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Sie denn von meinen Verhältnissen?"

"Schön!" lachte der Advokat auf; "ich sehe, es ist schlecht handeln mit Ihnen, und muss ich mein Vertrauen riskiren, so kann es allerdings auf ein paar Dollars nicht ankommen." Er zog ein wohlgefülltes Taschenbuch aus seiner tasche und legte einige Banknoten auf den Tisch. "Hier, legen Sie Ihre Hand darauf und lösen Sie Ihr Ticket selbst, damit ich nicht wieder eine Verwechselung in dem Namen begehe. Die einzige Bedingung ist nur, dass Sie mit mir jetzt ohne Winkelzüge verhandeln, damit wir zum Zweck kommen."

Im Bar-Room wurden Stimmen laut, die Tür des kleinen Zimmers öffnete sich und mehrere Reisende traten ein, gefolgt von dem Aufwärter, der einen der Tische abputzte und ein Packet Karten darauf legte.

"Bleiben wir noch hier oder gehen wir aufs Verdeck, wo sich ganz ungestört weiter reden lässt?" fragte Murphy, dem die Störung augenscheinlich ungelegen kam.

"Ich gehe mit Ihnen," sagte Seifert halblaut, die erhaltenen Banknoten zusammenlegend, – "Sie haben mir mit Ihrem Gelde eine Arbeit erspart, sonst hätte ich mir meine Reisekosten von diesen Gentlemen hier bezahlen lassen müssen; – Sie sehen, es fehlt Ihnen gerade noch der vierte Mann, und ich wäre also auch ohne Sie wohl schwerlich in Verlegenheit geraten. Ich bemerke dies nur," sagte er, die Tür öffnend, "dass wir uns bei den kommenden Verhandlungen Beide auf den richtigen Standpunkt stellen." –

Es war ein prachtvoller Tag, welcher die Beiden auf dem Vorderdeck empfing, und an beiden Seiten der Brustwehr sassen und lehnten Gruppen von Passagieren, um die frische Luft zu geniessen. Murphy fasste zwei Rohrsessel und trug sie nach dem vordersten Ende des Schiffes, wo ein Belauschtwerden unmöglich war und jeder sich Nahende sofort bemerkt werden musste.

"Denken Sie sich folgenden Fall," begann der Advokat mit halbgedämpfter stimme, nachdem sich Beide niedergelassen hatten. "Ein alter Mann stirbt auf einer Reise im haus eines Freundes. Der tote hat bei Lebzeiten allerhand sonderbare Geschäfte betrieben, und so findet sich unter seinen Papieren, die einen gar nicht unbedeutenden Nachlass ausweisen, auch eine Notiz über einen alten Besitztitel, lautend auf ein grosses Stück Land in Alabama, den der Verstorbene auf irgend eine Weise erworben bat. Ich muss Ihnen dabei sagen, dass die Grundbesitz-Verhältnisse in manchen Teilen unseres Staates ziemlich im Argen liegen, und dass mancher Farmer nicht sicher ist, selbst wenn er sein Grundeigentum vom Vater ererbt hat, dass eines Tages sich nicht ein älterer Besitztitel findet, welcher ausgestellt ward, als das Land noch nichts wert war, dann vergessen wurde und von dem ein späterer Besitzergreifer, der sich auf freiem Boden niederzulassen glaubte, nichts wusste; dass der Inhaber desselben Familien aus ihren wohlcultivirten Farmen treiben und sich ruhig, ohne einen Cent Entschädigung, hineinsetzen kann. Wie es mit dem Besitztitel des verstorbenen Mannes, von dem ich spreche, sich verhält, weiss ich noch nicht ganz genau; ist es aber wie ich vermute, so steht der grösste teil der Existenz von mehr als einem unserer reichsten Farmer auf dem Spielfalls nämlich die Sache in die richtigen hände kommt, die aus ihr etwas zu machen verstehenund der Entdecker des Anspruchs kann sich von dem Eigentümer des älteren Besitztitels, der auf keinen Fall seinen Vorteil kennt oder auch die Mittel nicht hat, um einen langwierigen Process gegen drei oder vier der reichsten Pflanzer zu beginnen, einen Gewinnanteil bei Durchführung des Anspruchs sichern, der ihn selbst reich machen muss. Ich weiss nun, wo sich dieser Besitztitel befindet, und die Notiz darüber, welche sich in dem Nachlasse befand, ist in meinen Händen, ohne dass ein anderes Auge als das meinige einen blick darauf geworfen hat. Der ganze Nachlass dieses verstorbenen Mannes ist seinem minderjährigen Schwestersohne, der in New-York lebt, vermacht, und als Vormund über diesen ein junger Mann bestellt, der erst seit kurzer Zeit in Alabama wohnt, der aber das ganz besondere Vertrauen des Erblassers genossen haben muss. Ich dachte im ersten Augenblick daran, ihn von dem Funde in Kenntniss zu setzen und halbpart bei dem einzuleitenden Processe mit ihm oder seines Mündels Interesse zu machen, fand aber bald heraus, dass er durchaus kein Mensch für Geschäfte der Art ist, und obenein hat er noch die Tochter eines der Farmer zur Frau, gegen welche sich ein Hauptteil der ganzen Procedur richten müsste. Bei ihm würde ich durch ein paar unvorsichtige Worte Gefahr gelaufen sein, die ganze Angelegenheit zu verderben, ehe sie noch begonnen, und so blieb mir, um vielleicht ein Kapital von 200,000 Dollars für mich selbst herauszuschlagen, nichts übrig, als selbstständig einen andern Weg zu gehen, der, wenn er sich auch etwas holprig gestalten und ich dabei Hilfe notwendig haben mag, doch um so schneller und sicherer zum Ziele führen muss."

Der Sprecher machte eine Pause und sah auf seinen gefährten, als erwarte er von diesem eine Bemerkung oder als wolle er den Eindruck seiner Worte auf ihn wahrnehmen. Seifert aber hatte während der ganzen Rede, das Kinn in die Hand gestützt, vor sich auf den Boden gesehen und nur durch ein leises Kopfnicken zu zeiten seine Teilnahme verraten. Als er jetzt aufsah, war es nur die vollste Gleichgiltigkeit, was Murphy in seinem gesicht entdecken konnte.

"Well, Sir!" begann der Advokat wieder, "was meinen Sie?"

"Well