der Aufseher-Anstellung?" fragte er dann.
"Es war eigentlich nur ein Notbehelf, was ich sagte, Charlei," erwiderte der Angeredete stehen bleibend, "aber wenn Sie die Stelle annehmen wollen, so denke ich die Sache arrangiren zu können."
Der Riese schlug mit der Faust in seine Hand, dass es knallte. "Mir gefallen die schwarzen Kerls, Sir," lachte er, "und ich denke in der rechten Manier mit ihnen umspringen zu können; das Haus ordentlich zurecht gemacht, die Mary bei mir, und es muss eine Lust sein, hier zu wirtschaften. Wenn Sie nichts dagegen haben, Sir, gehe ich einmal nach den Negerwohnungen hinüber und sehe mir das Treiben an."
"Gehen Sie, wenn es Ihnen Spass macht," erwiderte der Gefragte, seinen gang wieder aufnehmend, "wir werden doch in den ersten Stunden noch nicht von hier wegkommen!" Und mit einem zufriedenen Kopfnicken entfernte sich der Riese, ohne Aufentalt über die Umzäunung und Gräben hinweg, wie eine gespenstige Erscheinung durch die Nacht schreitend.
Helmstedt blickte in den dunklen Himmel hinauf, und es war ihm, als sähe er des alten Morton Gesicht mit demselben wohlwollenden Ausdruck ihm zulächeln, wie er ihn zum letzten Male in seiner Krankheit gesehen. Er dachte nicht daran, dass er seiner übernommenen Pflicht als stiller Beschützer Paulinens genügt hatte – ihm stand eine Stelle aus dem Briefe des Verstorbenen vor Augen, zu welcher er erst jetzt das Verständniss gefunden zu haben glaubte: "Mir ist es, als würde auch noch einmal ein Frühling für sie blühen und ihr ein Schutz werden, unter dem sie sich gern bergen wird." Hatte der alte Mann Helmstedts unhaltbare Verhältnisse zu Ellen erkannt und tiefer in Paulinens verschlossenes Herz gesehen, als diese selbst geahnt? – Er nahm langsam seinen gang wieder auf und Träume von einem stillen Glücke kamen über ihn, bis die Mulattin die Tür des Hauses öffnete und ihn heranrief. "Sie redet im Schlafe, Sir," sagte sie, "es ist wohl besser, Sie sehen einmal nach ihr; mir ist selbst, als könnte ich nicht mehr lange aufrecht stehen."
Helmstedt folgte in Hast. Das Zimmer war jetzt in leidliche Ordnung gebracht, eine Lampe brannte auf dem Kamin und beschien das Lager, auf welchem Pauline verhüllt unter einer leichten Decke ruhte. Ihre Wangen leuchteten in hellem Rot, ihre Lippen bewegten sich in schnellen, abgebrochenen Sätzen und eine einzige Prüfung des fliegenden Pulses gab Helmstedt volle Einsicht in den Zustand der Kranken. "Wir können im Augenblicke nichts tun," sagte er nach einer Weile sorgenvoller Betrachtung; "die Köchin mag gehen und nach ihren Geschäften sehen; Sie, Mary, sind selbst krank, nehmen Sie was an Kissen umher liegt und machen Sie sich, so gut es gehen will, ein Lager zurecht; ich werde wach bleiben und den Doctor erwarten; sollten Sie nötig sein, so werde ich es Ihnen sagen." –
Es war schon elf Uhr vorüber, als endlich Cäsar mit dem alten arzt anlangte.
"Das kommt davon, wenn die Kinder zu selbstständig sein wollen," sagte der Letztere kopfschüttelnd, nachdem er die Kranke eine Weile beobachtet. "Cäsar hat mir die ganze geschichte erzählt; sie muss gestanden haben wie ein Held gegen das Untier – aber die Lust, Alles selbst zu verwalten, wird ihr jetzt wohl vergangen sein."
"Halten Sie den Zustand für gefährlich, Doctor?" fragte Helmstedt mit ängstlicher Erwartung im Auge.
"Kann noch nichts sagen, Sir, wir werden erst im Laufe der Nacht sehen, was sich entwickelt. Ich bleibe jedenfalls hier und Cäsar mag vorläufig die Köchin rufen, damit ich einige Anordnungen treffen kann."
Er wandte sich nach dem Lager der Mulattin, welche sich horchend aufgesetzt hatte, löste die Tücher von ihrem kopf und untersuchte ihre Wunden. "Nichts Besonderes, wenn's auch noch etwas weh tut," sagte er, als das Mädchen unter dem Drucke seines Fingers zusammenzuckte, "morgen wird wenig mehr davon zu spüren sein; magst aber Gott danken, dass noch Negerschädel genug an dir ist, sonst hätte der Puff verdriesslichere Folgen haben können." Er ging nach Paulinens Lager zurück, zog den Stuhl heran und blieb hier, das seine Handgelenk der Kranken zwischen seinen Fingern haltend, beobachtend sitzen.
Helmstedt begann leise das Zimmer auf und abzugehen, dann und wann einen blick auf die Kranke und das Gesicht des Arztes werfend, bis Cäsar mit der Köchin und hinter ihnen Charlei eintrat.
"Well, Sir," sagte der Letztere, mit gedämpfter stimme sich an Helmstedt wendend, "es ist das eine sehr traurige geschichte mit der Lady, aber ich dachte, ich müsste Ihnen sagen, dass morgen der 14te ist. Sie wissen weswegen – es ist nur, dass ich der Weibsperson in New-York nicht umsonst ihre Kommodenschlösser verdorben habe."
Helmstedt griff an seine Stirn – die ganze Angelegenheit war vor den eben durchlebten Ereignissen aus seinem Gedächtnisse gewichen. Der Doctor hatte sich bei dem Klange von Charlei's dumpfrollender stimme umgesehen und liess die Augen bewundernd über die riesigen Gliedmassen desselben laufen. Er erhob sich vorsichtig und trat zu dem Sprechenden. "Das also ist der Mann, der das Untier niedergeboxt hat," sagte er, "freut mich, Sie zu sehen, Sir!"
"Einen Augenblick, Doctor, wenn Sie abkommen können