1859_Rupius_161_78.txt

Sirich will hinaus!" rief sie, und es schien, als sei erst mit der bestimmten Vermutung von einer ihr drohenden Gefahr ihr Mut erwacht.

"Jetzt nicht," erwiderte der Aufseher kalt; "ich habe zuerst etwas mit Ihnen zu reden."

"In dieser Weise kein Wort!" erwiderte sie energisch; "öffnen Sie die Tür und dann reden Sie."

"Sie werden es doch wohl anhören müssen, Ma'am!" sagte er, sich mit einem bösen Lächeln zurücklegend und den Kopf auf seinen Arm stützend.

Pauline warf einen blick um sich. Das einzige Fenster war zu hoch, als dass sie es hätte erreichen können, und sie fühlte eine Sekunde lang, als komme ein Schwindel über sie. Aber das Bewusstsein, keinen andern Beistand als ihre eigene Besonnenheit zu haben, überwand die augenblickliche Schwäche, und nach kurzer überlegung nahm sie den einzigen Stuhl, der sich im Zimmer befand und setzte sich zur Seite des Tisches nieder, so dass dieser sich zwischen ihr und dem Aufseher befand. "Sie zwingen mich also, in Ihrer Gesellschaft auszudauern; very well, ich werde warten bis meine Leute ankommen, und dann werden wir weiter sehen."

"Ohne sorge! Es wird uns Niemand vor später Nacht stören!" sagte Bartlett mit einem heisern lachen, "und bis dahin, denke ich, sind wir mit einander fertig." Er setzte sich wieder langsam aufrecht. "Die Nigger haben mich bei Ihnen verklagt, Ma'am, und Sie haben mich, einen weissen Mann, zum Narren des schwarzen Viehzeugs gemacht," fuhr er mit finsterm Auge fort. "Sie sind jetzt hierher gekommen, um mir die Stelle aufzukündigen, in der ich nun drei Jahre bin. Ich weiss, dass Sie schon einen neuen Aufseher an der Hand haben, und ich konnte von einem WeiberRegimente nichts Anderes erwarten. Weiber sind nur halbe Geschöpfe, sind nur da zum Vergnügen für den Mann, und wo sie zur herrschaft kommen, soll ein rechter Kerl den Platz räumen. Ich wäre von selber gegangen, diese Nacht schon, und deshalb habe ich mit Ihnen als Mistress nichts mehr zu tun. Sie sind aber die Frau, welche einen weissen Mann zum Spott der Nigger gemacht hat, und deshalb wird Ihnen der Mann noch heute zeigen, zu was die Weiber nur in der Welt sind, und wird seine Genugtuung haben, mögen Sie sich dagegen wehren oder nicht!"

Ein wilder, begehrlicher blick traf die junge Frau, dass ihr Herz still zu stehen drohtesie hatte mit einem blick ihre ganze Lage erkannt.

"Beruhigen Sie sich aber jetzt, Ma'am," begann der Mensch von Neuem und sah mit einem hässlichen Lächeln in Paulinens entsetzte Augen, "wir haben noch Zeit bis ich mich zur Abreise fertig mache; trocknen Sie sich ungenirt Ihre Kleider!"

Er erhob sich und warf, während ihre Blicke jede seiner Bewegungen bewachten, ewige Stücke Holz auf die Glut. Dann legte er sich zurück auf das Bett, ohne indessen den unheimlich leuchtenden blick von ihr zu lassen.

Paulinens Augen flogen durch den Raum. Der einzig offene Ausgang war die Stiege hinauf nach dem angebauten Zimmer, unweit des Platzes, welchen sie eingenommen, der aber eben so wenig Rettung bieten konnte, als ihr jetziger Aufentalt, und in ihrem Herzen begann es sich zu regen wie halbe Verzweiflung. Sie wusste, dass sie in Mortons haus nicht vor spät Abends zurückerwartet werden konnte, dass Doctor Ford meist nicht vor zehn Uhr nach haus kam; sie konnte aus der Sicherheit des Aufsehers schliessen, dass die verwundete Mary unter irgend einem Vorwande bei Seite geschafft worden war und dass kein fremder Mensch, den nicht ein besonderes Geschäft in diese abgelegene Gegend führte, sich hierher verirren würde. Die Negerhütten waren so weit entfernt, dass, selbst wenn sie das Fenster hätte erklimmen können, kein Hilferuf dahin gelangt wäre. Da fiel ihr irr umherschweifender blick auf das grosse spitze Messer unter den Speise-Ueberresten auf dem Tische, und eine plötzliche Beruhigung überkam siejetzt war die Partie wenigstens gleich, und sie konnte kämpfen für ihre Ehre. Ohne einen weitern blick nach ihrem Feinde zu wenden, dessen Auge sie jede ihrer Bewegungen hatte belauern sehen, beschloss sie, ruhig zu warten. Die Hitze vom Kamin zog wohltuend durch ihre Glieder, und ihr Blut begann wieder rascher seinen Kreislauf zu nehmen.

Der Regen hatte aufgehört und die frische Helle, welche durch das kleine Fenster strömte, liess den wiedergekehrten Sonnenschein vermuten. Pauline horchte scharf, ob nicht irgend ein Ton ausserhalb laut werde, aber das einzige Geräusch, welches zu ihren Ohren drang, war das Knarren des Bettes, wenn Bartlett sich halb aufrichtete, um aus einer grossen Whiskeiflasche lange Züge zu tun.

Die Sonnenhelle verschwand und eine leichte Dämmerung begann sich in dem Zimmer einzustellen. Pauline fühlte sich in ihrer Stellung, die sie kaum durch die Bewegung eines Armes verändert hatte, fast steif werdenda erhob sich der Aufseher langsam. Er warf zwei grosse Scheite in das fast erloschene Feuer und drehte sich dann mit verschränkten Armen nach der jungen Frau um.

"Well, süsses Herz, wie steht's?" sagte er mit einem abschreckenden Grinsen. "Vor Gott sind wir Alle gleich, und jetzt in Little Vallei auch; Mann ist Mann und Weib ist Weibverlangt dich's nicht nach meiner Umarmung? Ergib