handelt?"
"Ich lasse mich, Drohungen gegenüber, auf nichts ein, Mr. Seifert. Kommen Sie nach acht Tagen in einer vernünftigeren Weise zu mir, so hoffe ich, tausend Dollars für Sie bereit zu haben."
Seifert sah ihm eine Secunde lang scharf ins Auge. "Sie glauben mir nicht – very well! Nehmen Sie dann auch die Folgen auf sich!"
Er setzte bedächtig seinen Hut auf den Kopf und schritt aus dem Zimmer; er sah nicht zurück, als ihm Murphy die Treppe hinab folgte, und wanderte, als er das Hotel verlassen, gemächlich die Strasse hinauf.
Der advokat war eiligen Schritts in den Bar-Room getreten, wo Griswald, wie jeden Tag in der Stunde nach Mittag, conversirend stand, und zog diesen nach dem anstossenden Wartezimmer. Eine kurze Weile waren Beide im eifrigen gespräche. "Wir machen den Menschen sofort unschädlich, das ist das Einfachste, mag nun hinter seinem Geschwätz etwas stecken oder nicht!" rief endlich Griswald; "warten Sie, bis ich vom Richter zurück bin, es dauert nur zwei Minuten. Unser Mann, welcher den Schwerenöter bis jetzt beobachtet hat, geht mit einem Verhaftsbefehl nach Elliots Farm, falls er diesen Weg eingeschlagen haben sollte, und Sie gehen mit der gleichen Vollmacht nach Rocky-Creek. Sie Beide kennen allein den Menschen, also werden Sie für heute zu Deputies des Sheriffs ernannt, und Beistand finden Sie, wo es sich um einen Negerdieb handelt, nötigenfalls überall."
Der alte advokat verschwand und Murphy durchmass unruhig das Zimmer.
Seifert war ins Freie gelangt und blieb unter einer breitästigen Eiche wie überlegend stehen. Links zog sich die grosse Strasse an Farmen und Plantagen vorüber fernhin durch dass Tal. Rechts führte ein schmaler Fahrweg in den Wald hinein, dem Gebirge zu. Seifert nahm den Hut ab, wischte sich die Stirn und sah die helle, brennend heisse Strasse hinab; mit einem kurzen Kopfschütteln wandte er sich dann dem Wege rechts zu und hatte bald ein schattiges Laubdach zwischen sich und der Mittagssonne. Ohne auf seine Umgebung zu achten, wanderte er vorwärts; dann und wann zuckte es wie ein bitteres, höhnisches Lächeln über sein Gesicht, und erst nach einer Stunde, als vor ihm aus einem Nebenwege ein Reiter in seine Strasse einbog, sah er auf und beobachtete mit aufmerksamen Blicken die in der nächsten Biegung des weges wieder entschwindende Erscheinung. Er begann hastiger zu schreiten und nach Verlauf der nächsten halben Stunde tauchte ein einsames Haus vor ihm auf. An dem Pfahle vor der Tür stand ein gesatteltes Pferd angebunden. Seifert hielt seinen Schritt an und schien mit sich Rat zu pflegen; bald aber ging er mit einem Kopfschütteln, als wolle er ein aufsteigendes Bedenken beseitigen, wieder vorwärts. Kurz vor dem haus mündete ein schmaler, steiniger Fahrweg in der Strasse aus – hier bog Seifert ein und ein Zug von Spott legte sich über sein Gesicht, als das Haus hinter dem dichten Gebüsche verschwunden war.
Fünf Minuten mochte er ruhig weiter geschritten sein, als er plötzlich den Schlag einer Hand auf seiner Schulter fühlte. "Seifert, ich verhafte Sie im Namen des Gesetzes!" klang es in seine Ohren; aber mit einer kräftigen Wendung war er frei und stand seinem Gegner auge' in Auge. "Ah – M. Murphy – auf diese Weise also!" presste es sich aus dem mund des Angegriffenen, "wollen Sie mir wohl noch einmal sagen, was Sie wünschen?"
"Ich nehme Sie fest auf Grund dieses Verhaftsbefehls," erwiderte der advokat, ein Papier aus der tasche ziehend und sein Gesicht zu einer finstern Gleichgiltigkeit zwingend, "und rate Ihnen wohlmeinend, weder Widerstand zu leisten, noch einen Versuch zur Flucht zu machen!"
"Und was ist mein Verbrechen?" fragte Seifert, die Hand nachlässig in die Brusttasche steckend.
"Ich habe Ihnen nichts darauf zu antworten; ich handle nur auf Befehl des Richters in meiner Eigenschaft als Deputy-Sheriff."
"Jedenfalls als ziemlich neugebackener!" erwiderte Seifert bleich, aber ohne sein höhnisches Lächeln zu verlieren. "Das ist also die Art, wie man hier zu land unbequeme Personen beseitigt. Trotz alledem, Herr Deputy-Sheriff, rate ich Ihnen, umzukehren und den Seifert ruhig seines weges gehen zu lassen. Sie wissen aus Erfahrung, dass er für jeden Zug gegen ihn sich immer doppelt gedeckt hat!" Er warf einen raschen blick über die nächsten Gebüsche und machte eine Wendung, um sich zu entfernen; aber die Mündüngen eines Revolvers, welche ihm plötzlich aus Murphy's Hand entgegenstarrten, hiessen ihn stillstehen. "Keinen Schritt, Sir, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist!" rief der advokat.
Das Hohnlächeln in Seiferts Gesicht ging in Verzerrung über; seine Hand fuhr mit Blitzesschnelle aus der Brusttasche, ein Schuss knallte – und Murphy stürzte mit einem Aufschrei rücklings zu Boden. Der Rauch verzog sich und Seifert stand, mit vorgebogenem Oberkörper die stieren Augen auf den Gefallenen gerichtet; als aber auch nicht ein Glied mehr an diesem zuckte, schien ein plötzliches Entsetzen über ihn zu kommen; er warf den hervorgezogenen Revolver weit von sich ins Gebüsch und lief, wie von allen Furien der Hölle gejagt, auf dem einsamen Wege dem Gebirge zu. – –
Am Mittag desselben Tages hatten drei Reiter die Strasse, welche von der Stadt nach den Bergen führt, eingeschlagen. Kein Wort fiel, während sie neben einander dahin trabten,