Jeder schien mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt, und erst als nach einer Stunde das einsame Haus am Wege auftauchte, hob einer von ihnen aufmerksam den Kopf. "Ist das dort RockyCreek-Haus, Sheriff?" fragte er. Der Angeredete nickte mit einem kurzen: "Yes, Sir!"
"Was meinen Sie," fuhr der Erstere fort, "wenn mein Freund Charlei dort erst einmal nach unserm mann ausschaute?"
"Es kann nichts schaden," erwiderte der Sheriff achselzuckend, "obgleich es kaum etwas nützen wird; ich fürchte, wir kommen überhaupt zu spät. Wäre mir gestern im Laufe des Tages eine Mitteilung gemacht worden, so hätte ich während der Nacht meine Massregeln treffen und den Burschen früh noch im Neste fangen können. Jetzt lässt sich nur vermuten, dass er schon längst seinen Geschäften nachgegangen ist."
"So wird doch wenigstens der junge Mensch zu finden sein, um den es sich hauptsächlich handelt."
"Wir wollen es hoffen," war die Antwort; "hat aber unser Bursche gerade heute einen Schlag ausführen und dann die Gegend verlassen wollen, so sollte es mich wundern, wenn er sich durch Hinterlassung des jungen Menschen selbst gezwungen hätte, nochmals an seinen alten Platz zurückzukehren – wenigstens müsste er dann nicht halb so gerieben sein, wie ihn Ihr New-Yorker Freund hier schildert."
Charlei zog ein nachdenkliches Gesicht. "Es mag wirklich so sein, Mr. Helmstedt," brummte er, "es ist verdammt viel Sinn in dem, was der Sheriff sagt, und nur der Sicherheit halber will ich einmal das Haus dort in Augenschein nehmen."
"Reiten Sie zu!" sagte der Beamte, "unser Weg führt hier rechts ab, wir werden langsam vorausreiten, damit Sie uns bald wieder nach sein können."
Die beiden Parteien trennten sich und der Sheriff bog mit Helmstedt in einen steinigen Waldweg ein, welcher nach Angabe des Ersteren zu Mr. Graws Farm, dem Aufentaltsorte Seiferts, führen sollte. Sie ritten im langsamen Schritte weiter, bis der harte Trab von Charlei's grossem Pferde wieder hinter ihnen laut wurde. "Nichts von ihm zu erblicken," sagte dieser herankommend, "die Leute dort sagen, er habe am Morgen da gefrühstückt, sei aber nach dieser Zeit nicht wieder gesehen worden."
Der Sheriff nickte nur schweigend und trieb sein Tier zu schnellerem Laufe an; die beiden Andern folgten, bald aber ward der Weg so rauh und eng, dass sich ein langsamer Schritt von selbst gebot.
"Ich hoffe, Sir," sagte Charlei, näher an Helmstedts Seite reitend, "dass Sie es mir nicht zu hoch anrechnen werden, wenn der Graf entwischt? Ich hätte freilich wohl einen halben Tag früher hier sein können, aber ich hatte mit keiner Silbe daran gedacht, dass ich selber bei der Sache notwendig sein könnte."
Helmstedt schüttelte ruhig lächelnd den Kopf. "Hätten Sie sich einen halben Tag früher eingesunden, so wären wir wahrscheinlich nicht bei der Hand gewesen, um ein Unglück in Little Vallei zu verhüten, an das ich kaum denken mag!" sagte er. "Es geht Alles in der Welt, Charlei, wie es soll, und der Mensch mit seinem Fünkchen Verstand tut meist das Wenigste dazu. Wer nach rechtem Gewissen seine Pflicht tut, damit er sich selbst nichts vorzuwerfen hat, der soll sich um das nicht grämen, was vielleicht anders hätte sein können – und so wollen wir auch jetzt tun, was sich mit besten Kräften tun lässt, und schiessen wir dennoch fehl, so mag es vielleicht gerade zu etwas dienlich sein, was wir jetzt noch nicht einmal ahnen."
Charlei kratzte sich unter seinem hut; "'s ist das gewiss recht schön gesagt, Sir, aber der Teufel mag sich immer damit zufrieden geben, und ich hätte wohl auch sehen mögen," setzte er mit einem launigen Blicke auf Helmstedts Gesicht hinzu, "wie Sie sich hineingefunden hätten, wenn wir der Lady in Little Vallei zu spät zu Hilfe gekommen wären."
Helmstedts Gesicht überflog ein dunkler Schatten, welcher sich aber bald wieder in einem klaren Blicke, den er in die Ferne schickte, auflöste. "Sie mögen Recht haben, Charlei," erwiderte er mit einem tiefen Atemzuge, "das Schicksal bewahre Jeden vor s o l c h e n Proben."
Der Sheriff war vorausgeritten und öffnete jetzt das niedere Tor einer Einzäunung, hinter welcher sich auf einem Hügel inmitten von dürftigen Feldern ein rohes Blockhaus zeigte. "Bleiben Sie hier, bis ich zurückkomme oder Ihnen winke," sagte der Beamte, und schritt, nachdem er sein Pferd festgebunden, dem haus zu; ehe er es aber erreichte, trat ihm schon der Farmer aus der offenen Tür entgegen. Beide standen eine Weile in angelegentlichem gespräche, der Farmer mehrmals mit dem kopf schüttelnd, bis sie endlich, der Beamte vorweg, in das Haus traten. Zehn Minuten mochten vergangen sein, als Beide wieder erschienen und der Sheriff mit einem kurzen Nicken gegen den Farmer nach den Wartenden zurückschritt. "Es ist genau wie ich gesagt, wir kommen sechs Stunden zu spät!" begann er, als er die Einzäunung erreicht hatte, und bestieg sein Pferd. "Heute Morgen hat er mit dem jungen Menschen und einer starkgefüllten Reisetasche die Farm verlassen, hat Abschied genommen und reichlich für seinen Unterhalt gezahlt; jedenfalls scheint der Bursche aber in unserer