1859_Rupius_161_80.txt

etwas von dem Boden, welchen die Pferde betraten, zu erkennen war. An der Spitze des kleinen Zuges befand sich ein Schwarzer, der mit Sicherheit sein schlankes, flüchtiges Tier durch alle Hindernisse, welche der unebene Pfad bot, leitete, und die beiden Reiter hinter ihm folgten genau den Wendungen, welche er vorzeichnete.

"Bist du sicher, Cäsar, dass wir auf dem rechten Wege sind?" fragte der mittlere Reiter.

"Ohne sorge, Master," erwiderte der Schwarze, "ich kenne den Weg in finsterer Nacht. Dort ist das Ende der Schlucht, und dann kommen wir auf die Strasse, die von Mortons Haus nach Little Vallei führt."

"Und du bist auch der geschichte sicher, die du mir erzählt hast?"

"Harriet ist wohl ein schlechtes Mädchen geworden und hat sammt der Jane zwei Jahre mit dem Aufseher gelebt" – erwiderte Cäsar, ohne seine Aufmerksamkeit von dem Wege abzuwenden; "aber lügen kann sie nicht, Sir, ich kenne sie, ich bin auf Mortons Farm mit ihr gross geworden. Der Aufseher hat sie vorige Woche geschlagen und aus seinem haus geworfen, weil sie ihm eine derbe Wahrheit gesagt hat, aber sie hält noch immer zur Jane, und von der ist ihr heute Mittag die geschichte in die Ohren gezischelt worden. Sie hat gleich wollen nach Mortons Haus laufen, denn von den Niggern hätte sich doch keiner etwas zu tun getraut, und ich traf sie glücklich auf halbem Wege, da ich wusste, dass Mary heute in Little Vallei sein würde. So viel ist sicher, Sir, Mary liegt krank und mit zerschlagenem kopf bei der Köchin, von Mrs. Morton hat aber noch keine Seele etwas gesehen!"

"Lass die Stute ausstreichen, Cäsar: Gott weiss, was dem Allen zu grund liegt!" erwiderte der Andere, und in grösserer Eile ging es vorwärts. Bald bog der Schwarze aus der Schlucht in einen schmalen, auswärts steigenden Pfad ein; mit sicherem Tritte klommen die Pferde, augenscheinlich an solche Ritte gewöhnt, den Berg hinan, und die Fahrstrasse zeigte sich.

"Ausgezeichnete Tiere hier zu land, Mr. Helmstedt," sagte der letzte Reiter, "ich glaubte kaum, dass meine dreihundert und so viel Pfunde so geschwind heraufkommen würden."

"Geht es mit dem Reiten, Charlei?" fragte der Angeredete.

"Müsste nicht zwei Jahre Karrenfuhrmann und Mitglied unserer Dragoner-Compagnie gewesen sein," war die Antwort; "nur vorwärts, Sir!"

Aufs Neue ging es in scharfem Trabe die jetzt abwärts führende Strasse entlang, bis Cäsar plötzlich anhielt. "Dort ist das Haus, Sir," sagte er, sich zurückwendend, "das Feuer scheint durchs Fenster, aber die Tür ist geschlossen."

"Wir werden schnell ins Klare kommen, nur jetzt keinen Aufentalt!" rief Helmstedt, und sprengte dem Schwarzen voraus. An der Umzäunung angelangt, band er hastig sein Pferd fest, und wollte sich eben nach dem haus wenden, als dort der laute Schrei einer weiblichen stimme hörbar wurde. Ein elektrischer Schlag schien durch seinen Körper zu zucken, in der nächsten Minute schlugen aber auch schon seine Fäuste gegen die verschlossene Tür und seine Schulter dagegen gestemmt versuchte er vergebens, sie zum Weichen zu bringen.

"Dort liegt ein Balken, wir müssen die Tür einstossen!" schrie er den Nachfolgenden entgegen.

"Never mind, Sir! wenn sie nicht von Eisen ist, geht es so!" erwiderte Charlei, mit dem fuss nach einem festen Halt suchend; ein Druck mit der Schulter dagegen, und alle Fugen stöhnten; ein zweiter, gewaltigerer und prasselnd flogen Riegel und Schloss los. Helmstedt stürzte in den geöffneten Eingang, aber ein furchtbarer Hieb, mit einem dicken Knittel geführt, sauste ihm hier entgegen, noch zeitig genug von Charlei's linkem Arm aufgefangen.

"Meinst du's so, Brüderchen?" rief der Goliat, und ein Faustschlag traf Bartletts Gesicht, dass dieser einen Schritt zurücktaumelteein zweiter und dritter folgten in wunderbarer Schnelligkeit, und wie ein gefällter Baum fiel der riesige Aufseher neben seiner Matratze und den abgeworfenen Kissen zu Boden.

Helmstedt hatte kaum etwas von dem kurzen Kampfe gesehen, sein blick war angstvoll suchend durch den Raum geflogen. "Pauline! Pauline!" rief er, als sein Auge nirgends auf ein Zeichen von ihr traf. "August, August!" erklang es jauchzend, und die Stiege herab, das Messer noch immer in der krampfhaft geschlossenen Hand, stürzte die gequälte junge Frau. Helmstedt eilte ihr entgegen, kam aber nur recht, um die bewusstlos Zusammenbrechende in seinen Armen aufzufangen.

Cäsar, welcher von der Tür aus scheu den rasch folgenden Ereignissen zugesehen, kam jetzt herbei, und eine unverhohlene Befriedigung zeigte sich in seinem Gesicht, als Charlei, nach einem blick auf das der jungen Frau entfallene Messer, mit einer Art Wut nach dem am Boden liegenden Stricke griff und dem in halber Bewusstlosigkeit grunzenden Aufseher hände und Füsse zusammenschnürte.

"Rasch nach der Küche hinüber und Beistand geholt!" rief Helmstedt dem Schwarzen zu und trug, nach einem halb ratlosen blick durch den Raum, die Ohnmächtige nach dem einzigen stuhl, sich selbst darauf setzend und sie auf seinem Schoosse ruhen lassend; kaum aber hatte er sie in eine bequeme Lage gebracht, als sie die Augen gross aufschlug, mit dem Oberkörper emporschnellte, und einen blick des Schreckens um sich warf