hatte sich das Pferd gebäumt und einen Satz zur Seite getan, dass der Wagen gegen einen Baum flog und die Mulattin in die Mitte der Strasse geschleudert wurde – auf und davon jagte das Tier, die zerbrochene Deichsel und einen teil des Vorderwagens hinter sich herschleifend.
Die junge Frau war schnell aus dem ersten Schrekken wieder zur Besinnung gelangt. Der Wagen, seiner Vorderräder beraubt, lag nach vorn über und das Verdeck bildete ein genügendes Dach gegen den Regen; aber ohne an den eigenen Schutz zu denken, sprang sie heraus, um nach ihrer Dienerin zu sehen. Das farbige Mädchen lag mit blutendem kopf, anscheinend ohne Besinnung, auf der Strasse; als ihre Herrin sie aber aufrecht zu setzen versuchte, begann sie zu stöhnen und Anstrengungen zu machen, sich selbst zu erheben. Die junge Frau half, ihr empor, fasste sie unter die arme und geleitete sie unter ermutigenden Worten nach dem Wagen. Kaum aber war die Verwundete unter das Verdeck gelangt, als sie in ihrer Bewusstlosigkeit auf die Kissen des Sitzes fiel. Ihre Herrin schloss das Schutzleder des Wagens, schürzte ihre Kleider auf und wanderte raschen Schrittes durch den strömenden Regen nach dem Tale hinab.
Es war ein Haus im rauhesten Hinterwaldstyle, weit ab von den Negerhütten, welches ihr von Mary als die wohnung des Aufsehers bezeichnet worden war. Eine einzige kleine Fensteröffnung mit zerbrochenen Scheiben zeigte sich daran und der Weg nach dem Eingange führte durch Morast und tiefe Pfützen, welche der Regen gebildet hatte. Die Tür stand offen und ohne langes Besinnen trat die junge Frau ein. Sie nahm zuerst ihren triefenden Sommerhut vom kopf und blickte dann in dem düsteren raum umher, der sich ihren Blicken bot.
Das Haus mochte einmal wohnlich gewesen sein, die Wände wiesen noch Spuren von angeworfenem Kalke; jetzt aber sahen überall die nackten Baumstämme, aus denen das Gebäude erbaut worden, hervor, der Fussboden war ausgetreten und voll klaffender Spalten und eine zerbrochene Stiege führte nach einem von aussen angebauten obern raum, an welchem nur noch eine halb abgerissene Türbekleidung zeigte, dass er einmal verschliessbar gewesen war. Auf einem schmutzigen Tische lagen neben einem grossen blinkenden Messer die Ueberreste eines groben Mittagsmahles, ein schwarzes Mädchen kniete am Kamine, bemüht, einen Haufen nasser Reiser zum Brennen zu bringen, und von einem Bett im Hintergrunde erhob sich langsam eine männliche Gestalt mit wirrem Haar, nur mit einem schmutzigen Paar Beinkleidern und einem dunklen Hemd, welches die behaarte Brust sehen liess, bekleidet.
Ein einziger Rundblick hatte der Eingetretenen alle diese Einzelheiten gezeigt, und es überkam sie ein unheimliches Gefühl, als sie den frech-neugierigen blick der Schwarzen und das wüste Auge des Mannes auf sich gerichtet sah. "Sie sind Mr. Bartlett, wenn ich mich nicht irre?" fragte sie.
"Das bin ich," erwiderte dieser, sich langsam auf die Beine stellend und die unerwartete Erscheinung von Kopf bis zu Fuss musternd.
"Ich hoffe, Sie werden Mrs. Morton noch kennen, Sir! Das Gewitter hat unser Pferd scheu gemacht und mein Mädchen hat einen schweren Fall getan. Sie liegt jetzt in dem zerbrochenen Wagen nicht weit von hier auf der Strasse, und ich wünsche, dass Sie sogleich ein Fuhrwerk hinausschicken, um sie hierher transportiren zu lassen."
Der Aufseher betrachtete sie noch immer mit einem Ausdrucke von dreister Unverschämteit. Dann wandte er den Kopf langsam nach der Seite. "Geh, Jane, du hast gehört, Bob soll den kleinen Wagen anspannen. – Noch Eins!" rief er, als das Mädchen eben das Haus verliess, und folgte ihr vor die Tür.
Pauline konnte nichts von seinen weitern Worten vernehmen, und nur ein plötzliches rohes Gelächter, in welches die Schwarze ausbrach, drang zu ihren Ohren. Einen Augenblick kam eine ungewisse Furcht über sie, und sie fragte sich, ob es nicht trotz des noch immer strömenden Regens besser sei, das Haus zu verlassen – schon im nächsten aber schalt sie sich selbst eine Törin und trat schaudernd vor Nässe an das eben entzündete prasselnde Kaminfeuer.
Bald erschien der Aufseher wieder und schloss die aus schwerem Eichenholze gefertigte Tür.
"Lassen Sie offen!" gebot Pauline, sich nach ihm wendend.
"Der Regen schlägt herein, Ma'am!" war die Antwort, mit welcher er sich langsam auf sein Bett setzte, die arme in einander schlug und seinen Gast von Neuem anzustarren begann.
Der jungen Frau begann es unheimlicher als zuvor zu werden; sie fühlte, dass sie diesem Zustande ein Ende machen müsse. "Haben Sie nicht einen andern Raum, wo etwas Feuer gemacht werden könnte, um meine Kleider zu trocknen?" fragte sie und suchte die möglichste Festigkeit in ihre stimme zu legen.
"Keinen als diesen – wir leben hier nicht so sein, Ma'am!" erwiderte der Aufseher ohne sich zu rühren, aber Pauline glaubte einen unverhohlenen Spott in seinem Tone zu hören.
"Dann verlassen Sie wenigstens auf einige Minuten das Haus, Sir!" rief sie, und die aufsteigende Entrüstung liess sie ihre Furcht vergessen.
"Ich gehe nicht gern im Regen spazieren, Ma'am," erwiderte er trocken; "hören Sie nur, wie es giesst."
"So zwingen Sie mich, selbst zu gehen!" Mit drei Schritten war sie am Ausgange, aber die Tür wich ihrer Bemühung nicht, und dem angestrengten Rütteln antwortete nur ein kurzgestossenes lachen des Mannes hinter ihr.
"Oeffnen Sie augenblicklich,