den Store. Er besah die sonderbar aussehende Zuschrift und schüttelte den Kopf; von wem konnte er wohl einen Brief zu erwarten haben, wer bekümmerte sich in dem grossen Amerika um ihn? Das Postzeichen war so undeutlich aufgedruckt, dass es nicht zu erkennen war, und es machte ihm Vergnügen, sich in zehnerlei verschiedenen Vermutungen zu ergehen, ehe er den Umschlag öffnete. Eine Anzahl Bogen, mit einer Schrift bedeckt, von welcher jeder Buchstabe reichlich einen halben Zoll mass, fiel in seine hände; trotz der Grösse der Worte war es aber, wie es Helmstedt bei dem ersten blick auf die Ortographie derselben scheinen wollte, eine nicht unbedeutende Arbeit, ihren Sinn zu ergründen. Er wandte die Bogen, um nach der Unterschrift zu sehen, hatte aber Mühe, das rechte Ende des Schreibens zu finden, bis seine Augen endlich auf den mit riesigen Buchstaben geschriebenen Namen: "Karl Meiners, genannt Dutch Charlei," fielen. Ein heiteres Lächeln ging über Helmstedt's Gesicht, er wandte sich quer über den Weg nach dem Globe-Hotel und setzte sich dort im Warte-Zimmer nieder, um in Ruhe den Inhalt des erhaltenen Schreibens zu entziffern. Eine kurze Zeit lang schien ihn das Studium der verschiedenen Worte zu belustigen; bald aber wurde sein blick gespannter, hastiger, und mit zusammengezogenen Augenbrauen arbeitete er sich durch die Hindernisse, welche sich dem Verständniss des Sinnes entgegenstellten, bis er endlich zu Ende gelangt, die Hand aufs Papier legte und, wie vollkommen überwältigt von dem Gelesenen, vor sich ins Zimmer starrte. Was er herausbuchstabirt hatte, lautete:
"Lieber Mr. Helmstedt!
Ich habe Ihnen schon vor mehreren Tagen
schreiben wollen, ich habe aber meinen Trouble
mit dem Ben gehabt, welcher der Mary noch immer
nachstellt und ausgefunden hat, wo sie sich im
land aufhält. Sie haben es mit angesehen, wie ich
ihn das erste Mal habe ablaufen lassen; weil ich
aber nicht immer bei ihr sein kann, so habe ich sie
nach einem sichern Orte bringen müssen. Sie ist ei
gentlich nur meine Landsmännin, aber ich habe
auch ehrliche Absichten auf sie und sie ist damit
zufrieden. Jetzt aber das Andere. Sie haben mir da
Erbe komme, weil sie ihn haben tot aus dem
Nort-River gezogen. Den sie aber aus dem Was
ser gebogen haben, war nur eine tote Leiche, die
ich selber habe helfen vom Kirchhofe holen, und
ich hätte Ihnen schon damals gesagt, wie die Sache
steht, wenn ich bestimmt gewusst hätte, ob Ihre Ge
schichte auch wirklich die war, von der ich wusste.
Jetzt weiss ich aber Alles: Bill und Ben haben mit
dem Gelde, was sie bekommen haben, ein lustiges
Leben geführt und haben mir im Rausche erzählt,
um was ich sie gefragt habe. Also ist die Sache so:
Der Graf, wie sie ihn nennen, und weiter weiss ich
von ihm nichts, hat den jungen Verwandten vom
Pfandleiher Meier, der wohl Ihr Mündel sein muss,
aus der Law-Office, wo er gearbeitet hat, wegge
lockt und gesagt, ein alter Onkel von ihm liege
todtkrank in Philadelphia und wollte ihn noch ein
mal sehen, er müsse auf der Stelle mit ihm gehen,
bei Meier's wüssten sie schon um Alles, hat ihn un
terwegs in einem Kleiderladen vom Hemde bis zum
Rocke neue Kleider anziehen lassen, damit er auf
der Reise anständig aussehe, und hat ihn durch den
Bill richtig nach Philadelphia in ein Versteck brin
gegen lassen. Während der Zeit haben sie hier in
New-York eine Judenleiche vom Kirchhofe gestoh
len, haben ihr die alten Sachen von dem jungen
Menschen angezogen und sie in den Nort-River
geworfen. nachher hat es geheissen, der aufgefun
dene tote sei Ihr Mündel. Warum das Alles so
getan worden ist und warum der Graf so viel Geld
dafür gespendet hat, kann ich nicht sagen. Der Graf
hat nachher Ihren Mündel ins Land irgend wohin
gebracht, wo sie ihn verwahrt haben, hat sich sel
ber eine Weile in New-York herumgetrieben und
mit einer Weibsperson, die sich durch schlechten
Lebenswandel Geld gemacht hat, zusammen ge
wohnt. Ich habe selbige Weibsperson von früher
her gekannt, gehe auch ab und zu jetzt noch einmal
hin, weil sie mich besonders leiden mag und immer
ein paar Quarters für mich hat, und so habe ich von
ihr erfahren, dass der Graf eine Speculation in Ala
bama hat, die ihm viel Geld bringen soll, wovon er,
zusammen mit dem Weibsbilde, ein seines, liederli
ches Haus in New-York errichten will. Bei der
Speculation muss aber wohl Ihr Mündel etwas zu
tun haben, denn ich habe mir aus den gefallenen
Reden zusammengereimt, dass er ihn mit hinunter
nach dem Süden nehmen will. Vor etwa einer
Woche ist nun der Graf nach Alabama abgereist
und hat auch der Weibsperson hinterlassen, wohin
sie ihm schreiben soll, wenn etwas vorkommen
sollte; ich habe aber den Zettel noch nicht erwi
schen können. Das habe ich Ihnen also geschrie
ben, weil ich nicht mag dazu geholfen haben, dass
ein junger Mensch um sein Erbe komme, und weil
ich gedacht habe, dass Ihnen mit diesem Schreiben
ein Gefallen geschähe. Jetzt muss ich aber noch
etwas sagen. Ich möchte aus dem liederlichen
Leben hier heraus, möchte was Ordentliches trei
ben und nachher die Mary heiraten. Wenn es also
unten bei Ihnen Beschäftigung gäbe, die sich lohn
te, so könnten