.
"Lassen Sie mich jetzt zu dem eigentlichen Zwecke meines Besuches kommen, Sir –" sagte Helmstedt.
"Ich glaube nicht, dass wir noch etwas mit einander zu reden haben," unterbrach ihn der Pflanzer kurz; "wenigstens kann ich mir keinen weitern Berührungspunkt zwischen mir und Ihnen denken. Es ist heute ein Tag der dringendsten Geschäfte für mich, und ich werde Sie allein lassen müssen."
"Ich glaube, Sir, dass ein kluger Mann erst hört, ehe er urteilt," erwiderte Helmstedt ruhig; "ich kam Ihrer Angelegenheiten und nicht der meinigen wegen hierher."
Der Pflanzer hatte sich bereits halb nach der Tür gedreht und wandte jetzt den Kopf zurück, "Was ist es?" fragte er unfreundlich. "Wenn es mich betrifft, so sagen Sie es mit zwei Worten; ich habe keinen Augenblick mehr zu verlieren."
"Haben Sie es denn wirklich so eilig, in Ihr eigenes Unglück zu laufen?" entgegnete Helmstedt, und ein Anflug von gutmütigem Spott ging über sein Gesicht; "wollen Sie sich denn vorher nicht wenigstens die Zeit nehmen, einen Mann ruhig anzuhören, der auf die Gefahr hin, von Ihnen zum haus hinaus gewiesen zu werden, hierher kam?"
Elliot drehte sich langsam um und warf einen durchdringenden blick auf seinen Gast. "Was wollen Sie von mir, Sir?"
"Ich wünsche, Mr. Elliot, dass Sie die Tür schliessen," sagte Helmstedt ernst, "sich einige Minuten zu mir hersetzen und hören, was ich Ihnen zu sagen habe. Sie können sich versichert halten, dass ich mich nicht bis jetzt allen Aeusserungen Ihrer Nichtachtung Preis gegeben hätte, wenn ich meiner Genugtuung nicht sicher wäre."
Der Pflanzer sah einen Augenblick in das leuchtende Auge des jungen Deutschen, der hoch aufgerichtet vor ihm stand, schloss dann langsam die Tür und rückte zwei Stühle einander nahe. "So setzen Sie sich denn und reden Sie," sagte er, während er sich selbst niederliess und finster vor sich nieder sah.
"Zuerst eine Frage," begann Helmstedt, Platz nehmend, "und um Ihrer selbst willen bitte ich, sie mir offen zu beantworten. Haben Sie schon irgend ein Arrangement wegen des Anspruchs auf Ihr Eigentum getroffen?"
Elliot sah auf. "Was haben Sie mit diesem Anspruch zu tun, Sir?"
"Es scheint, Sie wissen nicht, dass der jetzt geltend gemachte Besitztitel ein teil einer Erbschaft ist, für welche ich als Vormund des minorennen Erben unumschränkter Verwalter war, und dass erst während der letzten Zeit, seit, wie es hiess, der ursprüngliche Erbe verunglückte, die Hinterlassenschaft in diejenigen hände überging, welche jetzt ihren Anspruch gegen Sie geltend machen wollen."
"Das mag sein, Sir," erwiderte der Pflanzer, aufmerksam werdend; "der Anspruch ist aber in andere hände übergegangen. Was wollen Sie nun noch?"
Helmstedt warf einen blick nach der Tür und den Fenstern. "Was ich will, Sir," sagte er dann mit gedämpfter stimme, "ist nichts weiter, als von allem Vorhandenen, den drohenden Besitztitel einbegriffen, wieder Besitz zu ergreifen, sobald es mir gelingt, rechtzeitig den Umtrieben einer Spitzbubenbande entgegen zu treten, welche meinen noch lebenden Mündel um sein Erbe und Sie um Ihr Eigentum bringen will. Weiter etwas zu sagen, wäre eine strafbare Unvorsichtigkeit, da meine ganze Hoffnung augenblicklich nur in der geträumten Sicherheit der Gauner beruht. Trotzdem und ehe ich noch einen vollen Erfolg meiner Massregeln verbürgen kann, habe ich es für meine Pflicht gehalten, Sie vor jeder Uebereinkunft mit den jetzigen Inhabern des Besitztitels zu warnen, und ich will nur hoffen, dass ich damit nicht zu spät gekommen bin."
Elliot starrte ihn eine Weile wortlos an. "Ich verstehe zwar vollkommen, was Sie sagen," erwiderte er endlich, und seine stimme klang heiser, wie von einem inneren Drucke; "ich weiss aber nicht, ob Sie nicht leichtsinnig oder vielleicht selbst getäuscht eine Hoffnung geben, wo keine ist. Ich kenne von den Verhältnissen, welche Sie mir andeuten, nichts, und darum merken Sie auf, Sir – es handelt sich um die Existenz einer ganzen Familie. Ich habe mich allerdings in Unterhandlungen eingelassen, die heute zum Abschluss kommen sollten, und so hoffnungslos das vorgeschlagene Uebereinkommen auch für mich ist, so vergebens ich auch acht Tage lang mich abgemüht habe, es nur auf den Verlust eines Teiles meiner Ländereien zu beschränken, so schützt es mich doch vor augenblicklichem, gänzlichem Ruin. Stosse ich heute den Vergleichs-Vorschlag zurück und ein für mich hoffnungsloser Process beginnt, so habe ich die sichere Aussicht, mit meinem Grundeigentum auch noch meine ganze bewegliche Habe durch die Kosten des Processes zu verlieren. Wollen Sie mich nun, Angesichts dieses Standes der Dinge noch einmal vor einem Uebereinkommen warnen, Sir?"
Helmstedt sah sinnend vor sich nieder. "Es sei ferne von mir," sagte er nach einer Pause, "eine schwere Verantwortung leichtsinnig auf mich zu nehmen; wie aber die Sachen stehen, muss ich Ihnen Alles, was ich selbst weiss, mitteilen; Ihr persönliches Interesse, Sir, wird Sie vor jedem unvorsichtigen Gebrauche desselben bewahren, und Sie mögen dann handeln, wie es Ihr eigenes Urteil Ihnen vorschreibt." Er gab darauf dem Pflanzer eine kurze Skizze von der seinerseits übernommenen Vormundschaft und seinen Erlebnissen in New-York; er hob es hervor, dass der