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die weitern notwendigen Schritte. –"

Murphy hatte die Stadt wieder erreicht, das gebrauchte Pferd wieder in den Leibstall zurückgeliefert und ging im Globe-Hotel die Treppe nach dem von ihm bewohnten Zimmer hinauf, um sich von dem Strassenstaube zu reinigen, als er einen Tritt hinter sich vernahm, der sich genau dem seinigen anpasste. Er sah sich nur flüchtig nach der ihm folgenden person um, schloss sein Zimmer auf und stellte hier das mitgebrachte Licht auf den Tisch. – Als er sich umwandte, fiel sein blick auf die Gestalt eines Mannes neben der Tür, von dem sich indessen in der schwachen Beleuchtung nichts Bestimmtes erkennen liess. "Wer ist da?" fragte Murphy barsch.

Die Gestalt kam einige Schritte näher, nahm den Hut ab, verbeugte sich und sagte: "Mein Name ist Wells, SirHenry Wells, Ihnen zu dienen!"

Der advokat starrte den Mann eine Weile sichtbar betroffen an. Schwarzes, lockiges Haar umgab ein glattrasirtes Gesicht; über einer goldenen Brille zeichneten sich ein Paar dunkle, geschwungene Augenbrauen ab, und nur ein eigentümlicher Zug von Sarkasmus um Mund und Kinn mahnte den Advocaten an frühere Bekanntschaft.

"Bei Gott, jetzt erkenne ich Sie erst wieder, Seifert," rief dieser endlich wie in unangenehmer Ueberraschung. "Ihre Verwandlung ist gut, aber in des himmels Namen, was führt Sie denn hierher, wo Sie keinen Augenblick sicher sind, festgenommen zu werden? Sie entsinnen sich doch noch des Sklavendiebstahls beim Squire Elliot?"

"Sklavendiebstahlfestnehmenhm! Aus dem Loche pfeift also jetzt der Wind!" sagte der Andere ruhig, beide arme über einander schlagend, "ich denke, wenn man Wells heisst und selbst von dem eigenen Geschäftepartner nicht wieder erkannt wird, so kann die Gefahr nicht so gross sein. Ist Ihnen denn mein Besuch so unangenehm, Sir, dass Sie gleich versuchen müssen, mir die Freude des Wiedersehens zu verbittern? Oder hatten Sie mit etwas zu grosser Sicherheit darauf gerechnet, dass mir der Boden hier zu heiss sein würde?"

"Well, Sir, um kurz zu sein: was führt Sie eigentlich hierher?" fragte Murphy mit gerunzelter Stirn.

"Sonderbare Frage!" erwiderte Seifert mit anscheinender Befremdung den Kopf schüttelnd. "Sind wir nicht Partner in dem Geschäfte, welches Sie jetzt hier betreiben, habe ich nicht meinen teil Arbeit gewissenhaft erfüllt, so dass ich jetzt als Zuschauer Ihre weitern Schritte beobachten darf? Fürchten Sie durchaus nicht, dass ich Ihnen lästig werde, Sir; ich habe bereits zu meinem grossen Vergnügen gehört, wie meisterhaft Sie alles Nötige eingeleitet haben, am unserm Geschäft einen vollständigen Erfolg zu sichern. Ich habe das grösste Vertrauen zu Ihrem Talente, und ich gestehe Ihnen, dass ich bereits in der idee schwärme, endlich einmal etwas wie ein wohlhabender Mann zu werden."

In Murphy's Gesicht bildete sich ein Zug, halb stiller Aerger, halb Hohn. "Und wenn ich Ihnen nun sage, Sir, dass Sie sich wegen des erwarteten Erfolges verrechnet haben," sagte er sich gegen den Tisch lehnend, "dass der Process gar nicht eingeleitet werden wird und, Alles in Allem, kaum so viel bei dem Unternehmen herausspringen kann, um die von mir daran gewandten Kosten zu decken? Wenn ich Ihnen deshalb sage, dass durchaus keine Ursache für Sie vorhanden ist, um sich hier einer Gefahr der Erkennung preiszugeben?"

"So, sohm, hm!" entgegnete Seifert mit vollkommener Ruhe. "Trotz alledem, lieber Herr, gedenke ich doch ein Weilchen die hiesige Landluft zu geniessen. Ich habe nun einmal die fixe idee, dass Henry Wells hier keine besondere Gefahr zu fürchten hat, selbst wenn Sie, Sir, um ihn los zu werden, ihm ein Freundschaftsstückchen spielen und die alten Geschichten, welche der Mann Seifert begangen haben soll, wieder aufwärmen wollten. In einem solchen Falle könnte ich eine unterhaltende Historie von einem gestohlenen Depositenscheine aus dem Nachlasse des Pedlars Isaak Hirsch erzählen, könnte ganz merkwürdige Entüllungen über die Weise geben, wie der Anspruch gegen Squire Elliot in die Hand eines hiesigen Advocaten gespielt worden ist, und dergleichen mehr, was jedenfalls die Glaubwürdigkeit meines Anklägers etwas erschüttern dürfte. Ich halte mich nach dieser Seite hin nicht nur für gedeckt, sondern glaube auch noch erwarten zu dürfen, dass mich Mr. Murphy als seinen alten Freund Henry Wells aus New-York identifiziren würde, wenn es irgend einem andern Jemand einfallen sollte, daran zu zweifeln."

Murphy hatte sich verfärbt. "Wer sagt Ihnen denn, Sir, dass ich etwas gegen Sie unternehmen will? Ich weiss leider nur zu gut, wie ich mit Ihnen stehe," sagte er und suchte seinen Zügen sichtlich Festigkeit zu geben; "aber ich frage, was ist der Zweck Ihres Hierseins, das nichts nützen, Sie aber jeden Augenblick in Verlegenheit bringen und mich mit hineinziehen kann?"

"Und wenn es nun kein anderer gewesen wäre, als das Andenken meiner geringen person bei Ihnen etwas aufzufrischenkäme ich nicht gerade jetzt zur rechten Zeit?" lächelte Seifert mit seiner ironischen Höflichkeit. "Sie sagten so eben noch, es könne bei unserm Unternehmen kaum etwas für mich abfallen, – wäre es nicht besser, Sie überlegten sich die Sache noch einmal?"

"Ich habe Ihnen gesagt, dass der Fall nicht zum Process kommen k a n n ," versetzte der advokat finster; "ich