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Gegend besser bekannt zu sein, als ich vermutete; er hat sich schon im vergangenen Winter im Riverhause, wo damals stark gespielt wurde, aufgehalten, und dort will ihn Mr. Graw beiläufig kennen gelernt haben. Weg ist er von hier, das steht fest" – fuhr er fort und setzte sein Tier wieder in Bewegung, "ich habe die drei Stuben des Hauses durchgesehen und nirgends einen Gegenstand wahrgenommen, der an einen Mann von feineren Gewohnheiten erinnert hätteindessen will ich doch die Angelegenheit noch nicht aufgeben. Mit einer schweren Reisetasche läuft man nicht gern die fünf Meilen bis zur Stadt und wenn es sich bei dem jungen Menschen um Verborgenheit handelt, so wird er diesen auch nicht am hellen Tage dortin geführt haben. Im Rocky-Creekhause soll jetzt Abends gespielt werdenlassen Sie uns bis zur ebenen Strasse hinabreiten und ich werde Ihnen dann Weiteres sagen!"

Schweigend wurden die Pferde zu schärferem Schritte angetrieben; der grössere teil des felsigen Weges war bereits zurückgelegt und die letzte Biegung nach der Hauptstrasse hinab zeigte sich, als plötzlich unweit vor ihnen ein Schuss knallte und fast mit ihm zugleich ein Schrei hörbar wurde. Kaum hatte der voranreitende Sheriff sein Pferd aufhorchend angehalten, als ein Mann hinter der nächsten Buschecke hervorgejagt kam, beim Anblicke der Reiter stutzte und nach einem Augenblicke wilden Umsichsehens auf das nächste Gebüsch zusprang. Aber sein Fuss verwickelte sich in die offen liegenden Wurzeln und Schlingpflanzen am rand des Weges und in toller Hast, loszukommen, schlug er der vollen Länge nach zu Boden.

Das ganze Ereigniss war so plötzlich eingetreten, dass die Zeit dafür eben nur genügt hatte, die Pferde zu zügeln; jetzt aber richtete sich Charlei hastig in den Bügeln auf und war mit einem: "Das ist er ja, das ist er!" vom Pferde, ehe noch einer der Andern Miene dazu gemacht hatte. Mit zwei Sprüngen hatte er den Mann, der von dem Falle halb betäubt schien, erreicht und richtete ihn wie ein Kind in die Höhe. "Bei Gott, er ist es, ich sagt' es ja, und nur die verdammte Brille, die er trug, machte mich einen Augenblick unsicher!" rief er, den Mann, der ihn wie geistesabwesend anstarrte, an beiden Armen festaltend.

"Halloh, Graf, wie geht's? kennen Sie den Dutch Charlei nicht mehr?"

Helmstedt hatte, als auch der Sheriff eilig abstieg, nach den Zügeln der beiden Pferde gegriffen; aber seine Augen taten sich weit auf, als der Beamte zur Verhaftung des Menschen schritt und dieser sein verstörtes Gesicht nach ihm wandte. Sichtlich gespannt folgte der junge Mann seinen beiden gefährten und trat, die Pferde nach sich führend, zu der Gruppe.

"Also Sie, Seifert, sind der Graf, oder der Mr. Wells, oder wie Sie sonst heissen mögen?" fragte er. "kennen Sie mich nicht, Seifert?"

"Was wollen Sie von mir?" fragte der Gefangene, die drei Männer der Reihe nach mit starrem blick ansehend. "Ich habe in Selbstverteidigung gehandelt und kann nichts dafür, dass der Schuss so unglücklich traf. Er hatte den Revolver auf mich gerichtet, Sie sollen meine Zeugen sein, es ist gut, dass Sie da sindkommen Sie!"

"Sachte, lieber Mann, wir folgen schon!" erwiderte der Sheriff, als Seifert seinen Arm aus dessen geschlossener Hand reissen wollte, und winkte bedeutsam den beiden Andern, zu folgen.

Sie erreichten bald die nächste Buschecke; wenige Schritte davon zeigte sich die Leiche Murphys quer über den Weg liegend.

"Dass dich –!" rief Charlei, erschreckt stehen bleibend, während Seifert an der Hand des Sheriffs gerade auf den Körper losschritt.

"Hier liegt sein Revolver, den er mir entgegenstreckte," sagte der Gefangene und wollte sich nach der Waffe bücken, aber der Beamte zog ihn rauh zurück.

"Das Alles wird sich finden; jetzt aber, lieber Mann, ist die Sache ernster als zuvor!" entgegnete er und zog ein paar Handschellen aus der tasche; "ich ersuche Sie, ruhig Ihre arme herzuhalten, damit ich nicht Gewalt anwenden muss!"

"Warum das?" rief Seifert zurückprallend, "ich habe Sie selbst hierher geführt; ich habe in Selbstverteidigung gehandelt und verlange eine Untersuchung. Ich folge Ihnen ganz freiwillig!"

Helmstedt, welchem beim ersten Anblick der Leiche eine peinliche Erinnerung aus seinem eigenen Leben vor die Seele getreten war, die ihn gespannt den Vorgängen folgen liess, drückte jetzt die Zügel der Pferde in Charlei's Hand und ging rasch auf den Sheriff zu. Eine kurze Weile sprach er in dessen Ohr, und als ein nachdenkliches Nicken desselben seine leise Rede beantwortete, wandte er sich an den Gefangenen.

"Ich hoffe, Sie kennen mich noch, Seifert?"

"Und was weiter, Sir?" erwiderte dieser, den Frager starr anblickend.

"Sie wissen wahrscheinlich noch nicht, dass Sie wegen Entführung des Manuel Goldstein und wegen des damit verbundenen Betrugs und Schwindels jetzt verhaftet worden sind und dass Alles, was hier geschehen ist, ursprünglich gar nichts mit dieser Verhaftung zu tun hatte."

"Manuel Goldsteinwas soll es doch mit dem?" erwiderte Seifert, als habe er von Allem, was zu ihm gesprochen, nur den einen Namen gehört. "Seit der hier tot ist, bezahlt mir doch Niemand mehr einen Gewinn, was soll ich