber was denken Sie, dass nun geschehen sollte?"

"Weiss noch nicht, Sir! Zuerst wollte ich nach Oaklea gehen, um dort zu sondirenheute Nacht, denke ich werden sich die meisten von unsern Freunden von selbst in meiner Office einfinden, und dann werden wir weiter sehen!"

Er trat an den Schenktisch, um zu bezahlen, und schritt dann in die Strasse, wo ein aufgezäumtes Pferd bereits auf ihn wartete. Bald sass er im Sattel und trabte davon.

Zu derselben Stunde schritt Elliot, ein offenes Billet in der Hand, mit grossen Schritten in seiner Bibliotek auf und ab. Im Schaukelstuhle wiegte sich die Frau vom haus